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Schleswiger Nachrichten

17. Dezember 2017 | 23:15 Uhr

Schleswig : Neue Idee für ein Theater-Haus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Über eine Genossenschaft wollen Schleswiger Bürger den Bau einer Mehrzweckhalle finanzieren. Doch der Weg dahin ist noch weit.

von
erstellt am 04.Nov.2015 | 12:06 Uhr

Fünf Monate lang feilten sie an ihrer Idee, führten unzählige Gespräche, klopften die Erfolgsaussichten ab. Nun machen Caroline Schwarz und Professor Willy Diercks bei ihrem möglicherweise bahnbrechenden Vorhaben Nägel mit Köpfen: In Form einer Genossenschaft wollen sie Schleswig doch noch zu einem neuen Theatergebäude verhelfen. Vergangene Woche trafen sie sich dazu mit einer Handvoll Mitstreiter und gründeten den Verein „Neue Schleihalle“ – eine Reminiszenz an die alte Schleihalle, die einst als Veranstaltungsort ein kultureller Mittelpunkt der Stadt war. Und auch die neue Schleihalle soll ein Ort werden, an dem mehr als nur Theater gespielt wird: Konzerte, Kabaretts, Tagungen und Kongresse sowie private Veranstaltungen wie Abi- oder Gildebälle sollen in dem Multifunktionsgebäude mit bis zu 600 Plätzen – möglichst auf dem Gelände des abgerissenen Stadttheaters im Lollfuß – stattfinden. Zudem könnte dort auch das derzeit noch auf der Freiheit angesiedelte Varietétheater „Heimat“ eine neue Heimat bekommen.

Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, mit Info-Veranstaltungen sowie dem Anwerben von Sponsoren und Mitgliedern die Gründung der Genossenschaft und auch ein Finanzierungskonzept vorzubereiten. Etwa 15 Millionen Euro, schätzen die Initiatoren, werde der Bau einer Mehrzweckhalle kosten. „Durch die Gründung des Vereins haben wir jetzt ein Mandat und können zum Beispiel Gespräche mit Banken führen“, sagt Diercks, der zum Vorsitzenden gewählt wurde. Mitte nächsten Jahres, so das Ziel, solle dann die Genossenschaft ihre Arbeit aufnehmen. Auch in anderen Städten hätten Kulturgenossenschaften ähnliche Projekte realisiert.

Und was treibt die beiden an? „Es gelingt in Schleswig nicht, die Lagerbildung in der Theaterfrage zu beenden“, sagt Willy Diercks (70), früherer langjähriger Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes und ausgewiesener Theaterliebhaber. „Es hat sich nichts bewegt“, ergänzt Caroline Schwarz (61), ehemalige Kulturbeauftragte des Landes und frühere CDU-Ratsfrau, die einst auch die Vision einer Landesgartenschau in Schleswig verwirklicht hatte. Deshalb sei man auf die Idee mit einem Genossenschaftsmodell gekommen: „Alle Leute, die ein Interesse an der Veranstaltungsstätte haben, können sich an dem Projekt beteiligen.“

Aus ökonomischer Sicht habe das Modell einige Vorteile, erläutert Diercks. Eine privatwirtschaftlich organisierte Genossenschaft müsse keine Mehrwertsteuer zahlen und sei nicht gehalten, ein Bauvorhaben auszuschreiben. So könnten mit lokalen Firmen gegebenenfalls Sonderkonditionen ausgehandelt werden. Auch für die Stadt würde sich eine Mitgliedschaft lohnen, so Diercks weiter. So würden die fünf Millionen Euro, die bislang als Zuschuss für einen Theaterneubau gedacht waren, sogar noch verzinst. Genauso sei es mit der einen Million, die der Kreis beisteuern könnte. Aus diesem Grund könne eine Mitgliedschaft auch für die Umlandgemeinden attraktiv sein, glaubt Diercks. Und auch für Firmen.

Egal ob bei Genossenschaftsverband, Deutschem Bühnenverein oder Vertretern der politische Parteien – „in allen Gesprächen, die wir geführt haben, gab es positive Rückmeldungen“, freut sich Diercks. In einem in der Vereinssatzung vorgesehenen Beirat sollen die in der Ratsversammlung vertretenen Parteien beratend zur Seite stehen. „Alles, was der Weiterentwicklung der Stadt dient, wollen wir unterstützen“, sagt CDU-Fraktionschef Holger Ley. Die Erfolgsaussichten des Genossenschaftsmodells könne er zwar nicht bewerten. Auf jeden Fall sei das Projekt aber ein Grund mehr, sich nicht für zwölf Jahre an die Übergangsspielstätte Slesvighus zu binden, betont Ley. Auch sein SPD-Kollege Stephan Dose steht dem Vorhaben offen gegenüber. „Im Prinzip verfolgen wir die gleiche Zielrichtung – den Bau einer Kulturhalle.“

Angedockt werden an die Mehrzweckhalle soll den Plänen zufolge ein Hotel. Und da kommt Uwe Hahn ins Spiel. Der Busdorfer Investor gehört dem Vorstand von „Neue Schleihalle e.V.“ als Beisitzer an. Das Hotelprojekt wolle er jedoch losgelöst vom Genossenschaftsmodell realisieren. Auch Wohnungen auf dem Gelände seien denkbar. „Wenn alle Beteiligten das wirklich wollen und ehrlich miteinander umgehen, dann bin ich überzeugt, dass die Errichtung einer solchen Mehrzweckhalle machbar ist“, sagt Hahn.

Den parteiübergreifenden Ansatz sieht auch Bürgermeister Arthur Christiansen als wichtig an. Zum neuen Finanzierungsmodell äußerte er sich auf SN-Nachfrage zwar zurückhaltend, würdigte aber ausdrücklich das ehrenamtliche Engagement der Akteure und sicherte ihnen seine „Unterstützung für diesen Weg“ zu.

Doch auch Willy Diercks ist klar: „Wir stehen erst am Anfang. Es sind noch einige Klippen zu umschiffen.“

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