Ellingstedt : Naturschützer retten Wikingerstätte

Zur Sicherung der Funde aus der Wikingerzeit  arbeiten das Archäologische Landesamt unter Leitung von Prof. Claus von Carnap-Bornheim (2.v.r.) mit den Naturschützern des Kreises unter Leitung von Thorsten Roos (r.) und der Stiftung „Natur im Norden“, vertreten durch Annika Zastrow, sowie Landrat Wolfgang Buschmann zusammen.
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Zur Sicherung der Funde aus der Wikingerzeit arbeiten das Archäologische Landesamt unter Leitung von Prof. Claus von Carnap-Bornheim (2.v.r.) mit den Naturschützern des Kreises unter Leitung von Thorsten Roos (r.) und der Stiftung „Natur im Norden“, vertreten durch Annika Zastrow, sowie Landrat Wolfgang Buschmann zusammen.

Mit Ausgleichsmitteln sichert der Kreis ein archäologisch bedeutsames Areal. Die Wissenschaftler können nun ungehindert forschen.

shz.de von
02. Juli 2014, 11:00 Uhr

Vor gut einem Jahr gelangen den Wissenschaftlern des Archäologischen Landesamts und dessen ehrenamtlich tätiger Detektorgruppe bei Ellingstedt einige spektakuläre Metallfunde, die auf eine bedeutende Siedlung aus der Wikingerzeit hindeuten. Den Fund arabischer Münzen nahmen sie zum Anlass, einige Flächen genauer zu untersuchen. Dabei förderten sie weitere Hinweise auf eine Ansiedlung zu Tage. Da die Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden, fürchteten die Archäologen die Zerstörung der Fundstätten. Um sie zu erhalten, wurde mit Ausgleichsmitteln des Kreises eine rund fünf Hektar große Fläche für den Naturschutz gekauft. Die Kooperation zwischen Naturschutz und Archäologie wurde gestern im Kreishaus in Schleswig vorgestellt.

Ihre Funde von der Fläche bei Ellingstedt, südlich des Danewerks, nahe der Rheider Au, etwa auf halbem Weg zwischen Haithabu und dem Nordseehafen Hollingstedt, ordnen die Archäologen des Landesamts um Prof. Claus von Carnap-Bornheim als hochwertig und sehr vielversprechend ein. Münzen aus dem Nahen Osten, eine so genannte Walküren-Fibel und der vergoldete Beschlag eines Pferdegeschirrs aus dem zehnten Jahrhundert, Schmuckstücke, Schwertknaufe und Truhenschlüssel – „das sind Indikatoren, dass dort etwas los war“, meint von Carnap-Bornheim. Des Weiteren konnten die Archäologen bei ersten kleineren Grabungen zwei Grubenhäuser zu Tage fördern. Gefunden wurden überdies organische Strukturen als weitere Hinweise auf eine Besiedlung. „Das hat uns die Wertigkeit des Platzes gezeigt“, sagte von Carnap-Bornheim. Es könne sein, dass es sich bei dem Platz um eine Zollstation handele, angesichts der Lage zwischen Haithabu und Hollingstedt vielleicht sogar um „eine Art Autobahnraststätte der Wikingerzeit“.

Die Ausgrabungen erfolgten im Herbst 2013. Da auf den Flächen Mais angebaut wurde, fürchteten die Archäologen um die noch im Boden verborgenen Schätze. In ihrer Not wandten sie sich an den Kreis. Und der hatte eine Lösung parat: Mit Mitteln aus dem Ausgleichsfonds, der angesichts des Windkraftbooms im Kreis prall gefüllt ist, gelang es der Unteren Naturschutzbehörde, die gewünschten Flächen zu erwerben. Mit der Stiftung „Natur im Norden“ konnte ein Träger gefunden werden, dessen Satzung dem Naturschutz und der Heimatpflege – hierzu zählen auch archäologische Funde – gleichermaßen verpflichtet ist. Dadurch kann die Stiftung „Natur im Norden“ – im Gegensatz etwa zur Stiftung Naturschutz – Flächen für den Naturschutz sichern und gleichzeitig archäologische Grabungen gestatten. Die Stiftung „Natur im Norden“ wurde im März 2011 gegründet und agiert unter dem Motto „von Bürgern für Bürger“.

Da die Fläche inzwischen untersucht ist, bestehe kein Zeitdruck mehr, freut sich von Carnap-Bornheim. „Wir können nun in aller Ruhe ein vernünftiges wissenschaftliches Konzept erstellen. Diesen Platz werden wir auf keinen Fall aus den Augen verlieren.“

Insgesamt investiert der Kreis in den Erwerb der Flächen und Naturschutzmaßnahmen 199 000 Euro. Auf dem Gelände entstehen zwei Teiche und ein Knick, außerdem wird die Fläche mit heimischen Gräsern und Kräutern begrünt. So soll Lebensraum unter anderem für Moorfrösche, Kammmolche, Wiesenschaumkraut, Neuntöter, Wiesenpieper und diverse Schmetterlingsarten entstehen. Fachbereichsleiter Thorsten Roos zeigte sich erfreut darüber, dass es gelungen sei, das Vorhaben in Kooperation mit den Landeigentümer in so kurzer Zeit umsetzen zu können. Er wies darauf hin, dass der Landverkauf immer auf freiwilliger Basis erfolge und die Landwirte von den Zahlungen profitieren könnten.

Landrat Wolfgang Buschmann zeigte sich von der Kooperation seiner Behörde mit den Archäologen begeistert. Er sprach von einer Win-Win-Situation für Landwirte, Archäologen und Naturschützer, die alle auf ihre Kosten kämen: „Mehr Win geht nicht“, sagte er und rief zur Nachahmung auf.

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