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Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 21:58 Uhr

Schleswig : Nächster Akt im Drama ums Theater

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vor der Ratsversammlung am Montag stellt die CDU den Eigenanteil der Stadt von fünf Millionen Euro für Neubau in Frage.

Schleswig | Das Gerangel um die Zukunft des Theaters in Schleswig geht in die nächste Runde. Während SPD und SSW in der Ratsversammlung am Montag einen neuen Vorstoß wagen wollen, damit Schleswig auch künftig Teil der Landestheater GmbH bleibt, geht die CDU weiter auf Konfrontationskurs zur Landesregierung – und distanziert sich nun auch vom bisherigen Finanzierungskonzept der Stadt für eine neue Spielstätte.

Erst Ende März hatte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) erklärt, dass es vom Land kein Geld geben wird für den von der Stadt geplanten Neubau am Lollfuß. Nur zwei Tage später folgte von Bürgermeister Arthur Christiansen – zumindest zwischen den Zeilen – die Ankündigung, dass Schleswig den Gesellschaftervertrag für das Landestheater kündigen werde. Das wollen insbesondere SPD und SSW nicht hinnehmen und werden der Ratsversammlung deshalb am Montag einen gemeinsamen Antrag vorlegen. Titel: „Beschluss zum Verbleib in der Landestheater GmbH“. Demnach solle die Stadt weiter das Ziel verfolgen, Gesellschafter des Landestheaters zu bleiben und in entsprechende Verhandlungen treten. Gleichzeitig soll „die Möglichkeit einer Spielstätte in Schleswig geprüft werden, in der Theateraufführungen und auch andere Veranstaltungen möglich sind.“

Stephan Dose, Fraktionsvorsitzender der SPD, zeigt sich auf SN-Nachfrage optimistisch, dass auch die anderen Fraktionen dieser Beschlussvorlage folgen werden. „Denn ich gehe davon aus, dass wir alle gemeinsam das Theater in Schleswig retten wollen.“ Er betrachtet den Antrag auch als „Signal nach draußen. Damit man im Land sieht, dass man in Schleswig weiterhin an einer Lösung der Theaterfrage interessiert ist.“ Wie diese aussehen könnte, darüber will Dose nicht spekulieren, sagt aber: „Entweder man investiert in eine Bestandsimmobilie oder man baut eine kleine und günstige Kulturhalle.“

Die Schleswiger CDU hingegen will auf jeden Fall, wie der Ortsvorsitzende Helge Lehmkuhl gegenüber den SN betont, „weitere Träumereien und Luftschlösser wie bei der Hesterberg-Idee“ vermeiden. Daher sieht sie es jetzt nicht als den richtigen Zeitpunkt an, über eine neue Spielstätte oder Multifunktionshalle zu spekulieren. CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Ley erklärt, im Vordergrund stehe, dass die Kündigungsfrist für den Gesellschaftervertrag der Landestheater GmbH „unbedingt eingehalten werden muss“. Schleswig müsse die Kündigung bis zum 31. Juli aussprechen, wenn es der Stadt nicht gelingt, eine neue Theaterspielstätte zu errichten. Denn ohne Kündigung wäre die Stadt weiterhin vertraglich verpflichtet, jährlich etwa eine Million Euro für das Landestheater auszugeben. Alternativ sei auch eine Änderungskündigung möglich, meint die CDU. Ley: „Kündigung oder Änderungskündigung – alles andere wäre wirtschaftlich unvertretbar.“ Der Rat wird darüber im Juli entscheiden.

Sowohl SPD als auch SSW müssten sich nach Meinung von Ley und Lehmkuhl „von der Vorstellung freimachen, dass sich Schleswig einen Theaterneubau überhaupt wird leisten können“. Damit stellt die CDU grundsätzlich in Frage, dass die Stadt noch einen Eigenanteil von fünf Millionen Euro stemmen könnte. „Diese fünf Millionen, die wir ohnehin als Darlehen hätten aufnehmen müssen, hätte das Innenministerium uns nur genehmigt mit Blick auf die Rettung des Landestheaters.“ Jetzt aber, da dieser Aspekt durch das Handeln von Ministerin Spoorendonk zunichte gemacht worden sei, würde die Stadt eine Kreditaufnahme in dieser Höhe gar nicht mehr bewilligt bekommen. „Man muss sich ernsthaft die Frage stellen, ob Frau Spoorendonk die richtige Person im richtigen Amt ist“, meint Helge Lehmkuhl. Und: „Wir ärgern uns darüber, dass sie wie auch die SPD- und SSW-Ratsfraktion so tun, als ob das Hesterberg-Modell durchfinanziert gewesen wäre. Dabei wäre Schleswig in eine finanzielle Katastrophe gelaufen“. Die CDU sei sich ihrer Verantwortung für den Haushalt weiterhin bewusst, sagte Ley. „Deshalb kann eine neue Spielstätte nur entstehen, wenn ein Investor kommt, der das bezahlt.“

Und wie wird die CDU-Fraktion auf den SPD/SSW-Antrag am Montag in der Ratsversammlung reagieren? Lehmkuhl hält sich bedeckt: „Da besteht noch Abstimmungsbedarf.“

Bürgermeister Arthur Christiansen hofft derweil, dass sich das Land doch noch an einer Finanzierung einer „günstigen Variante“, wie Spoorendonk sie gefordert hatte, beteiligen wird. „Aber mit den fünf Millionen Euro, von denen sie dabei sprach, wird das definitiv nichts werden. Das ist nicht realistisch.“ Gleichzeitig hofft Christiansen auch, dass die Ratsfraktionen und die Verwaltung in den grundsätzlichen Fragen einigen: Ob man ein Theater oder eine Stadthalle will, wo sie stehen könnte und wie sie zu finanzieren ist. „Da brauchen wir einen breiten Konsens und müssen die Öffentlichkeit mitnehmen. Ich habe keine Lust auf eine Diskussion wie bei der Schmid-Villa.“

Johannes Thaysen, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ist der selben Meinung. „Es muss unser Ziel sein, dass Schleswig in dieser Frage mit einer Stimme spricht. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen müssen ein Ende haben, denn dieses Gehacke ist nur kontraproduktiv.“ Seine Partei unterstütze auch deshalb den Antrag von SPD und SSW.

Am kommenden Dienstag tagt der Theaterbeirat, dem der Bürgermeister sowie Mitglieder des Bauausschusses und der Verwaltung angehören. Dann wird es auch darum gehen, mit dem SSF über eine Verlängerung des Mietvertrages für das Landestheater im Slesvighus zu verhandeln. Dieser läuft, Stand heute, Ende 2016 aus.

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erstellt am 23.Apr.2015 | 12:57 Uhr

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