Theater-Drama in Schleswig : Nächster Akt: Kehrtwende zum Hesterberg

Das Museum auf dem Hesterberg.
Das Museum auf dem Hesterberg.

Schleswig inszeniert das Ringen um einen Theater-Bau besonders spannend - voller Wendungen und Widersprüche. Noch ist offen, für welchen Standort man sich entscheidet. Bürgermeister Christiansen sieht schwarz für den Standort Schleswig.

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13. März 2014, 07:02 Uhr

Schleswig | Gibt es doch noch eine Chance für ein neues Schleswiger Theater auf dem Hesterberg? Zumindest die Ratsfraktionen von SPD und SSW haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Eigentlich war das Vorhaben längst begraben – jetzt wird doch wieder über einen Theater-Neubau auf dem Hesterberg diskutiert. Der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD) hatte diese Möglichkeit gleich am Dienstagabend ins Spiel gebracht, nachdem bekannt geworden war, was es voraussichtlich kosten würde, das alte Stadttheater im Lollfuß zu sanieren. Die 15,5 Millionen Euro, von denen der Kölner Sachverständige Wilhelm Hartmann vor dem Bauausschuss sprach, ließen den 14-Millionen-Neubau plötzlich vergleichsweise günstig erscheinen. Deshalb möchte nun auch der SSW-Fraktionsvorsitzende Otmar Petersen weiter für diese Variante kämpfen. „Wir müssen CDU und Grüne einmal kräftig durchschütteln, damit sie zur Besinnung kommen“, sagte er gegenüber den Schleswiger Nachrichten.

Eigentlich hatten alle Beteiligten das Hesterberg-Theater beerdigt, nachdem die Ratsversammlung das Vorhaben vor zwei Wochen zum zweiten Mal abgelehnt hatte. Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen hatte danach angekündigt, das bisherige Volkskunde-Museum künftig als Magazin zu nutzen. Die Planungen sollten sofort beginnen. Auf der Gottorfer Schlossinsel möchte man dazu im Moment keine Stellung nehmen, sondern verweist auf das Kieler Kulturministerium. Dessen Sprecher Oliver Breuer äußert sich zurückhaltend. „Uns ist nicht bekannt, dass es innerhalb der Fraktionen, die dem Vorschlag Hesterberg nicht zugestimmt haben, ein Umdenken in dieser Frage gibt“, erklärt er, legt sich aber nicht fest, was geschehen könnte, wenn es doch noch zu einem Sinneswandel kommt.

Allerdings müsste Otmar Petersen wohl sehr, sehr heftig schütteln, wenn er Bewegung in die Sache bringen möchte. Für CDU-Chef Helge Lehmkuhl bleibt es dabei, dass der Standort Hesterberg von den Schleswigern nicht gewollt und die Finanzierung des Konzepts unseriös sei. „Den Hesterberg ein drittes Mal zur Abstimmung zu stellen, wäre Wahnsinn.“ Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen stößt ins selbe Horn: „Der Hesterberg bleibt für uns ausgeschlossen. Wir haben uns klar für den Lollfuß ausgesprochen.“ Es gelte nun, die schriftlichen Ausführungen des Sachverständigen abzuwarten. Vielleicht sei eine Teilsanierung des Theaters denkbar. „Den schiefen Turm müsste man eventuell ganz abreißen.“

Auch die drei fraktionslosen Ratsmitglieder Jürgen Wenzel (FDP), Ingo Harder (Bündnis für Bürger) und Arne Olaf Jöhnk (Freie Wähler für Schleswig) wollen sich auf keine neue Hesterberg-Diskussion einlassen. „Es war eine demokratische Entscheidung, dass es nicht der Hesterberg wird“, sagte Wenzel. Er sei von Anfang an gegen ein Theaterprojekt in der Größenordnung gewesen. Während sich Harder einen Theater-Neubau im Lollfuß vorstellen kann, zieht Jöhnk auch andere Alternativen in Erwägung. Sollte es auf eine Stadthalle hinauslaufen, schwebe ihm die Freiheit als Standort vor.

Bürgermeister Arthur Christiansen, an dessen Seite SPD und SSW für den Hesterberg gestritten hatten, glaubt ebenfalls nicht mehr an diesen Standort. Er bereitet sich nun darauf vor, das alte Theater – wie bis vor kurzem ohnehin geplant – abzureißen. Im Idealfall könne ein Investor das Grundstück übernehmen, der dort irgendetwas baut, was einen Saal beinhaltet, in dem Theateraufführungen möglich sind. Für Schleswig als Standort von Produktion und Verwaltung des Landestheaters sehe er jedoch schwarz. Christiansen hat gemeinsam mit Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber eine außerordentliche Gesellschafterversammlung beantragt, um über die Zukunft des Landestheaters zu beraten.

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