Bergenhusen : Neue Glocke wird an Ostern geweiht

Neben der alten großen Glocke hängt die von Hanshermann Klink gestiftete neue Glocke. Eine weitere, kleine Glocke hängt in einem Schallloch des Turms.
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Neben der alten großen Glocke hängt die von Hanshermann Klink gestiftete neue Glocke. Eine weitere, kleine Glocke hängt in einem Schallloch des Turms.

Beim Gottesdienst am Ostersonntag erklingt die neu gegossene Glocke der Bergenhusener Dorfkirche zum ersten Mal.

shz.de von
12. April 2017, 07:40 Uhr

Auf der letzten Ebene vor dem Glockenstuhl steht sie verrostet in der Ecke: die kleine Stahlglocke, die jahrzehntelang zu allen möglichen Anlässen geläutet wurde. Bis 2013 hat sie im Grunde genommen ihre Aufgabe erfüllt, dann wurde im September des Jahres in der Glockengießerei Rincker in Sinn (Mittelhessen) die Nachfolgerin gegossen, und zwar nach alter Tradition: Glocken werden an einem Freitag um 15 Uhr zur Todesstunde Christi gegossen. Mit der Bergenhusener Abordnung unter Pastor Martin Baltzer fanden Vertreter aus zwei weiteren Gemeinden den Weg in die schweißtreibende Hitze der Halle, um dem Glockenguss beizuwohnen. Dort warteten im gasbefeuerten donnernden Schmelzofen rund 3,8 Tonnen Glockenspeise darauf, in die sechs Gussformen zu fließen.

Ganz still im Hintergrund beobachtete ein Mann das Ganze, der Anlass für die Fahrt war: Hanshermann Klink hatte der Gemeinde die Glocke gestiftet, die einige Wochen später, hochglanzpoliert, angeliefert wurde – und erst einmal seitlich am Altar abgestellt wurde. Es fehlte schlichtweg das Geld, um die Glocke aufzuhängen.

Die Gemeinde sammelte fortan nicht nur Kollekten bei den Gottesdiensten, sondern fand unter anderem in Form von Benefizkonzerten Möglichkeiten, die Tausende Euro zusammen zu bekommen. Im Herbst vergangenen Jahres konnte dann endlich der Kran anrücken, der die Glocke auf den Turm bringen sollte. Rund zwei Quadratmeter Turmdach wurden abgedeckt und die Glocke in der Glockenstube abgesetzt.

Mancher, der sich gedacht hatte, er könne im Laufe des Vormittags mal der Luftnummer zusehen, wurde enttäuscht: der Kran rückte kurz vor 7 Uhr an und keine Stunde später war alles vollendet. Dafür ging am Glockenstuhl die eigentliche Arbeit vonstatten. Das alte Stahljoch wurde durch eine Holzkonstruktion ersetzt, so dass beide Glocken die gleichen Voraussetzungen beim Läuten haben. Durch die Hände der Arbeiter der Firma Otto-Buer aus Neustadt glitt mancher Meter Seil der Flaschenzüge, bis die Glocke an ihrem Platz verschraubt war.

Bis auf das Einläuten schwieg die Glocke aber. Jetzt am Ostersonntag zum Auferstehungsgottesdienst wird sie im Gottesdienst geweiht und kann dann ihrer Aufgabe nachkommen: „Vivos voco – mortuos plango – fulgura frango“ . Begrüßt wird sie durch die beiden alten Glocken bevor sie mit einfällt und das Ende des Geläuts alleine bestreitet.

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