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Fips Asmussen : „Nee, nee, das ist nicht mein Humor“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fips Asmussen erzählt in der „Heimat“ drei Stunden lang seine eher schlichten Scherze – das Haus ist ausverkauft.

von
erstellt am 08.Sep.2014 | 07:45 Uhr

Ganz so fix auf den Beinen ist er nicht mehr, der legendäre Witzeerzähler Fips Asmussen. Sein Hüftleiden ist nicht zu übersehen, als sich der 76-Jährige am Sonnabend auf die Bühne in der „Heimat“ bewegt. Aber was die 360 Besucher im ausverkauften Saal dann erleben, das ist noch immer dasselbe Humor-Feuerwerk, das sie von den millionenfach verkauften Schallplatten und Kassetten aus den 70er und 80er Jahren kennen. Mindestens zwei Pointen pro Minute. Wer zu lange lacht, verpasst den nächsten Witz. Natürlich macht Fips Asmussen inzwischen auch Scherze über sein fortgeschrittenes Alter („Früher sind die Frauen mir reihenweise nachgelaufen. Das hat aufgehört, seit ich keine Handtaschen mehr klaue.“) und über das Alter seiner Fans („Nur junge Leute hier, alle unter 70.“). Das stimmt zwar nicht ganz, aber eines fällt auf beim Blick in die Tischreihen im ehemaligen Unteroffiziersheim auf der Freiheit: Wer gedacht hatte, Fips Asmussen habe den Anschluss an die Gegenwart verloren, der sieht sich getäuscht. Die unter 30-Jährigen sind an diesem Abend ebenso zahlreich wie die über 70-Jährigen. Und das ist längst nicht immer so bei Kulturveranstaltungen in Schleswig.


Frauenfeindlich? Mag sein.


Fips Asmussen mag in der Kabarett-Szene verschrien sein für seine eher schlichten Scherze, die er seit Jahrzehnten wiederholt. Aber das macht nichts, denn er versucht gar nicht erst so zu tun, als böte er Niveau. Als er sich während seines dreistündigen Programms einmal zu einer Verschnaufpause hinsetzt, murmelt er ins Mikrofon: „Nee, nee, das ist nicht mein Humor.“ Und meint damit eine seiner vielen Zoten. Besonders tosenden Applaus erntete er für diese: „Was haben Frauen und Hurrikans gemeinsam? Wenn sie kommen, sind sie heiß und feucht, und wenn sie gehen, nehmen sie Autos und Häuser mit.“

Frauenfeindlich? Mag sein. Aber auch die Männer müssen sich einiges anhören, vor allem, wenn sie Sozialdemokraten sind: „Gerhard Schröder, vier Mal verheiratet und kein selbst gemachtes Kind. Typisch SPD. Oben große Klappe, unten Reformstau.“ Für die wiederkehrenden Schwulenwitze muss meist Klaus Wowereit herhalten. Dass sich das nach dem bevorstehenden Rücktritt des Berliner Bürgermeisters ändert, steht nicht zu erwarten. Schließlich sind auch Hans Eichel („Das einzig Erotische an dem ist sein Name.“), Ulla Schmidt und Franz Müntefering immer noch im Programm. Über Angela Merkel weiß er: „Dass eine Frau sagt, wo’s langgeht, das kenne ich sonst nur von meinem Navigationssystem.“

Wirklich politisch wird er nie. Es sei denn, man versteht das hier als Statement zur Einwanderungspolitik: „Es gab eine Meinungsumfrage zur Integration. Die musste abgebrochen werden. 65 Prozent sagten: ,Kannsdu sagen Frage nochmal?’“ Ein bisschen sozialkritisch ist er nur einziges Mal: „Benefizveranstaltung. Da essen sich die Reichen zu Gunsten der Armen satt.“

Es ist Fips Asmussens beiläufige Art im Hamburger Slang, die auch den ausgelutschtesten Gag noch nett anzuhören macht. Dass manche Witze alt sind, daran stört sich das Publikum nicht. Im Gegenteil, man wartet auf bestimmte Pointen wie im Konzert eines alternden Rockstars auf die größten Hits. Zum Beispiel auf seine Geschichte von der Anreise nach Schleswig: „Da waren zwei Bauarbeiter am Straßenrand. Einer buddelte ein Loch nach dem anderen, der andere schaufelte es wieder zu. Ich hab gefragt, was das soll, da sagte der eine: ,Normalerweise sind wir zu dritt, aber der Kollege, der sonst die Bäume einpflanzt, ist heute krank.‘“ Das war der beste Witz des Abends.

 

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