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Nächtlicher Beutezug - Geldstrafe für Einbrecher

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erstellt am 14.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Die Beute war überschaubar, das Vorgehen amateurhaft: Eine kleine Serie von nächtlichen Einbrüchen in Angeln im Sommer des vergangenen Jahres beschäftigte jetzt das Schleswiger Amtsgericht. Aus "Gonzos Kneipe" in Boren waren Wurst, Käse und Matjes im Gesamtwert von rund 300 Euro gestohlen worden, außerdem 70 Cent in bar. Aus dem Büro der Steckmest-Werft in Kappeln verschwand eine Geldkassette mit 600 Euro. Vor der Süßmosterei Steinmeier in Kaltoft scheiterten die Täter beim Versuch, die Tür aufzubrechen.

Das Schleswiger Amtsgericht verurteilte jetzt einen arbeitslosen 31-Jährigen aus dem Raum Süderbrarup zu einer Geldstrafe von 1800 Euro (180 Tagessätze). Richter Dr. Ole Sachtleber folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Von einer Freiheitsstrafe sah er auch deshalb ab, weil der Angeklagte zuvor noch nie straffällig geworden war.

In seinem Geständnis schilderte sich der 31-Jährige mit wenigen Worten als jemanden, der ohne großes Zutun in die Sache hineingeschlittert war. Ein Bekannter seines Schwagers habe ihn auf einer Party gefragt, ob er ihn mal eben irgendwo hinfahren könne. Warum, das habe er nicht gefragt. "Ich bin ein ziemlich ruhiger Mensch." Auf Nachfragen gab der Angeklagte zu, dass er durchaus vermutet habe, dass es um Einbrüche gehen könnte, weil der Bekannte seines Schwagers "dafür bekannt" sei.

Die nächtlichen Beutezüge indes misslangen gründlich. Nicht nur, dass das Diebesgut hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Einbrecher wurden sowohl in Boren als auch in Kaltoft von Zeugen beobachtet, die sich das Auto-Kennzeichen notierten. So fand die Polizei schnell den Mann, der sich jetzt vor Gericht verantworten musste. Bei ihm zu Hause lag noch die Geldkassette aus der Kappelner Werft. Die hatte der 31-Jährige behalten. "Ich dachte mir, die kann ich noch mal gebrauchen, um Kleingeld zu sortieren oder so." Das erbeutete Geld war nicht mehr da. Mit dem Bekannten seines Schwagers habe er halbe-halbe gemacht und seinen Anteil beim "Tanken und Einkaufen" verbraucht.

Der mutmaßliche Komplize war zuvor von einer anderen Amtsrichterin freigesprochen worden. Sie hatte es für möglich gehalten, dass der jetzt Angeklagte die Taten allein begangen hat. Die Staatsanwaltschaft geht gegen dieses Urteil jetzt in Berufung.

Richter Sachtleber hingegen nahm dem Angeklagten ab, dass er nur Beihilfe geleistet hatte, schließlich habe er "keinerlei Täterwissen" preisgegeben.

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