zur Navigation springen

Landestheater : Neue Hoffnung für Standort Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gesellschafter des Landestheaters entscheiden zwischen zwei Varianten – eine davon setzt auf eine Spielstätte an der Schlei.

von
erstellt am 07.Feb.2015 | 07:52 Uhr

Erleichtert begab sich Bürgermeister Arthur Christiansen gestern Nachmittag auf die Heimfahrt nach Schleswig. Fünf Stunden lang hatte die Strategiegruppe zur Zukunft der Landestheater GmbH in Rendsburg getagt und dabei von der Münchner Unternehmensberatung Actori verschiedene Szenarien vorgelegt bekommen. Von sieben Varianten blieben nach intensiven Beratungen am Ende zwei übrig – und eine davon setzt weiter auf Schleswig als Spielstätte und Sitz der Generalintendanz. „Ich bin mit einem guten Gefühl aus den Gesprächen herausgegangen“, freute sich Christiansen. Die Chancen für einen Theaterneubau stünden nunmehr fifty-fifty.

„Schleswig hat es jetzt ein Stück weit selbst in der Hand“, sagte der Chef des Landestheater-Aufsichtsrates, Pierre Gilgenast. „Die Stadt muss in den kommenden Wochen klären, ob ein Theaterneubau realisierbar ist.“ Spätestens Mitte Mai sollen die Gesellschafter abschließend über die neue Struktur der GmbH entscheiden. Dann liegen genaue betriebswirtschaftliche Berechnungen zu den beiden Varianten vor.

Zum gestern ausgehandelten Kompromiss gehört, dass Schleswig zwar Sitz von Generalintendanz und Verwaltung bleiben könnte, die Schauspielproduktion aber nach Rendsburg verliert. Gilgenast wollte jedoch ebenso wenig wie Christiansen ins Detail gehen, um weiteren Gesprächen mit den Gesellschaftern nicht vorzugreifen. Zur Strategiegruppe gehören lediglich Aufsichtsrat, Generalintendanz sowie die Bürgermeister von Flensburg, Schleswig, Rendsburg und Itzehoe. Nach Informationen unserer Zeitung könnte Schleswig aber mehr Zeit für den Bau des Theaters eingeräumt werden. Hieß es bislang, dass das Landestheater bis längstens 2017 ohne eine neue Spielstätte an der Schlei auskommen kann, liegen nunmehr Berechnungen vor, wonach die Rücklagen bis zum Ende der Saison 2020/21 reichen könnten. Ein Grund dafür ist die aktuelle Spielzeit, die den Angaben zufolge wesentlich erfolgreicher verläuft als gedacht. So erwarte man in dieser Saison statt des kalkulierten Defizits von 200  000 Euro lediglich ein Minus von 125  000 Euro, heißt es.

Damit die Variante eins – also ein Landestheater mit Schleswig – greift, muss die Stadt ein Bühnenhaus mit mindestens 380 Plätzen errichten. Das entspricht den Modellen, die die Firma „DFZ Generalplaner GmbH“ in ihrer Machbarkeitsstudie unlängst für den Standort Lollfuß präsentiert hat. Knackpunkt ist und bleibt jedoch die Finanzierungsfrage. Den DFZ-Berechnungen zufolge kostet allein der Bau des Kerntheaters mindestens 17 Millionen Euro brutto – weit mehr als ursprünglich gedacht. Ohne Landesmittel in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro ist das Vorhaben nicht zu stemmen. Kiel aber hält sich bedeckt. Und ob die ebenfalls benötigten 6,3 Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitionsfonds fließen, ist nach wie vor unklar.

Als Bürgermeister von Rendsburg möchte Gilgenast den Theaterstandort in seiner eigenen Stadt stärken. Aber auch er weiß um die Gefahr einer Kettenreaktion, die ein Ausstieg Schleswigs aus der Landestheater GmbH bedeuten würde und auf die Teilnehmer in der gestrigen Sitzung noch einmal hinwiesen. Denn sollte sich die Schleistadt als Gesellschafterin verabschieden, würden mit ziemlicher Sicherheit der Kreis Schleswig-Flensburg und eventuell auch der Kreis Rendsburg-Eckernförde folgen. Am Ende könnte das gesamte Konstrukt Landestheater nicht mehr finanzierbar sein und zusammenbrechen. Deswegen ist Variante zwei, die nur noch Flensburg und Rendsburg als Hauptspielstätten vorsieht, die vielleicht riskantere Alternative. Zudem würde sich das Landestheater in dieser abgespeckten Form wohl auch kein Sinfonieorchester mehr leisten können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen