zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

19. September 2017 | 22:52 Uhr

Schleswig : Neue Pläne für Lange Straße 36

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der umstrittene Leiter der städtischen Bauaufsicht hat sein Grundstück an der Langen Straße überraschend verkauft.

von
erstellt am 12.Jul.2017 | 07:31 Uhr

Während im Rathaus die Experten einer renommierten Anwaltskanzlei (KPMG) noch immer dabei sind, den von den SN ans Licht gebrachten Vorwürfen gegen den städtischen Bauaufsichtsleiter auf den Grund zu gehen, gibt es nun – quasi auf der Nebenspur – völlig neue Entwicklungen in der Sache. Denn der in der Kritik stehende Schleswiger Beamte, dem eine seit Jahren andauernde mehrfache Verquickung dienstlicher Belange mit eigenen Privatgeschäften nachgesagt wird, hat sein Grundstück Lange Straße 36 verkauft. Jenes Grundstück, auf dem er sein in vielen Augen überdimensioniertes Mietshaus hatte bauen wollen, was einigen der rückwärtigen Nachbarn Licht und Sonne genommen hätte. Auch in der Politik war das Projekt umstritten, zumal es sich kaum in die historische Häuserreihe der Langen Straße eingefügt hätte. Als Bauherrin des Projekts fungierte nach außen hin die Ehefrau des städtischen Bauaufsichtsleiters. Einer der Nachbarn hat zudem im März beim Verwaltungsgericht in Schleswig Klage in dieser Sache gegen die Stadt eingereicht, da sie die Baugenehmigung für das Projekt erteilt hatte.

Viel Ärger für alle Beteiligten also – und jetzt plötzlich die Wende. Der Bauaufsichtsleiter hat sein bisher so hartnäckig verfolgtes Projekt aufgegeben und das Grundstück Lange Straße 36 sogar verkauft. Was wird nun aus dieser städtebaulich sehr interessanten Ecke? Und wer sind die neuen Käufer?

Nach SN-Informationen haben Elektromeister Hans-Lothar Höpner aus Treia und Immobilienmakler Detlef Petersen aus Schleswig das Grundstück als Eigentümergemeinschaft erworben. Sie besitzen ebenfalls das nebenstehende Baugrundstück Nr. 34, auf dem sie Mitte März ein verfallenes Gebäude hatten abreißen lassen. Dort soll in den nächsten zwei Jahren ein neues Wohnhaus mit fünf Mietwohnungen errichtet werden. Und zwar nicht höher als zweieinhalbgeschossig, heißt es. Projektbetreiber ist das Duo Höpner/Petersen ebenfalls beim Neubau zur Noorstraße hin, der in diesen Wochen hochgezogen wird. Diesen Neubau empfinden Nachbarn, wie einige gegenüber den SN betonten, als „städtebaulich durchaus gelungen“.

Hans-Lothar Höpner selbst bestätigte gestern auf Nachfrage den Kauf des im öffentlichen Fokus stehenden Grundstücks Lange Straße 36 und erklärte: „Wir wollen hier versuchen, dass zunächst Ruhe einkehrt unter den Bewohnern und Nachbarn.“ Den Projektplan, den der Bauaufsichtsleiter als bisheriger Besitzer aufgestellt hatte, wolle man nicht weiter verfolgen, sagte er. So wird also der von den Anwohnern ungeliebte Plan begraben. Was kommt an dessen Stelle?

„Das wissen wir noch nicht so genau, das ist noch alles in der Findungsphase“, sagte Höpner. Auf jeden Fall aber wolle man auf dem Grundstück ein Projekt kreieren, das „im Einklang mit den Nachbarn entsteht“. Und es solle der städtebaulichen Erscheinung der Langen Straße entsprechen.

Damit ist das Engagement in der Langen Straße von Petersen und Höpner noch nicht zu Ende. Mit einbezogen in die Erneuerungsstrategie des Straßenzuges wird auch das gelbgeklinkerte Eckhaus Nr. 32. „Der Kaufvertrag mit den Besitzern ist unterschrieben“, teilte Höpner mit. Bei allen Bauunternehmungen wolle man an den Fassaden die historisch gewachsene Einzelteilung in der Straße bewahren.

Die neue Entwicklung in der Langen Straße dürfte für ein kollektives Aufatmen unter den Anwohnern sorgen. Was geschieht derweil im Rathaus, wenn die Fachleute der KPMG-Anwaltskanzlei aus Hamburg ihren Abschlussbericht über alle Vorgänge bei der Bauaufsicht zusammengestellt haben? Der Bericht wird für Ende Juli angekündigt und so voraussichtlich erst nach der Sommerpause im Hauptausschuss präsentiert werden. Die Kommunalpolitiker kündigen an, dann gemeinsam mit Bürgermeister Arthur Christiansen (auch ihm werden mögliche Aufsichts-Versäumnisse in dieser Sache vorgeworfen) zu überlegen, was passieren soll. Denn der Bürgermeister ist Disziplinarvorgesetzter des Bauaufsichtsleiters und hat daher das Recht und die Pflicht, entsprechende Schritte einzuleiten.

Der Bauaufsichtsleiter selbst wollte sich gestern auf SN-Nachfrage nicht zu den aktuellen Vorkommnissen äußern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen