Schleswig : Nach der Hertie-Schließung: "Die Stadt stirbt deshalb nicht"

Geschlossenes Hertiehaus: Vor dem Warenhaus ist nichts los.
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Geschlossenes Hertiehaus: Vor dem Warenhaus ist nichts los.

Tag Drei nach dem Aus für Hertie. Auf der ehemaligen Verkaufsfläche räumen die Mitarbeiter auf. Hertie in Schleswig ist Geschichte. Was bedeutet das für die Ladenstraße?

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12. August 2009, 10:01 Uhr

Schleswig | Endgültig gingen die Lichter bei Hertie am vergangenen Sonnabend aus. Die Schleswiger Einzelhändler sind betroffen, bedauern das Aus des Warenhauses. So wie Klaus-Peter Jeß von "ID Sievers": "Wir verlieren einen starken und aktiven Partner, der zur Frequenzsteigerung beigetragen hat." Ein weiteres Problem sehen die Geschäftsleute im Erscheinungsbild der Innenstadt. Leerstände trügen nicht zur Attraktivität bei, sagt etwa Oliver Hauser, Inhaber von "Herrenmoden an der Schlei": "Dass gerade so ein großes Haus leer steht, ist schlecht für eine kleine Stadt wie Schleswig."

Doch Sorgen, dass nun die Kunden nicht mehr in die Stadt kommen, haben die Wenigsten. "Die Stadt stirbt deshalb nicht", sagen Jeß und Hauser. Zumal bei den meisten Einzelhändlern die Geschäfte zufrieden stellend laufen: "Die Konsumfreude der Kunden ist nach wie vor hoch. Sie bewegt sich auf dem Niveau der Vorjahre", erklärt Jeß. Dabei sei Hertie in letzter Zeit auch nicht mehr der Kundenmagnet gewesen, das Warenhaus habe immer mehr an Attraktivität verloren. "Hertie hatte nicht mehr das Sortiment im Angebot, mit dem es gestartet ist", sagt etwa Holger Nothelm von Bürobedarf Ibekken. Ähnlich sieht es auch Jeß: "Das Ende kam ja nicht überraschend. Das war ein Sterben auf Raten. Wir müssen jetzt abwarten, ob und welche Auswirkungen die Schließung hat".
"Das sitzen wir aus"
Jeß sieht aber durchaus auch Chancen, die aus der Hertie-Pleite erwachsen. Da nun ein gewisses Angebot wie zum Beispiel im Bereich Technik oder Haushaltswaren, Keramik oder Porzellan fehle, bestehe für andere Marktteilnehmer die Möglichkeit, das Sortiment aufzunehmen. "Damit bleibt die Stadt interessant", so Jeß. Dennoch wünscht er sich, wie auch viele andere Einzelhändler, dass der Standort nicht ungenutzt bleibt. Nothelm kann sich ein Shop-in-Shop-System vorstellen: Statt eines großen Anbieters, würden sich viele kleine, qualitativ gute Geschäfte unter einem Dach ansiedeln, ähnlich der Holm-Passage in Flensburg.

Die "Tabakbörse" von Reinhard Lemke liegt am Ende der Ladenstraße, noch hinter dem Hertie-Gebäude. Da er nun vom Kundenstrom abgeschnitten werden könnte, befürchtet er einen Umsatzrückgang. Doch er nimmt es gelassen: "Das sitzen wir aus. Wir warten mal ab, was passiert."

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