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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 01:11 Uhr

Theater Schleswig : Neubau-Pläne in Trümmern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der große Theater-Neubau im Lollfuß rückt in weite Ferne. Jetzt beginnt die Diskussion um eine kleinere Spielstätte an einem anderen Standort in der Stadt.

von
erstellt am 31.Mär.2015 | 12:00 Uhr

Das passiert dem Bürgermeister sonst nie: Es hat ihm die Sprache verschlagen. Nachdem sich Arthur Christiansen gestern Mittag in Kiel mit Kulturministerin Anke Spoorendonk getroffen hatte, war er auf SN-Nachfrage nicht mehr zu erreichen. Über die Rathaus-Pressestelle ließ er ausrichten, dass er zu dem Gespräch erst einmal gar nichts sagen wird. Erst für den heutigen Dienstag sei mit einer Stellungnahme der Stadt zu rechnen.

Was Christiansen in Kiel erfuhr, waren keine guten Nachrichten. Spoorendonk machte ihm unmissverständlich klar, dass es von ihr kein Geld geben wird für einen Theater-Neubau in Schleswig. Und was noch schwerer wiegt: Auch aus dem landesweiten kommunalen Investitionsfonds (KIF) gibt es nichts. Dieses Geld aber – 6,3 Millionen Euro – war fest eingeplant in Christiansens Plänen für das neue Theaterviertel im Lollfuß. Unabhängig davon zeichnet sich auch immer deutlicher ab, dass sich die Suche nach einem privaten Investor für das Grundstück im Lollfuß, der das Theater quersubventionieren soll, zäh gestaltet. Anfang Januar hatte Christiansen von zwei „namhaften Interessenten“ gesprochen, ohne jedoch Namen zu nennen. Hinter vorgehaltener Hand äußern inzwischen mehrere Beteiligte ihre Zweifel daran, dass diese Interessenten überhaupt noch an Bord sind.

Nach dem gestrigen Gespräch mit Christiansen, an dem auch Vertreter des Landestheaters und der kommunalen Spitzenverbände teilnahmen, rief Spoorendonk in der SN-Redaktion an, um ihre Sicht auf die Dinge klarzumachen: „Mir scheint, es ist in Schleswig in Vergessenheit geraten, dass es für den Hesterberg ein durchfinanziertes Konzept gab.“ Damals hatte das Land Schleswig-Holstein der Stadt das Grundstück des bisherigen Volkskunde-Museums angeboten. Dieses Engagement des Landes hatten die Spitzenverbände aller schleswig-holsteinischen Kreise, Städte und Gemeinden zur Bedingung für ihren eigenen Millionenbeitrag aus dem KIF gemacht.

Seither ist immer deutlicher geworden, dass die Existenz des ganzen Schleswig-Holsteinischen Landestheaters an der Schleswiger Spielstätte hängt. Derzeit entwickelt die Münchner Unternehmensberatung Actori Vorschläge für die Zukunft des Landestheaters. Im Februar stellte sie zwei Modelle vor: Eines setzt voraus, dass Schleswig eine neue Spielstätte schafft und einer der Hauptgesellschafter der Landestheater GmbH bleibt. Das andere Modell – ohne Schleswig – ist mit massiven Einschnitten ins bisherige Theaterangebot verbunden.

Diese zweite Variante möchte Spoorendonk gern vermeiden. Wer gehofft hatte, dass die Landesregierung genau deshalb doch noch die Schatulle für Schleswig öffnet, sieht sich nun enttäuscht. Spoorendonk wünscht sich, das machte sie im Gespräch mit den SN klar, dass Schleswig möglichst schnell anfängt, an einer kleinen Lösung zu arbeiten – an einer Spielstätte, die nicht viel mehr kostet als die fünf Millionen Euro, die die Stadt für ihr neues Theater aus eigenen Mitteln aufzubringen bereit ist. „Das könnte eine Stadthalle sein, in der auch Theater gespielt wird“, so die Ministerin. Auf die Frage, ob das Land sich daran finanziell beteiligen würde, reagierte sie zurückhaltend. Völlig ausschließen wollte sie es nicht.

Auch die Schleswiger SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls sagte: „Wenn Schleswig nach finanziell tragbaren Alternativen sucht, werden wir das dann von Landesseite aus neu betrachten.“ Der Bürgermeister habe „zu hoch gepokert“. Überhaupt sieht man sich bei der Schleswiger SPD bestätigt. „Diese Entscheidung des Landes dürfte für niemanden eine Überraschung sein“, erklärte Ratsfraktionschef Stephan Dose. „Bisher ist alles genauso eingetreten, wie es vor der Entscheidung gegen den Hesterberg der Bürgermeister, der Generalintendant und letztendlich auch wir prognostiziert haben.“ Jetzt wolle man dem Bürgermeister einen „Prüfauftrag“ für eine neue kleine Spielstätte erteilen. Dorthin würde das Landestheater-Ensemble für seine Auftritte dann aus Rendsburg oder anderen Produktionsorten anreisen. Dafür, so Dose, seien „verschiedene Standorte“ denkbar – nicht nur der Lollfuß. CDU-Fraktionschef Holger Ley wollte sich zu solchen Überlegungen gestern noch nicht äußern.

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