Für Menschen mit Cochlea-Implantat : Neue Wohngruppe am Landesförderzentrum

Anlaufstelle für Hörgeschädigte aus ganz Norddeutschland: Das Landesförderzentrum Hören und Kommunikation weiht seine neuen Räume ein.

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23. Juni 2019, 18:42 Uhr

Schleswig | Für Menschen mit Hörproblemen ist Schleswig die erste Anlaufstelle. Hier, im Landesförderzentrum Hören und Kommunikation (Lutherstraße 14 sowie Seminarweg 20) stehen Spezialisten in Pädagogik, Medizin und Technik bereit, um Schwerhörige und Gehörlose jeden Alters nach neuestem Forschungsstand versorgen zu können. Jetzt ist – als ein weiterer Ausbauschritt im Landesförderzentrum – der Komfort-Faktor hinzu gekommen. Dafür wurden im Internatsgebäude sechs Räume einer Wohngruppe vom Fußboden bis zur Decke saniert und komplett neu gestaltet. Geradezu gestylt, kann man sagen, denn bis hin zum Mobiliar hat alles einen modernen Chic erhalten.

Hörgeschädigte aus ganz Norddeutschland kommen nach Schleswig

Somit sind Erwachsene und ältere Hörgeschädigte, die aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teilen Niedersachsens hierher kommen, aufs angenehmste untergebracht für die Zeit, in der sie für den Umgang mit dem Cochlea-Implantat, einer implantierten Hörprothese, von den Experten eingewiesen und geschult werden müssen.


‟„Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt in Schleswig eine Nachsorge mit Komfort anbieten können“, erklärte Landesförderzentrums-Direktor Ingo Degner bei der Einweihung der neuen Räume. Denn bisher mussten ältere Hörgeschädigte, darunter über 80-Jährige, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen im Internat auch sanitäre Einrichtungen teilen. ‟Nachdem das rote Band zum frisch sanierten Wohngruppen-Komplex durchtrennt worden war, unter Mithilfe von Bürgermeister Arthur Christiansen und Vertretern des Kieler Bildungsministeriums, wurden die Räume gemeinsam mit allen Gästen inspiziert – und für toll befunden.

Schnipp: Das Band zu den neuen Räumen im Internatsgebäude am Seminarweg 20 ist durchtrennt. Hier erhalten künftig erwachsene Hörgeschädigte, die aus ganz Norddeutschland kommen, Einweisungen für den Umgang mit ihrem Cochlear-Implantat. Ganz zur Freude von Direktor Ingo Degner (r.), Ministerialrätin Dagmar Lorenzen (Kieler Bildungsministerium) und Bürgermeister Arthur Christiansen.
Frauke Bühmann
Direktor Ingo Degner (r.), Ministerialrätin Dagmar Lorenzen (Kieler Bildungsministerium) und Bürgermeister Arthur Christiansen.
 

Tatsächlich gleichen sie Hotelzimmern höheren Standards, die Badezimmer verfügen sogar über höhenverstellbare Waschbecken. Bis ins Detail wurde bei der Sanierung (Kosten: rund 454.000 Euro) an die Befindlichkeiten von Menschen gedacht, die sich mit einer Hörprothese neu orientieren müssen.

Zusammenarbeit mit Kieler Uniklinikum

Das Einsetzen des Implantats findet an der Kieler HNO-Universitätsklinik statt. Gemeinsam betreiben die Uniklinik und das Landesförderzentrum die Einrichtung unter der Bezeichnung ‟Cochlear-Implant-Centrum Schleswig-Kiel“ (CIC). Eine Kooperation, bei der es um die medizinische und therapeutische Begleitung der Hörgeschädigten (vom Kleinkind bis zum Greis) geht – und zwar von der Diagnose über die Implantatversorgung bis hin zur Basistherapie nach der Operation. „Zu dieser Nachsorge, die auch die erste Einstellung des Sprachprozessors beinhaltet, kommen derzeit etwa 110 Erwachsene und 140 Kinder zu uns. Jeder von ihnen bleibt in der Regel für zwei bis drei Tage in der Woche, bis alles optimal eingestellt ist“, berichtete Degner.

Pluspunkt für den Gesundheitsstandort Schleswig

In diesem Zusammenhang brachte er den Aspekt „Gesundheitsstandort Schleswig“ ins Spiel: ‟Wir ziehen mit Stadt und Region an einem Strang, um diesen zu stärken.“ Und: „Unser CIC mitsamt der neuen Wohngruppe ist eine weitere Perle des Gesundheitsstandortes hier!“

Den Gedanken des interdisziplinären Zusammenspiels von Medizin, Bildung und Technik griff auch Bürgermeister Arthur Christiansen in seiner Rede auf und kündigte zum Stichwort Akademisierung der Pflegeberufe an, man werde mit Schleswiger Institutionen wie den Helios-Kliniken, den Landesförderzentren, dem BBZ sowie den Fachhochschulen der IHK weiter daran feilen, den Gesundheitsstandort auszubauen.

Schüler aus dem ganzen Land werden betreut

Das Landesförderzentrum Hören betreut landesweit 918 Schüler mit unterschiedlich ausgeprägten Hörschädigungen, die meisten von ihnen in den jeweiligen Schulen ihrer Heimatorte. In der Gemeinschaftsschule des Förderzentrums an der Lutherstraße werden derzeit 70 Kinder und Jugendliche unterrichtet.



 

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