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Umbauprojekt liegt weiter auf Eis : Nächste Runde im Bahnhofs-Streit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Eigentümer hat seine Anwälte eingeschaltet und erhebt erneut Vorwürfe gegen die Stadt.

Kommt endlich Bewegung in die Posse rund um den Schleswiger Bahnhof? Zumindest hat dessen Besitzer jetzt das getan, was er bereits Ende Mai gegenüber unserer Zeitung angekündigt hatte – und zwar seine Anwälte eingeschaltet. „Es geht darum, Fakten zu schaffen. Nun sind endlich die Juristen im Spiel, was zwangsläufig dazu führen wird, dass alle Parteien Farbe bekennen müssen“, sagt der Geschäftsmann aus Süddeutschland, der das Gebäude im Jahr 2013 für 182  000 Euro ersteigert hatte und namentlich nicht genannt werden möchte.

Tatsächlich ist der Streit zwischen ihm und der Stadt längst so verfahren, dass Hilfe von außen notwendig zu sein scheint. Unter anderem geht es um unklare Zuständigkeiten beim Umbau des Gebäudes zu einem „Event-Bahnhof“. Während der Eigentümer darauf pocht, dass das Bauamt in diesem Zusammenhang mehrfach Fristen verschlafen hat und im Grunde für den Bahnhof gar nicht zuständig sei („Da hat allein das Eisenbahnbundesamt den Hut auf“), wirft die Behörde ihm vor, ohne Genehmigung umgebaut zu haben. Gleichzeitig äußert sie dabei auch Zweifel an der Statik des Gebäudes, was dazu geführt hat, dass es im April für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Seitdem tut sich nichts mehr am Bahnhof.

„Das bleibt auch so, bis die Sache geklärt ist“, sagt der Eigentümer. Er kümmere sich zurzeit deshalb um andere Projekte. Unter anderem hat er im Saarland einen weiteren Bahnhof und in Leipzig ein Mehrfamilienhaus gekauft, die er umbauen lässt. „Da ist alles viel einfacher als in Schleswig“, sagt er.

Dass er hier von den Behörden aus seinem eigenen Gebäude förmlich rausgeschmissen worden sei, stoße ihm ganz besonders sauer auf. „Das ist eine Frechheit, dass man uns sogar von solchen Arbeiten fern hält, die eigentlich gar nicht genehmigungspflichtig sind“, sagt er. Nicht einmal Fenster streichen oder Elektroleitungen legen könne er. Mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung werde er dagegen nun aber angehen. Gleichzeitig wolle er juristisch gegen mehrere Verstöße gegen den Datenschutz vorgehen, die unter anderem Bürgermeister Arthur Christiansen zu verantworten habe. Konkreter wollte er in diesem Punkt aber nicht werden.

„Ich bin nicht der Querulant, für den mich einige in Schleswig halten. Sicherlich habe ich auch Fehler gemacht in dieser Geschichte, aber ich kann Gesetze lesen und weiß, wann ich im Recht bin“, sagt der Geschäftsmann, der einer juristischen Auseinandersetzung deshalb „ziemlich relaxed“ entgegen sehe. Dass dabei am Ende ein Ergebnis herauskommen könnte, das ihm nicht schmeckt, damit rechne er nicht. „Aber dieses Risiko gehe ich gerne ein. Denn ich weiß ganz genau, um was es hier geht.“

Bei der Stadt indes bestätigt man auf SN-Nachfrage den Eingang eines Briefes von den Anwälten des Bahnhofs-Eigentümers. Mehr möchte man zu dem Thema aber nicht sagen. Schließlich handele es sich dabei um ein laufendes Verfahren. Zuletzt zeigte sich Bürgermeister Christiansen im Mai zuversichtlich, dass die Stadt in dem Streit im Recht sei. „Man muss sich als Investor an die Spielregeln halten. Und das ist hier nicht der Fall“, sagte er damals.

Dass man im Rathaus inzwischen aber eingesehen haben könnte, dass man für den Bahnhof im Grunde nicht federführend zuständig ist, könnten Auszüge von E-Mails belegen, die der Besitzer auf der Facebook-Seite des „Event-Bahnhofs Schleswig“ veröffentlicht hat. Diese wurden demnach von der Bauaufsicht an das Eisenbahnbundesamt verschickt. Unter anderem heißt es dort: „...da Sie für diesen Bereich in ihrer Gänze zuständig sind, möchte ich Sie bitten, mich über den Bearbeitungsstand zu informieren.“ Das sage doch alles, meint der Herr aus Süddeutschland, der gleichzeitig moniert, dass er erst im Juni eine Antwort aus dem Bauamt zu seinem Bauantrag, den er laut eigenen Aussagen im Mai 2015 gestellt hat, bekommen habe. Er könne das alles beweisen, sagt er mit Nachdruck und verweist dabei auf einen dicken Aktenordner, der in seinem Büro liege. Unabhängig davon bedauere er aber, dass sein Projekt in Schleswig seit Monaten auf Eis liegt. Ursprünglich wollte er im Herbst 2017 eröffnen. „Das wird ja nun nichts mehr. Aber wir werden den ,Event-Bahnhof‘ fertigstellen – irgendwann.“

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erstellt am 01.Aug.2017 | 07:00 Uhr

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