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landestheater : Nach der Pilgerreise in den Norden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Neuer Schauspieler am Landestheater: Daniel Ratthei ist im Schauspiel „Von Mäusen und Menschen“ zu sehen.

Manche Lehrer können ein Fluch sein. Manche auch ein Segen. Wer hat das in seiner Jugend nicht erfahren? Daniel Ratthei, 1979 in der DDR geboren, hat Glück gehabt. Jedenfalls ist er einem seiner Lehrer, Hans Wünsche an der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Cottbus, ewig dankbar, weil der sein schauspielerisches Talent entschieden förderte. Theaterbesucher im Norden profitieren heute davon, denn sie können den Schauspieler „Curley“ erleben, wenn John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ beim Landestheater auf dem Spielplan steht. In Rendsburg wird das Stück erstmals am Sonnabend, 18. Oktober, gezeigt.

Angefreundet hat sich Daniel Ratthei mit dem Norden Schleswig-Holsteins so ganz allmählich, denn er war mehrere Male als Gast-Schauspieler auf der Bühne des Landestheaters. „Erst dachte ich, ach, du Schreck!“ Aber dann fand er „gute Freunde – auch außerhalb des Theaters“.

Daniel hätte nach dem Abitur durchaus die Chance gehabt, in Leipzig beim Kabarett einzusteigen. „Aber was passierte? Mein Vater hatte dafür gesorgt, dass ich in Berlin zu einem Vorstellungsgespräch bei einer Bank eingeladen wurde.“ „Bankkaufmann, das ist doch was Solides“, dachte Vater Ratthei. Daniel wurde angenommen. Doch vom langweiligen Schalter- und Formulardienst in Lübben erlöste Ratthei 1998 die Musterung. Zehn darauf folgende Monate Wehrdienst entfremdeten ihn von seiner Bank. Über diese Zeit – damals tobte der bewaffnete Konflikt im ehemaligen Jugoslawien – spricht er wenig, erklärt, dass er während der Nächte in der Kaserne Monologe übte und was er sonst als nützlich für die Bewerbung an einer Schauspielschule erachtete. Denn zum Theater zog es ihn nach wie vor. Anscheinend mühelos bestand er nach der Entlassung aus der Bundeswehr das Vorsprechen an der Staatlichen Schauspielschule in Leipzig. Ein guter Draht, den die Schule zum Staatsschauspiel Dresden unterhielt, bot den Studenten die sonst seltene Möglichkeit, dort während der letzten zwei Jahre des vierjährigen Studiums in laufenden Produktionen eingesetzt zu werden.

Intendant Holk Freytag gab dem frisch gebackenen Diplom-Schauspieler nach dem Ende des Studiums im Jahre 2003 sein erstes Engagement. Daniel Ratthei blieb bis 2005 in Dresden. Danach ging er, nach erfolgreicher Bewerbung, ans Theater Osnabrück. Dort verbrachte er „eine tolle Zeit“, in der – wie sie sich nennt – „glücklichsten Stadt Deutschlands“. Dennoch kündigte er nach drei Jahren. Er hatte einen für ihn geradezu verwegenen Entschluss gefasst. Nach all den Jahren der Fremdbestimmung, der Disziplinierung unter einem strengen Tagesplan, wollte er endlich einmal frei für sich entscheiden. Nicht etwa wie jener Luftikus in Eichendorffs „Taugenichts“ wollte er auf und davon, sondern, angeregt durch das Echo auf Hape Kerkelings Buch, auf Pilgerreise gehen und den Jakobsweg beschreiten. Das hat er dann auch gewagt, Santiago de Compostela im ersten Anlauf jedoch nicht genommen, ist aber „immerhin 2000 Kilometer durch Europa bis nach Pamplona“ gewandert.

Daniel boxte sich nun einige Zeit als Freiberufler durch. Später kam es auch zu ersten Kontakten mit dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater, wo er mehrere Male unter der Regie von Schauspieldirektor Wolfram Apprich gastierte. Die so gewonnene Nähe zum Theater führte schließlich in diesem Sommer zu seiner Festanstellung. Dass ihm der Abschied vom Freiberufler-Dasein leicht fiel, dafür findet sich ein guter Grund – die Chance zu einer dauerhaften Zusammenarbeit mit Apprich: „Er gibt mir das Gefühl, er sei einer von uns.“


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