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Gewalt-Opfer : Neue Gedenkplatte auf den Königswiesen für Malte Lerch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Pavillon auf den Königswiesen erinnert jetzt eine Metalltafel an den im Jahr 2000 brutal getöteten Obdachlosen

von
erstellt am 05.Jan.2016 | 18:48 Uhr

Man hat ihn in Schleswig doch nicht vergessen – den Obdachlosen Malte Lerch, der am 13. September 2000 auf den Königswiesen von zwei Neonazis brutal erschlagen wurde. Seit mehr als drei Jahren war das Tonrelief, das in einer Kurve des Uferweges an die Bluttat erinnerte, verschwunden (wir berichteten). Immer wieder war es, trotz einer massiven Sicherheitsscheibe und Metall-Ummantelung, von unbekannten Tätern zerstört worden – bis die Stadt die Notbremse zog und die Platte komplett aus dem Verkehr zog. Lange Zeit war danach nicht klar, wie das Gedenken an Malte Lerch aufrecht erhalten werden könnte. Bis sich Politik und Verwaltung Mitte vergangenen Jahres darauf einigten, eine neue Tafel anzuschaffen. Diese hängt nun seit wenigen Tagen an der Wand des Beton-Pavillons auf den Königswiesen.

„Malte L. – Ein Opfer der Gewalt – 13.09.2000“ ist auf der schlichten Metallplatte zu lesen, die auffällig hoch am Rande der Rückwand des ebenfalls schmucklosen Gebäudes angebracht wurde. Aus Sicherheitsgründen, um Vandalismus künftig auszuschließen. „Die Gedenktafel besteht aus widerstandsfähigem Stahl mit ausgelaserter Beschriftung und ist zudem an einer gut einzusehenden Stelle angebracht worden“, sagt dazu Rathaus-Sprecherin Antje Wendt. Eine Summe von rund 750 Euro habe die Stadt in die Platte investiert. Eine offizielle Einweihung hat es nicht gegeben.

Derweil lag auch gestern nur einen Steinwurf vom Pavillon entfernt – unweit des damaligen Tatortes, an der Stelle, an der bis 2012 das Tonrelief angebracht war – wieder eine frische Blume. Daneben stand ein Grablicht. Bereits in den vergangenen Jahren wurden dort immer wieder anonym Zettel ausgelegt, die an das Verbrechen erinnerten.

Der damals 45-jährige Malte Lerch hatte an besagtem September-Abend mit zwei Skinheads auf den Königswiesen gezecht. Als er dabei abfällige Bemerkungen über die Neonazi-Szene machte, fühlten sich seine beiden Begleiter beleidigt und rasteten aus. Unter anderem traten sie auf den wehrlosen Malte Lerch mit Stahlkappenstiefeln ein. Anschließend liefen sie davon und ließen ihr Opfer schwer verletzt zurück. Am nächsten Tag fanden Passanten die Leiche des Obdachlosen. Wie der Richter am Flensburger Landgericht später zusammenfasste, gab es für die Brutalität gegenüber dem hilflosen Opfer kein nachvollziehbares Motiv. Er verurteilte die beiden Männer wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu jeweils sieben Jahren Haft. Sie haben diese Strafe also bereits lange abgesessen.

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