Disco „Ela-Ela“ in Schleswig : Nach dem Festbraten in die Disco

Volle Tanzfläche, ausgelassene Stimmung: An Weihnachten platzt das „Ela-Ela“ aus allen Nähten.
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Volle Tanzfläche, ausgelassene Stimmung: An Weihnachten platzt das „Ela-Ela“ aus allen Nähten.

Am 1. Weihnachtstag zieht es viele junge Menschen traditionell ins „Ela-Ela“. Betreiber Kaj-Uwe Dammann: „Da geht es besonders fröhlich zu“.

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23. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Auch Jannik Broer zieht es Weihnachten nach Hause. Es ist eben das Fest der Liebe und der Familie. Doch wenn der Student am 1. Weihnachtstag aus Kassel kommend in Lürschau eintrifft, dann wird er das Haus der Mutter am Abend gleich wieder verlassen. Das „Ela-Ela“ wartet. „Da ist es Weihnachten immer rappelvoll. Eine gute Gelegenheit, Leute zu treffen, die man lange nicht gesehen hat“, sagt der 23-Jährige, der 2014 sein Abitur an der Domschule gemacht hat und nun auf dem Weg zum Mathe- und Geschichtslehrer ist. „In den letzten Jahren war ich am 1. Weihnachtstag immer im ‚Ela‘“, sagt Jannik Broer – und spricht damit stellvertretend für viele seiner Altersgenossen.

Für Disco-Betreiber Kaj-Uwe Dammann ist die „X-mas-Party“ eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres. „Da kommen mehr Gäste als sonst – und es ist mehr Geld im Umlauf“, sagt der 62-Jährige, der die Disco im Gewerbegebiet St. Jürgen seit 15 Jahren führt. Und die Stimmung, so Dammann, sei Weihnachten besonders fröhlich und friedlich. „Da wirken die Emotionen stark mit, wenn man an diesem Tag alte Schulkollegen trifft.“

An die 2000 Besucher erwartet Dammann zu dieser traditionsreichen Disco-Nacht. „Wir bauen vor der Tür noch ein Zelt auf, in dem es Punsch und Bratwurst gibt und ein Tannenbaum steht. Das ist ein bisschen Weihnachtsmarktambiente.“

Dass er selbst an Weihnachten arbeiten muss, daran hat sich Dammann längst gewöhnt. In der Gastronomie gerate das Privatleben über die Feiertage nun einmal ein bisschen kürzer. Dafür lohnt sich der Einsatz, wenn die Kassen klingeln. Das gilt auch für die 25 bis 30 Angestellten, die am Montagabend hinterm Tresen stehen oder Gläser und Flaschen wegräumen. „Ich zahle Weihnachten den doppelten Lohn“, sagt Dammann. „Auch die Mitarbeiter freuen sich auf diesen Tag.“

Das Disco-Geschäft ist kein leichtes. Andere große Diskotheken in der Region wie das „Fantasy“ in Tarp, die „Nachtschicht“ in Husum oder das „K7“ in Eckernförde haben dichtgemacht. Das 1985 in einer ehemaligen Tischlerei-Halle eröffnete „Ela-Ela“ ist geblieben. „Wir haben über viele Jahre Vertrauen erarbeitet. Und Vertrauen ist in der Gastronomie das Wichtigste“, sagt Dammann. „Wenn die Eltern und teilweise die Großeltern unserer heutigen Besucher früher schon hier waren und ihren Spaß gehabt haben, dann wird das zu Hause weitervermittelt.“

Doch auch der „Ela“-Chef muss sich strecken, um den Betrieb am Laufen zu halten. Gut 5000 Gäste weniger als im Vorjahr hat er für 2017 gezählt. Zwischen 80 000 und 100 000 Besucher kommen pro Jahr in seine Disco. Junge Leute, weiß Dammann, blieben abends häufiger zu Hause, als das früher der Fall gewesen sei. Auch sein 16-jähriger Sohn sitze mit seinen Kumpels gern daheim vorm Tablet. „Aber ich vertraue darauf, dass die Menschen immer noch losgehen, um andere zu treffen.“ Immerhin hätten die Jugendlichen heute mehr Geld in der Tasche als ihre Vorgängergenerationen, hat Dammann festgestellt.

Und so ist der studierte Diplom-Ingenieur, der einst durch Zufall in der Gastronomie landete, überzeugt, dass sein „Ela“ eine Zukunft hat. Auch wenn ihm die hohen Pachtforderungen des Immobilieneigentümers – ein dänischer Fischhändler – durchaus zu schaffen machten, wie er einräumt. Zu den in der Stadt kursierenden Gerüchten, dass er sich nach einem anderen Standort umsieht, äußert er sich gleichwohl nicht. Auch mit 62 Jahren hat Kaj-Uwe Dammann die Lust an seinem Job noch längst nicht verloren. „Man darf nicht aufhören, immer wieder neu zu denken“, sagt er.

So hat Dammann mit seinem Co-Geschäftsführer Rainer Breitenfeld zum Beispiel die Handicap-Disco etabliert, die einmal im Monat stattfindet. Aber natürlich fühlt er sich auch der Tradition verpflichtet. Das war schon so, als Dammann von 1989 bis 2007 das Restaurant „Patio“ in Schleswig betrieb und dort den Brauch des Punschens am Tag vor Heiligabend pflegte. Eine Tradition, die bis heute fortlebt. So wie die Disco-Party am 1.  Weihnachtstag.

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