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Aktenzeichen XY : Neue Hinweise im Mordfall Erna Ganz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mehr als 20 Anrufer bei ZDF-Sendung. Ermittler der Kripo Flensburg wollen weitere 150 Speichelproben nehmen.

Wer ist der Mörder von Erna Ganz? Auch 32 Jahre nach der Tat in dem Mehrfamilienhaus Friedrichstraße 82 will die Flensburger Mordkommission jedem Hinweis und jeder Spur nachgehen, um den Täter doch noch zu finden, der das schreckliche Verbrechen an der damals 73-jährigen Schleswiger Rentnerin begangen hatte. Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Polizei nun, nachdem Mittwochabend der Fall durch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY – ungelöst“ bundesweit bekannt gemacht worden war. Und tatsächlich: Obwohl die Ermittler auch hier keine konkrete Spur zum Tatverdächtigen erlangen konnten, gingen während der Sendung mehr als 20 Hinweise zu dem Raubmord ein, der am 30. Juni 1982 im Friedrichsberg geschah. Das teilte die Mordkommission mit.

Diese Anrufer hätten auf mögliche Verbindungen zu anderen ungeklärten Taten aufmerksam gemacht, aber auch Hinweise zum Raubgut gegeben – der Mörder von Erna Ganz hatte aus ihrer Wohnung Münzen und Armbanduhren mitgenommen. Ebenfalls wurden allgemeine Beobachtungen zu Begebenheiten aus dem Umfeld des Tatortes mitgeteilt. „Aus alldem können sich durchaus weitere Ermittlungsansätze entwickeln“, erklärte Ulf Petersen von der Mordkommission Flensburg gestern am Tag nach der Sendung.

Auf Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen (zuständig ist die Kripo Flensburg unter 0461/ 4840), hat die Staatsanwaltschaft Flensburg 3000 Euro als Belohnung ausgesetzt.

In der Sendung von „Aktenzeichen XY – ungelöst“, die live aus dem Münchner Studio ausgestrahlt wurde, befragte Moderator Rudi Cerne die ermittelnde Kripo-Hauptkommissarin Susanne Jager aus Flensburg zu weiteren Einzelheiten in dem Mordfall. Zum Beispiel, was es mit dem rosa-gemusterten Kleid auf sich habe, das vor der Kamera präsentiert wurde. „Wir erhoffen uns zu erfahren, wer das Kleid kennt und wem es gehörte“, sagte Jager. Das erkennbar selbst genähte Kleid habe die Kripo seinerzeit in der Wohnung von Erna Ganz vorgefunden. Da das Mordopfer Schneideraufträge ausgeführt und das besagte Kleid zum Abholen bereit gelegen habe, sei die Frage nach der Herkunft und der Besitzerin für die Kripo von großem Interesse.

Erna Ganz war in den Abendstunden des 30. Juni 1982 in ihrer Parterre-Wohnung mit einem Kissen erstickt und anschließend sexuell missbraucht worden. Der Sohn hatte seine so zugerichtete Mutter am nächsten Tag gefunden.

„Ungeklärte Altfälle wie diese werden nicht zu den Akten gelegt“, sagte Susanne Jager in der Sendung. Dank modernster DNA-Labortechnik sowie neuester Ergebnisse der sogenannten Operativen Fallanalyse (OFA) könne die Tat heute sehr genau rekonstruiert werden. Jager: „Wir gehen davon aus, dass der Mörder sein Opfer gezielt ausgewählt und gekannt hat. Vielleicht wusste er von dem Polterabend, zu dem alle Hausbewohner gegangen waren und die Rentnerin allein im Haus war.“

Im vergangenen Juni hatte die Polizei eine in Schleswig beispiellose DNA-Reihenuntersuchung mit 1200 Männern organisiert – jedoch ohne Fahndungserfolg. Jetzt stehen noch weitere 150 Speichelproben aus.

Mord verjährt nicht – doch unabhängig von juristischer Seite sagte Pastor Norbert Wilckens, der seinerzeit die Trauerrede bei der Beerdigung von Erna Ganz gehalten hat, gestern gegenüber den SN: „Es gehört zur Menschenwürde von Frau Ganz, dass man sie nicht vergisst und ihren Mörder sucht.“

 

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erstellt am 09.Mai.2014 | 15:36 Uhr

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