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Stadt und Amt kooperieren : Neue Heimat für die Flüchtlings-Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ehrenamtler und Asylbewerber aus Schleswig und Haddeby haben künftig eine gemeinsame Anlaufstelle in einer Wohnung am Zob.

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 07:36 Uhr

Es gibt anscheinend doch noch Fälle, in denen auch eine Behörde über ihren Schatten springt und Bürokratie einfach mal Bürokratie sein lässt. Zumindest erklärte Bürgermeister Arthur Christiansen gestern, als er die neuen Räumlichkeiten für die Flüchtlingshilfe am Zob vorstellte: „Fragen Sie mich nicht, was das hier kostet und wer dafür welche Zuschüsse zahlt. Wir machen das jetzt einfach und gucken dann weiter.“

In einer längere Zeit leer stehenden Wohnung im zweiten Stock des Gebäudes an der Ecke Königstraße/Plessenstraße, das der Stadt gehört, entsteht zurzeit ein neuer Treffpunkt für alle Helfer, Interessierten und natürlich die Flüchtlinge selbst. Ein Büro, ein kleiner Schulungsraum, Küche, WC. Die Initiative dazu kam aus den Reihen der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer Schleswig-Haddeby, die mit der Einrichtung eines neuen Zentrums ihre Arbeit noch besser koordinieren und aufeinander abstimmen wollen – und müssen. „Wir haben vor eineinhalb Jahren mit sechs Leuten angefangen. Seitdem sind immer mehr dazu gekommen. Inzwischen sind fast 160 Menschen in Schleswig und Umgebung mit den Flüchtlingen beschäftigt“, erklärte Jutta Just, Sprecherin der Gruppe. Der Koordinationsbedarf für diese stetig weiter wachsende Zahl von Lotsen, Lehrern und anderen Betreuern sei so groß, dass man diese Aufgabe von zuhause aus nicht mehr bewerkstelligen könne. Deshalb sollen künftig mehrere Mitglieder das neue Büro zu festen Zeiten nutzen und von dort aus die Fäden ziehen. Gleichzeitig sollen die neuen Räume für Einzel-Sprachunterricht, Schulungen der Helfer oder „um zusammen einen Kaffee zu trinken“ genutzt werden.

Dass es dieses Angebot mitten im Herzen der Stadt künftig überhaupt gibt, macht die Kooperation von drei Partnern möglich, die bereits seit Monaten einen gemeinsamen Weg in der Flüchtlingshilfe gehen: So stellt die Stadt Schleswig die Räume kostenlos zur Verfügung, das Amt Haddeby hat sich bereit erklärt, für die Nebenkosten aufzukommen, und die evangelische Kirchengemeinde Haddeby übernimmt die Rechnung für Telefon und Internet. „Dieses gemeinsame Engagement zeigt, dass wir in der Region zusammen stehen und wie effektiv Stadt und Umland gemeinsam Dinge anpacken können“, meinte Arthur Christiansen. Auch Haddebys Amtsvorsteher Frank Ameis, gleichzeitig Bürgermeister von Fahrdorf, betonte mit Blick auf die stetig wachsende Zahl von Flüchtlingen: „Gemeinsam bekommen wir das hin.“ Zudem betonte er, dass man den Zuzug von Asylbewerbern auch als Chance für Deutschland sehen solle. „Die Wirtschaft klagt schon seit Jahren darüber, dass es zu wenig Arbeitskräfte gibt. Jetzt kommen genug ins Land.“

Dazu gehören auch Rachid Boussetta, Fahed Tafesh und Hadi Marouf. Die Syrer sind nicht nur glücklich darüber, dass sie inzwischen in Schleswig ein neues Zuhause gefunden haben. Sie freuen sich auch, dass sie nach Monaten des Wartens auf ihre Anerkennung als Asylbewerber endlich einmal eine Aufgabe übernehmen können, die sinnvoll ist und auch Spaß macht, wie sie betonen. Denn das handwerklich begabte Trio ist seit einer Woche dabei, das neue Helfer-Zentrum am Zob herauszuputzen. Egal ob es um das Anbringen von neuen Tapeten und Teppichböden geht oder das Auftragen von frischer Farbe: Die drei Syrer verpassen der Wohnung fast im Alleingang ein neues Antlitz. Die Materialien dafür wurden vom Malerbetrieb Matthiesen in der Moltkestraße, dem Teppichhof Knutzen und dem Schleswiger Toom-Baumarkt gesponsert.

In spätestens zwei Wochen können die ehrenamtlichen Helfer dann einziehen. „Fehlen nur noch zwei PCs, ein paar neue Lampen und ein schönes Schild“, meinte Jutta Just – und konnte sich gleich darauf schon wieder freuen. „Die PCs übernehmen wir, Lampen und Schild Ihr“, meinte Ameis spontan und blickte dabei zu seinem Kollegen Christiansen. Hand drauf – abgemacht.

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