Schleswig : Neubau für die Kreisverwaltung?

Auf einen Blick: oben das Kreishaus mit Parkflächen, unten das alte „Stadt Hamburg“ mit dem inzwischen abgerissenen Metro-Kino.
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Auf einen Blick: oben das Kreishaus mit Parkflächen, unten das alte „Stadt Hamburg“ mit dem inzwischen abgerissenen Metro-Kino.

Politik erwägt die Ansiedlung eines Dienstleistungszentrums in der Nähe des Kreishauses. Zahlreiche Außenstellen könnten dabei aufgegeben werden.

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07. Januar 2015, 12:45 Uhr

In den 1980er Jahren wurde das Kreishaus in Schleswig zuletzt erweitert. Damals waren dort keine 600 Mitarbeiter beschäftigt. Diese Marke wurde zum Jahrtausendwechsel geknackt, so dass Reserven langsam schwanden. Inzwischen beschäftigt der Kreis fast 820 Mitarbeiter – mit der Folge, dass nicht nur das Kreishaus aus allen Nähten platzt, sondern inzwischen zahlreiche Behörden ausgelagert werden mussten. Die Politik fordert jetzt ein Umdenken. Ein neues Dienstleistungszentrum soll die Misere beseitigen. Ob ein Neubau realisierbar ist, wird derzeit geprüft.

„Die Kreispolitik sollte der Verwaltung ein solches Dienstleistungszentrum in der Nähe des Kreishauses zur Verfügung stellen“, sagt Ingo Degner, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Dem Urgestein der Kreispolitik ist es schon seit Ewigkeiten ein Dorn im Auge, dass der Kreis nicht einmal den Fraktionen Räume für politische Besprechungen zur Verfügung stellen kann, der stete Personalzuwachs kommt hinzu.

„Das Problem ist seit Jahren bekannt“, so Degner. „Was wir brauchen, ist ein breiter Grundsatzbeschluss der Politik, dass wir in diese Richtung wollen.“ Diesen Beschluss gibt es inzwischen. In einem Gespräch mit dem Landrat erzielten die Fraktionsspitzen gegen Ende des vergangenen Jahres Einigkeit, das Projekt zu verfolgen, allerdings muss zuvor geprüft werden, ob sich ein Neubau rechnet und ob überhaupt die Option besteht, in der Nähe des Kreishauses ein Dienstleistungszentrum zu etablieren.

Zumindest für eine Finanzierung sind die Rahmenbedingungen aus Sicht Degners stimmig. Man bekomme Kredite fast zum Nullzins. „Die Gelegenheit sollten wir nutzen“, sagt er. Derzeit errechnet der Servicebetrieb des Kreises, inwieweit sich eine Finanzierung – auch unter Einbeziehung der zurzeit üppig fließenden Mietzahlungen für einige Dependancen der Kreisverwaltung – aufbauen ließe.

Das in den 80er Jahren umgebaute und erweiterte Kreishaus in der Flensburger Straße weist eine Nutzungsfläche für die Kreismitarbeiter von zirka 13  000 Quadratmetern auf. Nach bereits bekannten Berechnungen des Servicebetriebs würde eine zusätzliche Fläche von rund 10  000 Quadratmetern gebraucht, um alle angemieteten Liegenschaften zu ersetzen. Außerdem wird von der Politik vorgeschlagen, eine Ausbaureserve von weiteren 1000 Quadratmetern vorzusehen, um für zukünftige Veränderungen im Verwaltungsbereich gewappnet zu sein.

Natürlich sollte nicht nur für die Kreisverwaltung gebaut werden, sagt Degner, auch die Eigenbetriebe des Kreises bräuchten angemessene Räumlichkeiten. Die Politik verspricht sich von einer Neubaulösung nicht nur eine Konzentration der Verwaltungseinrichtungen, sondern auch kurze Wege für die Kreismitarbeiter. Das sei effizienter und komme sicher auch dem Publikumsverkehr, Besuchern und Gästen zugute.

In diesem Zusammenhang wurmt es nicht nur Degner, sondern auch CDU-Fraktionschef Timo Kux, dass es nicht gelungen ist, diese Pläne zu präzisieren, bevor die kreiseigene Abfallwirtschaftsgesellschaft (ASF) den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes im Schleswiger Lollfuß aufs Gleis setze. „Das konnten wir leider nicht mehr stoppen“, so Kux.

Sollte ein Neubau realisiert werden, dann in der Nähe des Kreishauses, sagen beide. Deshalb sei einerseits wichtig, die Stadt Schleswig mit ins Boot zu holen, denn die habe planungsrechtlich die Fäden in der Hand. Andererseits müsse grundsätzlich die Frage geklärt werden, wo überhaupt ein Neubau möglich wäre. Zumindest der Unterstützung des Schleswiger Bürgermeisters Arthur Christiansen können sich die Kreispolitiker sicher sein. Das wurde jetzt von Stadtsprecherin Antje Wendt bestätigt.

Bliebe die entscheidende Frage: Wo? In unmittelbarer Nähe des Kreishauses wird derzeit das historische Hotel „Stadt Hamburg“ abgerissen. Eigentümer des Areals ist der Bauunternehmer Ingo Stoll, der dort eine Pflegeeinrichtung und Wohnungen plant. Damit ist das Potenzial der Fläche, die von der Flensburger Straße bis an den Schlossgraben heranreicht, allerdings noch nicht ausgeschöpft. Auf die politischen Überlegungen für ein mögliches Dienstleistungszentrum angesprochen, erklärt Stoll: „Mit mir hat noch niemand gesprochen. Aber ich wäre für das Projekt offen.“

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