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In Schuby : Nach Feuer auf dem Reiterhof: Paar bangt um seine Existenz

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am 23. November 2014 änderte sich für Stefan Bauer und Annika Ketelsen alles. Noch immer streiten sie mit ihrer Versicherung.

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erstellt am 25.Jan.2016 | 12:50 Uhr

Schuby | Kinder sind kaum noch da auf dem Reiterhof in Schuby. Zumindest die, die zuvor in Gruppen Unterricht auf den Ausbildungspferden von Stefan Bauer und Annika Ketelsen genossen haben, bleiben jetzt weg. „Wir haben sechs Ponys verkaufen müssen, auch um die Gerichtskosten decken zu können“, sagt Bauer. Denn der 36-jährige Hofbetreiber und seine ein Jahr ältere Lebensgefährtin liegen in einem langwierigen Rechtsstreit mit dem Schleswiger Versicherungsverein. Hintergrund ist ein Brandschaden, den die Versicherung mit Sitz im nordfriesischen Emmelsbüll-Horsbüll nicht begleichen will.

Es war der Morgen des 23. November 2014, ein Sonntag, als das Unheil seinen Lauf nahm. Eines von zwei Wohngebäuden auf dem entlegenen Hof am Schubyer Tuckerredder war in Brand geraten. Die schnell alarmierte Feuerwehr konnte zwar den angrenzenden Stall und den Strohboden vor den Flammen retten, und auch die 20 Pferde blieben zum Glück unversehrt. Die Wohnung jedoch brannte aus. Ein Schock für Annika Ketelsen und Stefan Bauer, die das Anwesen im Februar vom Vorbesitzer übernommen hatten. Das Feuer hatte zudem Baumaterialien im Wert von 15.000 Euro vernichtet.

Die Experten der Kripo brauchten nicht lange, um die Ursache des Feuers zu ermitteln: ein technischer Defekt in der Zwischendecke der Küche. Einen Tag vor Heiligabend erhielt das Paar Post von der Versicherung – das Unternehmen will für den Schaden nicht aufkommen. „Das war unser Weihnachtsgeschenk“, sagt Stefan Bauer ironisch und schüttelt den Kopf. „Zur Begründung hieß es, wir hätten den Leerstand in dem Gebäude nicht gemeldet und damit die sogenannte Obliegenheit verletzt.“

Eine Argumentation, die Bauer nicht nachvollziehen kann. Das Haus, in dem die Vorbesitzer des Hofes gewohnt hatten, habe man schließlich genutzt: als Lagerraum für Baumaterialien und noch nicht ausgeräumte Umzugskartons sowie um Baubesprechungen abzuhalten. Schließlich wollten Stefan Bauer, gelernter Heizungs- und Lüftungsbauer, und Annika Ketelsen, von Beruf Pferdewirtin, einiges umgestalten, um ihren Traum von einem blühenden Reiterhof zu verwirklichen.

Jetzt schieben beide nur noch Frust. „Gerade im letzten Vierteljahr hatte ich die Schnauze so voll. Das macht einen krank“, sagt Bauer. „Wir wollen uns ja nicht bereichern, wir wollen nur unser Haus wieder haben.“ Die Schadenssumme inklusive Mietausfall schätzt er auf 250.000 Euro. Eigentlich sollten Annika Ketelsens Mutter und Bruder, beide pflegebedürftig, in das Haus einziehen. „Nun wohnen wir alle zu viert in der Wohnung gegenüber. Man kann sagen: zusammengepfercht“, wie Bauer betont.

Im vergangenen Jahr musste Bauer zunächst die Herausgabe der zwei Gutachten, die die Versicherung hatte erstellen lassen, per Gerichtsbeschluss erwirken. „So ein Verhalten habe ich bei einer Versicherung noch nicht erlebt“, sagt der Schleswiger Rechtsanwalt Kai Waack, der Stefan Bauer in dem Rechtsstreit vertritt. Der Jurist ist zudem der Auffassung, dass das vom Schleswiger Versicherungsverein ins Feld geführte Argument, die Wohnung sei zum Zeitpunkt des Brandes aufgrund des Leerstands verwahrlost gewesen, durch die Expertisen der Sachverständigen nicht ausreichend gestützt werde.

Fakt ist, dass die Gutachter Spuren von Ratten und Mäusen in dem Gebäude gefunden haben. Demnach waren von den Nagern angefressene Stromleitungen auch ursächlich für den Brand. Ratten und Mäuse seien auf einem Hof nun einmal nicht zu verhindern, sagt Stefan Bauer und erklärt, dass er den Plagegeistern entsprechend mit Gift zu Leibe gerückt sei.

Der Schleswiger Versicherungsverein beharrt darauf, dass er für den Schaden nicht aufkommen muss. „Die Eintrittspflicht aus dem verbundenen Wohngebäudeversicherungsvertrag wurde wegen Nichtanzeige einer Gefahrerhöhung sowie der Verletzung der von dem Versicherungsnehmer einzuhaltenden Obliegenheit, das Gebäude stets in einem ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten, abgelehnt“, teilte Vorstand Claudia Schirrmacher auf Anfrage des sh:z schriftlich mit.

Bauer hat inzwischen Klage vor dem Flensburger Landgericht eingereicht. „Ich hoffe, dass wir irgendwann im März einen Termin haben“, sagt sein Rechtsanwalt Waack. Allerdings könne es anschließend noch zu einem Berufungsverfahren kommen.

Stefan Bauer und Annika Ketelsen geht derweil das Geld aus. Schließlich musste infolge des Feuers auch noch die komplette Elektroanlage auf dem Reiterhof für rund 7000 Euro erneuert werden. „Langsam wird es existenzgfährdend“, sagt Bauer. Er wird demnächst eine halbe Stelle bei einem Landwirt annehmen, um Geld hinzuzuverdienen. Ob alle 15 Einstellerpferde auf dem Hof bleiben können, ist auch noch unklar. Die Tiere seien sehr arbeitsintensiv, sagt Bauer. Geld für Personal aber fehlt. Die Spirale dreht sich immer weiter nach unten. „So kannst du die Farm nicht halten.“ Auch die eigentlich fürs letzte Jahr geplante Hochzeit wurde verschoben. Das Geld wird derzeit für andere Zwecke gebraucht.

Den vom Reiterhof-Betreiber erhobenen Vorwurf der Zeitschinderei weist Claudia Schirrmacher entschieden zurück: „Unser Interesse ist es, berechtigte Ansprüche der Versicherungsnehmer ohne zeitliche Verzögerung auszugleichen und unberechtigte Absprüche abzuwehren.“ In den vergangenen acht Jahren seien dem Schleswiger Versicherungsverein 35.731 Schäden gemeldet worden. Nur 0,24 Prozent der Streitfälle landeten Schirrmachers Angaben zufolge vor Gericht.

Stefan Bauer gibt die Hoffnung auf ein positives Ende für ihn und seine Lebensgefährtin nicht auf. „Wenn die Versicherung zahlt“, sagt er, „dann räumen wir auf, dann bauen wir und starten durch.“

 

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