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Danewerk und Haithabu : Neuer Anlauf auf den Welterbe-Titel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Alleingang für Danewerk und Haithabu: Die zweite Bewerbung findet ohne die internationalen Partner statt. Die Entscheidung ist für 2018 angepeilt.

Schleswig | Die Entscheidung war letztlich nicht mehr wirklich überraschend, der Schock aber war dennoch tief und wirkte lange nach. Im Juni vergangenen Jahres sprach das Welterbekomitee der Unesco sein Urteil: Die Sammelbewerbung zur Wikingerkultur wird nicht in die Liste aufgenommen. Jetzt soll es einen neuen Anlauf geben.

Unter der Federführung von Island waren insgesamt sieben archäologische Denkmäler und Stätten der Wikinger angemeldet worden, die in Island, Dänemark, Norwegen und Lettland liegen. Deutschland war durch die Festungsanlage Danewerk und das Wikinger-Handelszentrum Haithabu vertreten. Mehr als zehn Jahre hatte der Vorlauf für die Bewerbung gedauert, die in der renommierten Auszeichnung enden sollte. Seit 2008 wurde dann im internationalen Verbund konkret an der Bewerbung gearbeitet. Den deutschen Teil bearbeitete das Archäologische Landesamt unter der Leitung von Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, dem leitenden Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Die Landesbehörde ist für den Schutz und den Erhalt der archäologischen Denkmale Danewerk und Haithabu zuständig.

Die Hoffnung war, dass die gesamte Region rund um die Schlei von dem Titel „Welterbe“ profitieren würde. Die Initiatoren erhofften sich von dem neuen Alleinstellungsmerkmal, den Tourismus auf eine breitere Basis stellen zu können, darüber hinaus sollte auch die Lebensqualität für die Einheimischen erhöht werden – beispielsweise durch neue Parkanlagen und andere Freizeiteinrichtungen.

Nach der langen und intensiven Vorbereitung der Bewerbung war die Ernüchterung umso größer, als am 4. Juli 2015 die Absage kam. Das Komitee begründete seine Entscheidung mit Bedenken, ob mit den genannten sieben Stätten das gesamte Phänomen der Besiedelung und des Handels durch die Wikinger in Nordeuropa nachgewiesen werden könne. Letztlich sei das Konzept zu vage gewesen – auch weil die Verbindung zwischen den einzelnen Orten nicht klar erkennbar gewesen sei, teilte die Jury mit.

Schleswig-Holsteins Kultusministerin Anke Spoorendonk zeigte sich anschließend enttäuscht, aber auch entschlossen, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. „Wir sollten die Situation als Chance nutzen und uns mit den geäußerten Bedenken sorgfältig auseinandersetzen. Ich werde mich dafür einsetzen, einen neuen gemeinsamen Antrag zu erarbeiten, mit dem wir das Komitee überzeugen können“, sagte sie.

Inzwischen wird die Anregung in die Tat umgesetzt, wie Landrat Wolfgang Buschmann gestern bestätigte. Es habe sich nach der ablehnenden Entscheidung gezeigt, dass unter den internationalen Partnern die Neigung nicht sehr ausgeprägt gewesen sei, noch einmal solch einen gewaltigen Aufwand zu betreiben. Deshalb, so der Landrat, habe man sich zu einer neuen Bewerbung im Alleingang entschlossen – nur für Haithabu und das Danewerk. Die Grundlagen dafür sind vorhanden, jetzt besteht die Aufgabe darin, die Alleinstellungsmerkmale und die Bedeutung der nationalen Stätten deutlich zu machen – und ohne die Bezüge zu Island, Norwegen, Dänemark und Lettland darzustellen.

Die neuerliche Bewerbung soll im kommenden Jahr eingereicht werden – mit der Hoffnung, dass sich das Komitee 2018 den Argumenten anschließt und Danewerk und Haithabu als Weltkulturerbe anerkennt.

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erstellt am 09.Dez.2016 | 12:00 Uhr

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