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Schleswiger Werkstätten : Neue Wohnanlagen am Ilensee und am Berender Redder

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Werkstätten expandieren. Die Einrichtung bietet zudem an, zeitweise Flüchtlinge aufzunehmen.

von
erstellt am 21.Sep.2015 | 12:03 Uhr

Es sind ambitionierte Projekte, die bei den Schleswiger Werkstätten ins Haus stehen. Gleich zwei neue Wohneinrichtungen für behinderte Menschen sollen in Schleswig in den kommenden Jahren entstehen. Eine davon will man selbst bauen, die andere soll angemietet werden. So oder so: Schon Anfang kommenden Jahres könnte für beide Projekte der Startschuss fallen.

Das größere der beiden Bauvorhaben soll am Ilensee entstehen – auf dem Gelände, wo bis vor einigen Monaten das Jugendaufbauwerk der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (NDG), die Träger der Schleswiger Werkstätten ist, ansässig war. „Seitdem die Maßnahme dort ausgelaufen ist, stehen die Gebäude leer. Jetzt soll das Grundstück wieder mit Leben gefüllt werden“, sagt Werkstätten-Geschäftsführer Jan-Henrik Schmidt. Er hatte beide Projekte bereits in der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses vorgestellt – und in beiden Fällen ein durchweg positives Echo der Politiker erhalten. Auch deshalb ist er optimistisch, dass es bereits im kommenden Frühjahr losgeht mit den Bauarbeiten am Ilensee.

Bis auf die zur Straße ausgerichtete Werkstatt sollen sämtliche Gebäude im hinteren Bereich des Geländes abgerissen werden. Insbesondere der Flachbau aus den 70er Jahren sei feucht, stark von Schimmel befallen und deshalb nicht mehr nutzbar. Künftig soll an gleicher Stelle ein dreistöckiger U-förmiger Wohnkomplex entstehen, der Platz für 36 stationär betreute Bewohner bietet. Rund 4,5 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Eine stolze Summe, die die Werkstätten zunächst aus Eigenmitteln aufbringen, „die später aber über die Pflegesätze refinanziert werden“, so Schmidt.

Ein Grund dafür, dass man sich für den Bau einer neuen Wohneinrichtung entschieden hat, sind laut Jörg Jaskolka, Leiter der stationären Wohnstätten, „die nicht mehr zeitgemäßen Zustände in unserem Haus an der Stampfmühle“. Dort, wo einst die Discothek „Eden“ beheimatet war, wohnen bislang noch 14 pflegebedürftige Menschen. „Aber es ist zu eng und ein Umbau kaum möglich“, so Jaskolka. Deswegen werde man sich von dieser Immobilie trennen. Gleichzeitig stockt man durch den Neubau am Ilensee die Kapazitäten für stationär betreute Wohnplätze weiter auf (von heute 160 auf dann 176). Zudem entstehen vier neue Plätze für die Kurzzeitpflege.

Gleiches gilt für eine Einrichtung, die im zweiten Bauabschnitt am Berender Redder geplant ist. Dort (auf Reihenhaus-Bauplätzen in der Straße Trollberg) will ein Investor eine Wohnanlage errichten, die später von den Werkstätten angemietet werden soll. „Dabei handelt es sich allerdings, im Gegensatz zum Ilensee, um ambulantes Wohnen“, sagt die zuständige Sachbearbeiterin der Werkstätten, Maresa Elhardt-Weise. 16 Partien seien in dem zweigeteilten Gebäudekomplex geplant, in den Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen einziehen sollen. „Manche davon brauchen mehr Betreuung, andere weniger. Oft helfen sie sich auch gegenseitig“, weiß sie aus den Erfahrungen, die man aus dem bereits bestehenden Wohnprojekt im ersten Bauabschnitt des Berender Redders gesammelt hat.

Dort kam es vor und während der Bauphase im Sommer 2013 zunächst zu Protesten von Anwohnern. Diese waren aufgeschreckt, nachdem unmittelbar zuvor zwei pädophil veranlagte Männer in der nicht weit entfernten Einrichtung „Klappschau“ untergekommen waren. Die Werkstätten reagierten darauf mit einer offenen Aufklärungs-Kampagne. „Damit haben wir die Bedenken wohl weitestgehend ausgeräumt. Auch diesmal beantworten wir den Nachbarn gerne all ihre Fragen“, sagt Elhardt-Weise, die gleichzeitig auch betont, dass die Stadt angehalten sei, genügend sozialen Wohnraum zu schaffen. „Auch das gehört ja zum Berender Redder dazu.“ Bis bei beiden Projekten jedoch die Bagger anrollen, soll zumindest eines der Gebäude am Ilensee nicht ungenutzt überwintern. „Wir haben der Stadt angeboten, das ehemalige Verwaltungsgebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen“, sagt Schmidt. Dieses Haus sei noch in einem annehmbaren Zustand, man wolle gerne helfen und dafür auch keine Miete nehmen. „Allerdings gilt das Angebot nur bis zum 31. März 2016. Dann wollen wir mit den Arbeiten beginnen. Wir können und wollen ja nicht Behinderte und Flüchtlinge gegeneinander ausspielen.“

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