Ausschreibung vergessen : Neubau des Kropper Rathauses verschiebt sich

e Tage sind gezählt: Das alte Rathaus wird einem Neubau weichen.
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Die Tage sind gezählt: Das alte Rathaus wird einem Neubau weichen.

Die Architektenkammer machte schon im vergangenen Jahr die Gemeinde Kropp auf einen Fehler aufmerksam, der jetzt massive Folgen hat.

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02. März 2017, 07:24 Uhr

„Beim Bau des neuen Rathauses kommt es zu Verzögerungen, da wir den Bau hätten ausschreiben müssen – was wir versäumt haben.“ Diese Worte von Kropps Bürgervorsteher Klaus Lorenzen auf der Jahresversammlung des Ortsvereins vom Deutschen Roten Kreuz ließen aufhorchen. Bisheriger Stand war schließlich, dass sich die Gemeindevertreter bereits im April letzten Jahres für den knapp vier Millionen Euro teuren Entwurf des Architekten Udo Redepennig entschieden hatten. Während das alte Rathaus derzeit leergeräumt und auf den Abriss vorbereitet wird, verzögert sich also der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes. Genau terminiert waren die Zeiten für Baubeginn und Fertigstellung bisher ohnehin nicht – jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit.

Hintergrund des Kropper Verfahrensfehlers sind die Kosten für den Neubau, so der Bürgervorsteher. Die sind so hoch, dass ein öffentlicher Auftraggeber wie die Gemeinde Kropp bei der Beauftragung eines Architekten an eine im Vergaberecht festgelegte Ausschreibung gebunden ist. Dies soll für einen fairen Wettbewerb sorgen, in dem jeder Anbieter gleich behandelt wird. Das heißt: Eine Ausschreibung wäre zwingend erforderlich gewesen. Das Versäumnis der Gemeinde werde nun mit einem Architektenwettbewerb nachgeholt, erklärte Klaus Lorenzen. Die Bürokratie, fügte er hinzu, „geht meiner Meinung nach viel zu langsam“.

Auf den Fehler im Kropper Rathaus hatte schon im vergangenen Jahr die schleswig-holsteinische Architektenkammer aufmerksam gemacht. Ihm sei dies bis dahin nicht bewusst gewesen, meinte Bürgermeister Stefan Ploog. „Jetzt weiß ich es und das wird mir nicht nochmal passieren.“

Die Gemeinde reagierte auf den Hinweis der Architektenkammer und schrieb den Auftrag noch im Dezember vergangenen Jahres öffentlich aus. Auf Nachfrage erklärte Ploog, dass das Verfahren nicht-öffentlich sei. Die auf diversen Internetportalen veröffentlichte und dort nach wie vor einsehbare Ausschreibung begrenzte die Zahl der Bewerber, die zur Abgabe eines Angebots aufgefordert wurden, auf drei bis fünf. Bewerbungsschluss war demnach der 24. Januar.

Die endgültige Wahl treffe ein Gremium, erklärte Stefan Ploog – ohne sich öffentlich zu dessen Zusammensetzung zu äußern. Er sprach lediglich von einer „breiten Entscheidungsbasis.“ Wann feststehen wird, welches Architekturbüro letztlich den Auftrag für die Planung des neuen Rathauses erhalten wird, konnte der Bürgermeister nicht sagen. Er rechnete aber damit, dass der Gemeinde dadurch insgesamt vier bis fünf Monate verloren gingen, so dass sich die Bauzeit entsprechend nach hinten verschiebe.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, erklärte der Bürgermeister mit den Lauf der Beratungen. Ursprünglich habe der Architekt den Auftrag für die Sanierung des alten Rathauses bekommen. Nachdem sich die Gemeinde dann aber für einen Neubau entschieden hatte, übernahm derselbe Architekt auch dafür die Planungen – ohne die notwendige Ausschreibung. Zwar würden solche öffentlichen Aufträge nach Ploogs Aussage tausendfach in Deutschland so vergeben, aber rein rechtlich sei eben ein anderes Verfahren vorgeschrieben.

Durch die Ausschreibung verliere die Gemeinde zwar Zeit, aber kein zusätzliches Geld, sagte der Bürgermeister – abgesehen von 6000 bis 8000 Euro, die das Vergabeverfahren kostet. Sobald die Entscheidung durch das Gremium gefallen sei, werde sie laut Ploog durch die Gemeindevertretung bestätigt, dann gehe es in die Vollen. „Es nervt mich jetzt schon unendlich, dass wir Zeit verlieren“, so der Bürgermeister.


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