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Prozess gegen Hammerschläger von St. Jürgen : Nachbarn berichten grausame Details

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Ich habe noch einmal ihr Gesicht gesehen – das kein Gesicht mehr war.“ Unter Tränen erzählte eine Nachbarin als Zeugin vor Gericht, wie sie den Vormittag erlebte, an dem eine 25-Jährige Schleswigerin mit einem Hammer von ihrem Ex-Freund erschlagen wurde.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Was der Mann, der gestern auf der Anklagebank des Flensburger Landgerichtes saß, am Vormittag des 24. März getan hatte, das war eigentlich schon bekannt: Er hatte mehrmals mit einem Hammer gegen den Kopf seiner Ex-Freundin geschlagen. Sie starb noch am selben Tag im Krankenhaus.

Das hatte der Staatsanwalt am Montag in seiner Anklage vorgetragen. Auslöser war ein Streit um das Sorgerecht für die gemeinsame anderthalbjährige Tochter. Der 25-jährige Schleswiger hatte den Ablauf der Tat weitgehend bestätigt, auch wenn er sich für die entscheidenden Momente auf Erinnerungslücken berief.

Gestern aber trat die Nachbarin in den Zeugenstand, die als erste in die Wohnung kam, in der sich das grausame Geschehen abspielte. Eine junge Frau, genau so alt wie Täter und Opfer und ebenfalls Mutter einer kleinen Tochter. Sie und ihr Lebensgefährte hatten Schreie und dumpfe Schläge gehört und daraufhin gegen die Wohnungstür geklopft. Unter Tränen erzählte sie, wie es dann weiterging: Ihr Nachbar öffnete die Tür. Im matten Licht sah sie am Ende des Flures seine Ex-Freundin mit dem Gesicht nach unten liegen. Sie regte sich nicht mehr. Die kleine Tochter, um die der Streit sich gedreht hatte, saß angeschnallt in ihrer Karre und schrie. Die Nachbarin nahm das Kind und brachte es in ihre eigene Wohnung. Der Täter schlug seine Wohnungstür wieder zu. Es waren wieder Schläge zu hören, aber keine Schreie mehr. Im Hausflur versammelten sich weitere Nachbarn. Nach etwa zwei Minuten öffnete der Täter seine Tür wieder, wirkte nun völlig ruhig und steckte sich eine Zigarette an. Seine Ex-Freundin war zu diesem Zeitpunkt noch nicht tot. Die Nachbarin: „Ich habe noch einmal ihr Gesicht gesehen – das kein Gesicht mehr war.“

Auch die Eltern des Opfers konnten ihre Tochter im Krankenhaus noch einmal sehen, ehe sie starb. Sie fragen sich nun, ob die Tat sich vorher angebahnt hatte. Ob sie ihre Tochter irgendwie hätten retten können. Das wurde deutlich, als das Ehepaar aus Süderbrarup, das als Nebenkläger an dem Prozess teilnimmt, gestern Nachmittag in den Zeugenstand trat. Am Anfang habe der Freund ihrer Tochter einen sehr guten Eindruck gemacht, sagte die Mutter. „Ich habe gedacht: Endlich hat sie mal einen vernünftigen Mann gefunden.“ Das entspricht dem ersten Eindruck, den der Angeklagte im Gerichtssaal vermittelt: Er kann sich gut artikulieren. Er verfolgte der Verhandlung aufmerksam, blätterte immer wieder in seinen Unterlagen, die er in einem Aktenorder mit zur Verhandlung brachte. Bis er nach der Tat in Untersuchungshaft kam, ging er einer geregelten Arbeit nach. Nichts an seinem Erscheinungsbild deutet darauf hin, dass er ein Schlägertyp sein könnte.

Aber er stand früher schon mehrmals wegen Körperverletzungen vor dem Schleswiger Amtsgericht. Und er hatte seiner Ex und ihrem neuen Freund offenbar erst wenige Tage vor der Tat gedroht. So sehr, dass diese zur Polizei gingen und Anzeige erstatteten. Auch der Vater des Opfers hatte einmal eine solche Drohung gehört: „Er sagte zu meiner Tochter: ,Ich bring dich um!’ Aber ich hätte niemals gedacht, dass er das ernst meint.“

Der Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Flensburger Landgerichts wird am Donnerstag fortgesetzt.

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