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Schleswiger Nachrichten

19. Oktober 2017 | 15:02 Uhr

Handewitt : Neue Heimat für die Knoblauchkröte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf einem Acker in Jarplund entsteht ein Biotop für seltene Amphibien. Finanziert wird das Vorhaben durch Ausgleichsmittel des Kreises.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2014 | 17:32 Uhr

Sie ist keine Schönheit und wenn sie sich aufregt, riecht sie streng. Selbst dort, wo die Knoblauchkröte noch geeigneten Lebensraum findet, ist sie selten zu sehen, denn sie gilt als Maulwurf unter den Amphibien – vergräbt und versteckt sich gern. Weil es ihr an geeignetem Lebensraum mangelt, steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Doch sie hat gute Freunde: Die Stiftung Naturschutz richtet aus Ausgleichsmitteln des Kreises auf dem Stiftungsland Königshof jetzt mehrere Teiche als neue Heimat für Knoblauchkröte, Kammmolch, Grasfrosch und Co. ein.

Auf einem ehemaligen Maisacker in Jarplund zieht ein Bagger zurzeit seine Kreise, denn bevor es auf der bislang intensiv landwirtschaftlich genutzten Fläche wieder natürlich zugehen kann, muss erst einmal in großem Stil umgegraben werden. Drei Krater ähnliche Löcher sind dort entstanden, mindestens anderthalb Meter tief und mit flach ansteigenden Rändern. „Für Amphibien geeignete Teiche müssen in den Uferzonen immer mindestens eine handbreit Wassertiefe aufweisen“, erklärt Biologe Wolfgang Lenschow, Amphibien-Experte und Bauleiter. Nur so sei gewährleistet, dass sich das Wasser in diesen Bereichen im Frühjahr rasch erwärme und so der Laich der Amphibien beste Entwicklungsbedingungen erhalte.

Die Wahl der Standorte für die Teiche stellte die Experten um Flächenmanager Christian Dolnik von der Stiftung Naturschutz vor einige Probleme, denn unter dem Gelände verläuft eine Drainage, wie sie in der Landwirtschaft üblich ist, die zudem noch an benachbarte Felder angeschlossen ist und deshalb erhalten werden muss. Auch der Untergrund und das Geländeprofil hatten Einfluss auf die Wahl der geeigneten Stellen. Deshalb ließen sich auf der Fläche Königshof auch nicht wie ursprünglich geplant vier oder fünf Teiche verwirklichen, sondern nur drei.

Nach Abschluss der Baggerarbeiten werden die Naturschützer auf dem ehemaligen Maisacker so genanntes Regio-Saatgut ausbringen. Dies besteht im Gegensatz zu den meist eingesetzten kommerziellen Produkten überwiegend aus heimischen Gräsern und enthält einen besonders hohen Anteil an ebenfalls heimischen Kräutersamen, darunter Ferkelkraut, Flockenblume und Hopfenklee. Pflanzen, die die Pferde gerne fressen, die sich neben den Amphibien künftig auf der Königshof-Fläche wohlfühlen sollen. Außerdem werden Steinhaufen angelegt, die den Amphibien als Winterquartier dienen können. Das Anlegen eines neuen Knicks und eine Pflanzung als Übergang zum angrenzenden Wald mit Gehölzen wie Haselnuss, Schlehe und verschiedenen Wildrosenarten sind ebenfalls Bestandteile des Vorhabens.

Finanziert werden die Maßnahmen aus Mitteln des Kreises, aus Geldern, die als Ausgleichszahlungen für den Verlust von natürlichen Lebensräumen etwa beim Anlegen neuer Bau- oder Gewerbegebiete zu leisten sind. 45 500 Euro stehen für das Projekt einschließlich Knickgestaltung und Waldrandbepflanzung zur Verfügung, berichtet Anna Lena Sopp von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.

Fürs Erste bleiben die neu geschaffenen Teiche sich selbst überlassen, denn die Natur soll es selber richten. Die Experten gehen davon aus, das ihr dies gelingen wird. „Normalerweise kann man mit dem arbeiten, was sich ansiedelt“, sagt Biologe Lenschow. Unter den Äckern gebe es alte Samenbanken, die einmal ausgegraben neues Leben entfachten. „Da haben wir teilweise schon ganz schöne Überraschungen erlebt.“ Auch Projektleiter Dolnik ist zuversichtlich, dass auf natürlichem Wege Amphibien einwandern werden. Nördlich seien die Hornholzer Höhen, wo es einen ähnlichen Biotopverbund gebe und südlich liege die obere Treenelandschaft mit dem Tresssee, wo von Natur aus schon verschiedene Amphibienarten heimisch sind.

Falls sich der erhoffte Erfolg einer Ansiedlung von Amphibien nicht einstellen sollte, werde man nachhelfen, so Dolnik. Aus Nachzuchten würden dann fast erwachsene Kröten in großer Zahl – die Wissenschaftler haben festgestellt, dass ein Besatz von rund 1000 Tieren einen sicheren Erfolg einer Besiedlung verspricht – in den Teichen ausgesetzt.

Doch soweit ist es längst noch nicht. Zwei bis drei Jahre geben die Experten der Natur Zeit, sich ohne ihre Hilfe, den Lebensraum am Königshof zurückzuerobern.

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