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WhatsApp-Affäre : Nach Kux und Klömmer: Kreis-CDU hofft auf einen Neustart

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach Timo Kux hat auch Thomas Klömmer in der Affäre um dubiose Mitgliederwerbung seinen Rückzug erklärt - wie es jetzt weitergehen soll.

von
erstellt am 25.Feb.2016 | 20:27 Uhr

Der CDU-Kreisverband Schleswig-Flensburg steht vor einem Scherbenhaufen. Nachdem am Mittwoch der stellvertretende Landrat und CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag Timo Kux alle politischen Ämter niedergelegt hatte, gab am Donnerstag auch Thomas Klömmer auf. Per Pressemitteilung erklärte der Erfder Bürgermeister seinen Verzicht auf die Landtagskandidatur im Wahlkreis 6 (Dithmarschen-Schleswig). Damit endet innerhalb von zwei Wochen bereits die dritte verheißungsvolle politische Karriere im Nachgang der CDU-internen Landtags-Kandidatenkür in Pahlen.

Die Nord-CDU stellt die Kandidaten-Panne vor ein Problem: Jetzt muss nicht nur ein neuer Kandidat gesucht werden - auch das Vertrauen in die Abstimmung ist erschüttert. 

Am 11. Februar war zunächst die landesweit geachtete Bildungspolitikerin und stellvertretende Landesvorsitzende Heike Franzen (52) aus Schuby zum Entsetzen der CDU-Spitze bereits im ersten Wahlgang gescheitert und hatte am folgenden Tag ihren Komplett-Rückzug aus der Politik angekündigt. Timo Kux (35) gab am vergangenen Mittwoch auf, nachdem unsere Zeitung darüber berichtet hatte, dass er als Sponsor des VfB Schuby einige Fußballer eigens für den Termin in Pahlen zur Unterstützung für Heike Franzen angeworben hatte. Thomas Klömmer stolperte letztlich über seine WhatsApp-Aufforderung an Bekannte, für die Abstimmung „zumindest vorübergehend“ in die CDU einzutreten.

Für sein Vorgehen wurde Klömmer vor allem aus der eigenen Partei heftig kritisiert, am Donnerstagvormittag wurde auch sein Kreisvorsitzender Johannes Callsen deutlich. In einer Pressemitteilung appellierte er „nachdrücklich“ an Klömmer, „im Interesse des politischen Anstands“ einen Neustart im Landtagswahlkreis zu ermöglichen – eine unverhohlene Rücktrittsforderung. Klömmer reagierte prompt: Am frühen Nachmittag veröffentlichten die CDU-Kreisverbände Schleswig-Flensburg und Dithmarschen eine gemeinsame Erklärung, in der Klömmer seinen Verzicht begründet. Die Kreisvorsitzenden Johannes Callsen und Volker Nielsen bekundeten ihren Respekt für die Entscheidung und äußerten, Klömmer leiste damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Kultur.

Die letzten Beweise dafür, dass bei der Mitgliederakquise im Raum Stapelholm nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, lieferten Probleme beim Einziehen der Beiträge. Nach Auskunft der CDU-Kreisgeschäftsstelle war in einem Fall das im Eintrittsformular angegebene Konto aufgelöst worden. Ein anderes Neumitglied hatte demnach zwischenzeitlich die Einzugsermächtigung widerrufen. Auch gingen gestern Morgen zwei Austrittserklärungen aus Stapelholm ein. Klömmer, Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Stapelholm, hatte insgesamt 80 neue Parteimitglieder geworben.

„Ich bedaure den Eindruck, der durch meine WhatsApp entstanden ist“, teilte Klömmer in seiner Erklärung mit. „Mit meinem Verzicht auf die Kandidatur möchte ich einen Neustart im Wahlkreis ermöglichen und einen eigenen Beitrag für die Glaubwürdigkeit der CDU und die politische Kultur leisten. Ich werde mich auch deshalb nicht erneut um eine Kandidatur bewerben.“ Bürgermeister in Erfde und Kreistagsabgeordneter will Klömmer aber bleiben. Im Kreistag leitet der 33-Jährige den wichtigen Hauptausschuss.

Klar ist, dass die CDU-Mitglieder im Wahlkreis 6 in den nächsten Wochen abermals aufgerufen werden, ihren Kandidaten für die Landtagswahl im Mai 2017 zu bestimmen. Über den Termin und das weitere Vorgehen werde er sich „in Ruhe“ mit seinem Dithmarscher Kollegen Volker Nielsen abstimmen, kündigte Johannes Callsen an. Man werde versuchen, sich diesmal auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen, um eine abermalige Kampfabstimmung zu verhindern.

Neben Thomas Klömmer wird auch Heike Franzen auf eine erneute Kandidatur verzichten. „Ich habe mich entschieden, nicht wieder anzutreten. Dabei bleibt es“, sagte sie unserer Zeitung und schob als Begründung hinterher: „Das Ergebnis in Pahlen war eindeutig. Ich bin da als Dritte rausgegangen. Das war wirklich eine Klatsche.“

Damit ist Andreas Hein aus Heide der letzte „Überlebende“ der skandalumwitterten Kandidatenkür in der Pahlener Eiderlandhalle. Die Enthüllungen und Unruhen im benachbarten Kreisverband Schleswig-Flensburg hat der Dithmarscher in der Zeitung und im Internet verfolgt. Seine Ambitionen auf ein Landtagsmandat hatte er an jenem 11. Februar eigentlich schon zu den Akten gelegt. Nachdem im ersten Wahlgang Favoritin Franzen ausgeschieden war, unterlag Hein im Finale mit 223:262 Stimmen gegen Klömmer. Damit war die Sache für ihn zunächst erledigt. „Ich habe mich am nächsten Tag bei meinen Unterstützern bedankt und sie gebeten, Thomas Klömmer zu unterstützen, damit die CDU mit Ingbert Liebing den Ministerpräsidenten stellen kann.“

Auf die Frage, ob er sich betrogen gefühlt habe, als Klömmers umstrittene Machenschaften bei der Unterstützer-Werbung öffentlich wurden, antwortete Hein ausweichend: Dazu wolle er sich nicht äußern, das gehöre sich nicht, und es sei auch nicht sein Stil. Eindeutig positionierte sich der 48-Jährige dann jedoch, als er von Klömmers Rückzug hörte. „Ja, ich bin nach wie vor bereit, für den Landtag zu kandidieren“, sagte Andreas Hein gestern.

Auch er habe vor der Veranstaltung in Pahlen neue Mitglieder geworben, gab Hein zu. Zehn bis 15 seien es gewesen. „Es waren Freunde, Nachbarn und Kollegen. Alles ganz normal. „Und ich habe niemandem die Mitgliedsbeiträge bezahlt.“

 

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