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Schleswiger Nachrichten

19. Oktober 2017 | 00:22 Uhr

Treia : Nähen liegt wieder im Trend

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kurse an Volkshochschulen und Angebote von Vereinen und Verbänden sind ausgebucht, denn viele Frauen haben ihre Leidenschaft für das Nähen wiederentdeckt.

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Ob Sorgenfresser-Püppchen, Körnerkissen, Mützen, Loopschals, Pullis oder Schürzen – die Teilnehmerinnen des Näh-Kurses unter Leitung von Katja Brodersen waren stolz auf das Ergebnis ihrer Arbeit. Die zehn Frauen aus den Orten Treia, Silberstedt, Schuby und Hollingstedt hatten sich zuvor regelmäßig in der Dänischen Schule getroffen, um an ihren Werken mit der Nähmaschine zu arbeiten.

Wie viele andere haben die Frauen ihre Leidenschaft für das Nähen entdeckt. Kurse dieser Art erfreuen sich in Volkshochschulen und in Ortskulturringen großer Beliebtheit. Allein in dem aktuellen Programmheft der Volkshochschulen des Kreises Schleswig-Flensburg für das Frühjahr finden sich unter der Rubrik Nähen 51 Angebote. Die Plätze sind meist schnell vergeben. Diese Erfahrung hat auch Katja Brodersen gemacht, die für den SSF Treia-Hollingstedt Näh-Kurse anbietet. „Ich benutze die Nähmaschine an fünf Tagen in der Woche“, sagt sie. Seit sieben Jahren fertigt sie für Familie und Freunde Eigenkreationen aus Stoff an. Was als Hobby begann, ist mittlerweile ein Gewerbe, denn ihre Arbeiten verkaufen sich gut, auf Basaren und Märkten oder auch von zu Hause aus. Unter dem Namen „Lille Mamsel“ bietet Brodersen Nähkurse für Anfänger an. Nähmaschine und Materialien bringen die Näherinnen selbst mit, ebenso viele kleinere Utensilien, die benötigt werden. Wichtig sind auch Bügeleisen und Bügelbrett.

In Kriegszeiten und auch noch Jahre danach waren Frauen gezwungen, Kinderbekleidung und anderes selbst zu nähen. In vielen Haushalten gab es eine Nähmaschine, allerdings noch keine elektrische, sondern eine, die manuell mit einem Fußpedal bedient wurde, das ein großes Rad in Bewegung hielt. Zu jener Zeit hieß es meist „aus Alt mach Neu“ und unter den geschickten Händen der Frauen entstand Bekleidung für jedes Alter. Aus zerschlissenen Bettlaken wurden Handtücher genäht und Putztücher wurden aus Unterwäsche zusammengesteppt. Unansehnliche Kragen und Manschetten von Oberhemden wurden erneuert. Zu jener Zeit gab es auch Schneiderinnen, die in die Häuser kamen und für Beköstigung und wenig Geld alles abarbeiteten, was bereitgelegt worden war. Kleider wurden verlängert oder gekürzt, das gleiche geschah mit den Hosen der Knaben. Es wurde auch geflickt und alle Reste und abgesetzte Bekleidung weiter verwendet. Neue Stoffe und Konfektionsbekleidung war teuer und die Auswahl noch nicht so groß. Wer nicht gut nähen konnte, der strickte oder häkelte Pullover und ganze Kleider.

Als mit den Jahren das Angebot in den Geschäften erschwinglicher wurde, wurde es um das Nähen allgemein etwas ruhiger, für manchen aber blieb es ein Hobby – eines, das heute wieder auflebt. Und das nicht ausschließlich unter Frauen, wie Karin Clausen, Leiterin der Volkshochschule Mittelangeln und Vorsitzende der AG der Volkshochschulen im Kreis, verrät. Nähwochenende und Nähkursus der VHS Mittelangeln seien nicht nur stets ausgebucht, sondern in einem Kursus habe sich jüngst zu den weiblichen Teilnehmerinnen auch ein junger Vater gesellt.

 

 

>Katja Brodersen bietet Kurse (acht Abende) für Erwachsene sowie Kinder-Workshops für verschiedene Altersgruppen an. Kontakt unter www.lille Mamsel.de oder Tel. 0 46 26/18 79 80.

 

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