zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

17. Dezember 2017 | 11:15 Uhr

AfD : Neuanfang mit Turbulenzen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Polizei beendete zunächst eine Protestaktion, bevor die Kreis-AfD ihren neuen Vorstand wählen konnte. Nach dem Rechtsruck im Sommer verlor der Kreiverband ein Drittel seiner Mitglieder.

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 00:37 Uhr

Der Neuanfang für die AfD (Alternative für Deutschland) war schwieriger als erwartet. Nachdem der Kreisverband (Schleswig-Flensburg und Flensburg) im Sommer nach dem Rechtsruck auf dem Bundesparteitag in eine schwere Krise geschliddert war, sollte sich der Vorstand am Wochenende neu formieren. Doch die Veranstaltung im Schleswiger Hotel „Hohenzollern“ wurde von einer Gruppe Protestierer gestört. Erst nachdem die Polizei den Protest beendet hatte, konnte die Versammlung fortgesetzt werden.

22 Parteimitglieder und neun Gäste waren am Sonnabendvormittag in den kleinen Saal gekommen, um der konservativen Partei auf Kreisebene neues Leben einzuhauchen. Der Landesvorsitzende Thomas Thomsen aus Lübeck hatte gerade seine Grußworte gesprochen, da wurde es laut auf der Treppe zum Veranstaltungsraum. Eine Gruppe von zwölf Dermonstranten, die sich zuvor mit Plakaten vor dem Gebäude versammelt hatten, bahnte sich lautstark den Weg nach oben. Dort wurden sie von Versammlungsteilnehmern aufgehalten, bis die vom Hotelpersonal benachrichtigte Polizei eintraf.

Ein Video, das ein AfD-Mitglied aufgenommen hat, zeigt, wie Beamte die Protestler die schmale Treppe hinunterdrängen. Einer der schwarz gekleideten jungen Männer reißt ein Bild von der Wand und wirft es in Richtung der Versammlung. Ein anderer versucht sich zu widersetzen.

Die AfD spricht in einer Mitteilung von einem „massiven Angriff einer linksgerichteten Gruppe“. Im Polizeibericht wird hingegen lediglich von „Störern“ gesprochen. Mandy Lorenzen, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg, erklärte, einige der Protestanten seien vermummt gewesen. Die Schleswiger Beamten hätten ihre Personalien aufgenommen und ihnen Platzverweise erteilt. Ein Mann habe sich widersetzt, was für ihn Anzeigen wegen Landfriedensbruch und versuchter Körperverletzung nach sich ziehe. Der Einsatz sei innerhalb einer Viertelstunde beendet worden, so Mandy Lorenzen.

Nach der unfreiwilligen Unterbrechung setzte die AfD ihre Sitzung fort und wählte einen neuen Vorstand. Dieser wird angeführt von Frank Hansen. Er ist in seiner Heimatgemeinde zweiter stellvertretender Bürgermeister für die Aktive Bürgerliste Langballig (ABL). Stellvertreter bleibt Hans-Ulrich Post aus Schleswig, der den Kreisverband kommissarisch führte, nachdem Peter Haacke im Juli zurückgetreten war. Ebenfalls dem Vorstand gehören an: Sylwia und Siegfried Petersen, Finn Peters, Hartmut Fischer und Andreas Stuth.

Der Geltinger Peter Haacke hatte seinen Rücktritt von allen Ämtern – er war auch stellvertretender Landesvorsitzender und Landesgeschäftsführer – mit dem Rechtsruck begründet, den seine Partei beim Bundesparteitag vollzogen hatte. Mit der Wahl Frauke Petrys zur neuen Bundesvorsitzenden Anfang Juli sei für ihn eine „rote Linie überschritten“ worden, hatte er erklärt. Haacke gehörte der von Parteigründer Bernd Lucke ins Leben gerufenen „Weckruf“-Bewegung an, die sich gegen die nationalkonservative Strömung unter Führung Petrys abzusetzen suchte. Vor ihm hatten im Sommer bereits zehn der 13 Mitglieder des Landesvorstandes hingeworfen. „Der Rest war nicht mehr handlungsfähig und wurde vom Bundesvorstand ebenfalls seines Amtes enthoben“, erläuterte Post.

Die bundesweite Richtungsentscheidung hat auch den Kreisverband erschüttert. Von ursprünglich 90 Mitgliedern blieben nach Auskunft Posts 60 dabei, 30 traten sofort aus. „Inzwischen sind wir wieder bei 70 Mitgliedern und handlungsfähig“, so der stellvertretende Vorsitzende. Inhaltlich sprach sich die Versammlung gegen den Asylkurs und die Griechenlandpolitik der Bundesregierung sowie gegen die Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland, aus.  

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen