Schleswig : Nach Grünen-Attacke breite Solidarität im Rat für Bosholm

Bauausschuss-Vorsitzender  Klaus Bosholm.
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Bauausschuss-Vorsitzender Klaus Bosholm.

Bauausschuss-Chef räumte Fehler ein und entschuldigte sich öffentlich / Grüne forderten seinen Rücktritt

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11. September 2012, 07:51 Uhr

Schleswig | Es war ein Wechselbad der Gefühle, das SPD-Ratsherr Klaus Bosholm gestern in der Ratsversammlung durchlebte. Gerade hatte er vor den Ratsmitgliedern eine persönliche Erklärung zur Kritik an seiner Rolle als Bauausschuss-Vorsitzender während der umstrittenen Sitzung vom 21. August abgegeben und selbst bekannt, er sei "unzufrieden und unglücklich über den Sitzungsverlauf". Da ging Grünen-Vertreter Dr. Johannes Thaysen schon in die Vollen und forderte "unverzüglich" Bosholms Rücktritt von seinem ehrenamtlichen Ausschussposten. "Ich fühle mich als Mitglied des Bauausschusses durch Sie nicht würdig vertreten", sagte er. Auch wenn sich Bosholm eben öffentlich entschuldigt habe, ändere das nichts daran, dass er sich nicht an den geleisteten Eid gehalten habe, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger zu arbeiten, schickte Thaysen hinterher.

Die verbale Attacke des Grünen-Abgeordneten provozierte eine Welle der Solidarität gegenüber Bosholm in der Ratsversammlung, quer durch alle Fraktionen. Am Ende stand Thaysen zusammen mit den Grünen allein mit seiner Meinung. Mit dem Zwischenruf "unverschämt" machte sich Harry Heide (SSW) in Richtung Grünen-Bank Luft. Und CDU-Ratsherr Frank Neubauer, sonst oft engagierter Meinungsgegner von Bosholm, stand ihm in dieser Situation zur Seite. Sicherlich habe Bosholm bei der Leitung der Bauausschuss-Sitzung, zu der 50 Zuhörer gekommen waren und mehr über die Themen Lärmschutzwall an der B201 sowie über Planungen der Gewoba am Heisterweg wissen wollten, "nicht seinen besten Tag gehabt", meinte Neubauer. Doch an Thaysen gewandt, sagte er: "Lieber Johannes, du hast heute auch nicht deinen besten Tag." Wer einen Ausschuss geleitet habe, wisse, dass eine Sitzung "keine Wünsch-Dir-Was-Veranstaltung ist". Denn es gebe Regeln, eine Geschäftsordnung und Vereinbarungen mit der Verwaltung. Das Abarbeiten einer Tagesordnung sei "völlig okay", und im Falle der besagten Bauausschuss-Sitzung vom 21. August sei dies besonders schwierig gewesen, weil neben den vielen interessierten Fragen eben auch viele Tagesordnungspunkte zu bewältigen waren. Der Bauausschuss zähle zu den anspruchsvollsten Ausschüssen.

Ähnlich äußerten sich Redner von SSW und FDP sowie die eigenen Fraktionskollegen von Bosholm. Auch Bürgermeister Thorsten Dahl erklärte, er sei "geschockt" über die Rücktrittsforderung der Grünen, zumal Bosholm "sich korrekt verhalten hat".

SPD-Fraktionsvorsitzender Karsten Reimer warf den Grünen einen "schlechten politischen Stil" vor, der die "Politikverdrossenheit" bei Bürgern und Ehrenamtlern verstärke.

Vielleicht sei er im Eifer des Gefechts "im Tonfall etwas aggressiv" gewesen, sagte Bosholm: "Das tut mir leid. Ich bitte das zu entschuldigen, das war nicht beabsichtigt." Doch den Vorwurf selbst, dass Fragen in der Einwohnerstunde nicht beantwortet worden seien, könne er so nicht stehen lassen, meinte er. "Auch wenn nicht alle Antworten die Fragesteller zufrieden gestellt haben mögen, so sind sie dennoch während der Einwohnerfragestunde gegeben worden."

Steffanie Hildebrandt (CDU), die dem Finanzausschuss vorsteht, sieht die Kritik an Bosholm "zu Unrecht erfolgt". Selbst eine prall gefüllte Tagesordnung müsse "abgearbeitet" werden .

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