Pferd auf dem Flur : Nasar zieht von der Geest nach Spanien

Ein Herz und eine Seele: Stephanie Arndt mit Nasar, der jederzeit ins Haus kommen kann, wenn er dazu Lust hat.
Ein Herz und eine Seele: Stephanie Arndt mit Nasar, der jederzeit ins Haus kommen kann, wenn er dazu Lust hat.

Der Araberhengst war monatelang in aller Munde – weil er bei seiner Besitzerin einzog. Im Herbst verlässt Nasar SH.

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20. Mai 2015, 17:32 Uhr

Der Araberhengst Nasar, der vor gut einem Jahr weltweit für Schlagzeilen sorgte, weil er nach einem Sturm bei seiner Besitzerin Stephanie Arndt einzog, wandert aus. Nasar wird Spanier. Bereits im Herbst soll es soweit sein. Dann ist der Pferdetransporter fertig, alle Formalitäten sind erledigt und Stephanie Arndt und ihr Hauspferd werden Richtung Mittelmeer starten. Eine Flucht vor der Popularität ihres Pferdes sei das mitnichten, betont Stephanie Arndt, auch wenn die ungebrochen ist. Nein, es sei das Umfeld in Holt, das sich seit Jahren immer weiter verschlechtere, sagt sie. Und vor allem das Wetter.

Regen, Regen, Regen – der vergangene Herbst sei eine Katastrophe gewesen, und das Frühjahr sei ja auch nicht viel besser. Da könne man doch verstehen, wenn es einen in den Süden ziehe, sagt die 40-Jährige, die ihr schmuckes Reetdachhaus in Holt bereits verkauft hat und dort noch zur Miete wohnt. Beruflich sei die Luftveränderung für sie überhaupt kein Problem. „Ich habe ja mehrere Berufe, das lässt sich problemlos machen.“

Die ehemalige Triathletin arbeitet heute als Ärztin und berät freiberuflich Unternehmen aus dem medizinischen Bereich, Krankenkassen und Kliniken. „Ich kann mir die Arbeit einteilen und entscheiden, wann ich zum Arbeiten nach Deutschland komme, das mache ich dann in zeitlichen Blöcken.“ Deshalb wird sie ihre Zelte auch nicht gänzlich abbrechen. „Mein Hauptwohnsitz bleibt im Norden“, sagt sie. Ihr Vorhaben bezeichnet sie nicht als Auswanderung. „Ich würde sagen: dualer Wohnsitz“, lacht sie.

Für den vierjährigen Araberhengst wird das eine Umstellung. Er wird seinen großen Stall verlassen, den er auf der Wiese hinterm Haus hat. Das reetgedeckte, weiß getünchte Bauernhaus auf der Geest nahe der dänischen Grenze, das er seit gut eineinhalb Jahren quasi als Zweitwohnsitz annektiert hat, wird gegen eine Finca in den spanischen Bergen südwestlich von Barcelona getauscht. Von einem deutlich bescheideneren Stall aus blickt er dann nicht über saftige Wiesen, sondern über sanfte Hügel. Rundherum hat Stephanie Arndt 32 Hektar Land gekauft, auf dem Mandeln, Wein und Wein wachsen.

Und keine Windkraftanlagen, keine riesigen landwirtschaftliche Geräte. Das ist es, was sich aus ihrer Sicht besonders negativ entwickelt hat in Holt und Umgebung. Dorthin war sie vor fünf Jahren der Ruhe wegen gezogen. Ein Leben in erträglicher Reichweite zur Autobahn, aber eben mitten in der Natur mit Hund, Katze – und Pferd. Inzwischen, sagt sie, könne sie mit den Tieren kaum noch vors Grundstück, so stark sei der landwirtschaftliche Verkehr mit Fahrzeugen, die immer größer und schwerer würden. Zudem sei die Landschaft mit Windkraftanlagen gepflastert, wobei sie im Vergleich zu anderen Holtern in der Nachbarschaft noch glimpflich davongekommen sei.

Und natürlich werden sich Stephanie Arndt und Nasar mit dem Hund Aaron und dem Kater Lilly auch von dem Trubel verabschieden, der bei ihnen zu Hause Einzug gehalten hat, nachdem unsere Zeitung im Februar 2014 über das ungewöhnlichen Zusammenleben unter einem Dach berichtet hatte. Ein Trubel, der bis heute anhält. „Die Medienanfragen gibt es immer noch“, sagt Stephanie Arndt, deren Geschichte um die Welt ging.

Kanada, die Philippinen, Südamerika, US-amerikanische Medien, Zeitungen aus England, Frankreich, Spanien und natürlich die ganze mediale Breite deutscher Zeitschriften und Zeitungen sowie TV-Sender – Nasar war monatelang in aller Munde. Kurz nach Pfingsten stehe ein Termin bei Pro7 an, sagt Arndt. Im Juni stehe sie außerdem bei Stefan Mross in der Unterhaltungs-Show „Immer wieder sonntags“ vor der Kamera, kürzlich war der MDR mit einem Team in Holt. Und dann sind da die Menschen, die sehen möchten, wo Nasar lebt, und die wie Touristen in Holt an ihrem Haus vorbeischauen. Ob sie das nerve? „Nein, keineswegs!“, lacht die quirlige Frau mit dem Kurzhaarschnitt. Aber zum Bleiben bewegt es sie auch nicht.

Und so wird sie bald nach Spanien aufbrechen und die Heimat Schleswig-Holstein erstmal hinter sich lassen. „Natürlich bin ich hier verwurzelt“, sagt sie, „aber in meiner sportlichen Laufbahn bin ich schließlich auch viel unterwegs gewesen“. Sechs Mal hat Stephanie Arndt Deutschland bei Triathlon-Weltmeisterschaften vertreten, drei Mal als Mitglied der Bundeswehr-Sportförderkompanie. Diese sportlichen Highlights führte sie unter anderem in den Senegal, nach Japan, Schweden und Belgien. „Ich habe viel gesehen und erfahren, dass es mehr gibt als diesen Mikrokosmos hier in Holt.“ Deshalb habe sie sich entschlossen: „Nicht warten, bis ich 60 werde. Jetzt passt es, also auf nach Spanien.“

Für die Reise lässt Arndt derzeit einen Pferdetransporter so umbauen, dass Wohnraum und Pferdebox nicht strikt getrennt sind und das Pferd zudem in das Fahrerhaus schauen kann. Auch unterwegs soll Nasar schließlich nicht auf Familienanschluss verzichten müssen.

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