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Happy End im Notquartier : Nachwuchs für Seeadler aus Stangheck

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Überraschende Wendung: Nach der Zerstörung ihres Horstes in Stangheck im Februar schafften es die Seeadler noch rechtzeitig, ein Ersatzquartier zu bauen und zu brüten – mit Erfolg.

Stangheck | Der kleine Seeadler ist flügge und kann sein Notquartier inzwischen verlassen. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, halten Experten für ein großes Glück. Denn seine Eltern waren Ende Februar um ihren Horst gebracht worden. Unbekannte hatten die Eiche, auf der das Seeadlerpaar von Stangheck brütete, gefällt und große Bestürzung in der Region ausgelöst. Bis heute ist unklar, wer für den Frevel verantwortlich ist. Umso größer ist die Freude darüber, dass es trotz allem Nachwuchs gibt – ein Happy End im Notquartier.

Die erfreuliche Neuigkeit überbrachte Stanghecks Bürgermeister Björn With in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung. Ursprünglich hatte die Jägerschaft geplant, einen künstlichen Adlerhorst zu bauen und ihn in die Höhe zu hieven, um dem obdachlosen Paar zu helfen. „Eine kostspielige Angelegenheit“, so Witt, die dann doch nicht notwendig wurde. Denn das Seeadlerpaar war sofort zur Tat geschritten und hatte es geschafft, so rechtzeitig eine eigene Notunterkunft zu bauen, dass das Weibchen dort seine Eier ablegen konnte. Inzwischen macht der Nachwuchs mit Schreien nach Futter auf sich aufmerksam.

Dass die Seeadler in der Nähe der gefällten Eiche erneut einen Horst bauten, habe ihn nicht überrascht, sagt Volker Latendorf von der Projektgruppe Seeadlerschutz. „Dass sie es aber noch geschafft haben zu brüten, freut uns natürlich besonders.“

Für Uwe Schwippert, Mitarbeiter der Integrierten Station Falshöft, die als Anlaufstelle für besondere Vorkommnisse in das Geschehen von Anfang an involviert war, ist die Tatsache, dass das Seeadlerpaar trotz aller Widrigkeiten im Bereich der Gemeinde gebrütet hat, ein Indiz dafür, dass es seiner Heimat die Treue hält. Große Greifvögel, so Schwippert, bauen sich in der Regel Ausweichnester– und dorthin, unweit des zerstörten Horstes, dürfte das Seeadlerpaar schon bald nach Zerstörung seines Horstes ausgewichen sein. Es könnte sich aber auch einen vorhandenen Bussard-Horst für seine Zwecke hergerichtet haben. Wie Schwippert hinzufügt, ist der Jungvogel flügge, verlässt bereits das elterliche Nest. Von den Mitarbeitern der Integrierten Station in Falshöft werde gelegentlich beobachtet, dass die Stanghecker Seeadler auf der Suche nach Nahrung die Geltinger Birk ansteuern.

Im Zusammenhang mit der Zerstörung des Horstes betont Latendorf, dass der Fall Stangheck jedem deutlich mache, dass es sinnlos sei, Bäume mit Nestern zu fällen oder einen Adlerhorst zu zerstören. „Das bringt nichts. Die Adlerpaare bauen in ihrem Revier einfach neu.“ Das habe sich auch in Schleswig gezeigt, wo ein Seeadlerpaar am Burggraben von Schloss Gottorf einen Horst bezogen hat. Dessen ursprünglicher Brutplatz in einer Pappel war in den vergangenen Jahren zweimal abgesackt, dann bei einem Sturm mitsamt Eiern kurz vorm Ausschlüpfen zu Boden gestürzt. Latendorf: „Wenn das Nahrungsangebot gut ist, bleiben die Vögel ihrem Revier treu.“

In der Gemeinde war unter anderem spekuliert worden, dass der Nistplatz möglicherweise im Zusammenhang mit möglichen Windkraftprojekten zerstört worden sein könnte. Das ließ sich aber nicht erhärten. Auch ist nach den Worten Bürgermeister Withs noch kein Täter ermittelt worden. Die Suche laufe allerdings weiter, betonte er im Gemeinderat. So seien seitens der Umweltpolizei alle Besitzer von Kettensägen überprüft worden. Seeadler sind in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Anschlägen geworden. Gestern waren Experten der Projektgruppe damit beschäftigt, die Kadaver mehrerer offenbar vergifteter Tiere aus Dithmarschen (wir berichteten) in ein Speziallabor in Berlin zu bringen.

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