Schlaganfall-Notruf in Schleswig : Navi schickt Rettungswagen in die Irre

Glück im Unglück für Helga Specht und ihren Mann Uwe. Sie hat ihren leichten Schlaganfall ohne Folgeschäden überstanden.
Glück im Unglück für Helga Specht und ihren Mann Uwe. Sie hat ihren leichten Schlaganfall ohne Folgeschäden überstanden.

Moorkatenweg statt Hermann-Clausen-Straße: Auf der Suche nach einer Schlaganfall-Patientin gingen dem Rettungsdienst in Schleswig wichtige Minuten verloren.

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02. Dezember 2014, 17:17 Uhr

Schleswig | Zwölf Minuten – das ist die gesetzliche Frist, in der jeder Rettungswagen seinen Einsatzort erreicht haben soll. Anders als in manchen Dörfern im Umland ist das in der Stadt Schleswig eigentlich kein Problem. Helga Specht (78) aus der Hermann-Clausen-Straße musste jetzt dennoch erleben, wie eng es werden kann. Sie hatte Sonntag vor einer Woche einen leichten Schlaganfall erlitten. Ihr Mann Uwe wählte sofort den Notruf – und zählte die Sekunden. Als der ersehnte Rettungswagen nach einer gefühlten Ewigkeit noch immer nicht eingetroffen war, rief er noch einmal an. Was er dann erfuhr, ließ ihn stutzen: Der Rettungswagenfahrer könne das Haus nicht finden, sagte man ihm. „Dabei ist das wirklich nicht schwer“, sagt Uwe Specht. Die Hermann-Clausen-Straße zweigt direkt von der großen Flensburger Straße ab. Die Hausnummer der Spechts ist hell beleuchtet.

Doch das Problem war offenbar das Navigationssystem, das den Rettungswagen eigentlich sicher zum Einsatzort führen soll. In diesem Fall tat es das Gegenteil. Der Wagen fuhr mit Blaulicht und Martinshorn über die Husumer Straße in den Moorkatenweg. Dort hielt er tatsächlich nur wenige Meter vom Haus der Spechts entfernt – und kam doch nicht ans Ziel. Von der Leitstelle in Harrislee werden nach Schleswig nämlich die exakten Koordinaten auf der Landkarte übermittelt. Die Spechts wohnen auf 54 Grad und 31,594 Minuten nördliche Breite sowie 9 Grad und 31,940 Minuten östliche Länge. Ob man dieses Grundstück am besten von der Hermann-Clausen-Straße aus erreicht oder vom Moorkatenweg, darüber sagen die Koordinaten nichts aus.

Wolfgang Rochlitz, der Sprecher des DRK-Rettungsdienstes in Schleswig, ist dennoch überzeugt, dass dieses System das zuverlässigste ist. „Dass es in die Irre führt, das ist ein absoluter Einzelfall“, beruhigt er. Aber warum orientiert sich der Rettungsdienst nicht einfach an Straße und Hausnummer, wie man sie in jedes normale Auto-Navigationssystem eingibt? Schließlich sind dies die Daten, die jeder Anrufer im Notfall ohnehin als erste angibt – so wie es auch Uwe Specht tat. „Normale Navigationssysteme sind auch nicht hundertprozentig zuverlässig“, sagt Rochlitz. „Da kann es Ihnen auch passieren, dass Sie plötzlich vor einem verschlossenen Gittertor stehen.“ Wer auf den Rettungswagen warte, für den fühlten sich Minuten oft wie Stunden an, weiß Rochlitz. Dennoch bestehe kein Grund zur Verunsicherung.

Auch für Helga Specht hatte die Irrfahrt des Rettungswagens keine negativen Folgen. „Ich bin sehr gut behandelt worden, sowohl von der Rettungswagenbesatzung als auch von der Schlaganfall-Abteilung im Schleswiger Krankenhaus.“ Sie hat die Schrecksekunden ohne Folgeschäden überstanden. Gestern Abend hat sie mit ihrem Mann bereits wieder ein Konzert in Hamburg besucht.

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