Nach dem Brand in Glücksburg : Nach Blitzeinschlag: „Ich habe mein Zuhause verloren“

Der Dachstuhl des Reetdachhauses von 1812 ist völlig zerstört.  Fotos: ludwig
Der Dachstuhl des Reetdachhauses von 1812 ist völlig zerstört. Fotos: ludwig

Mieter Bernd Hansen kommt am Tag nach dem Blitzeinschlag zu seinem zerstörten Haus zurück.

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20. Juni 2019, 16:13 Uhr

Glücksburg | Bernd Hansen blickt fassungslos zu seinem Haus im Glücksburger Ortsteil Bockholm, das nun eine Brandruine ist. Am Mittwochmorgen hat er noch in der Küche gesessen und gefrühstückt. Wenn er jetzt durch das Küchenfenster schaut, kann er den Tisch und die Stühle kaum noch sehen.

Überall liegen Teile des eingestürzten Dachstuhls, der nach einem Blitzeinschlag in Flammen aufging. Und es riecht verbrannt. Innerhalb weniger Stunden hat der Maler und Bildhauer alles verloren. Der 66-Jährige fährt sich durch die Haare und sagt:

Ich habe nichts mehr. Keine Kleidung, kein Geschirr, kein Zuhause. Bernd Hansen
 
In der Küche hat Bernd Hansen am Mittwochmorgen noch gefrühstückt, bevor der Blitz einschlug.
Tina Ludwig

In der Küche hat Bernd Hansen am Mittwochmorgen noch gefrühstückt, bevor der Blitz einschlug.

Noch immer kommen bei ihm die Bilder von dem Moment hoch, als der Blitz in das Haus, in dem er zur Miete wohnt, einschlug. „Das war, als ob mich ein Pferd getreten hat“, erinnert er sich. Die Rettungskräfte haben ihn ins Krankenhaus gebracht, um Herz und Kreislauf zu untersuchen. Als er wieder entlassen wurde, kehrte er zu seinem Haus zurück, wo der Dachboden immer noch lichterloh brannte. Erst am frühen Abend war das Feuer vollständig gelöscht.

Weiterlesen: Reetdachhaus in Bockholm ausgebrannt

Bernd Hansen fuhr zu seiner Lebensgefährtin nach Meierwik, wo er übernachtete – und wo er auch erstmal bis auf auf weiteres bleibt. An Schlaf war nicht aber zu denken. Sein Sohn brachte ihm ein T-Shirt, eine Hose und Schuhe vorbei, damit er wenigstens etwas zum Anziehen hatte. Mit Galgenhumor sagt er:

Immerhin habe ich meinen Autoschlüssel mitgenommen, bevor ich aus dem Haus gelaufen bin. Bernd Hansen
 
Eine Skulptur und zwei Masken konnte Bernd Hansen noch aus der Küche retten.
Tina Ludwig
Eine Skulptur und zwei Masken konnte Bernd Hansen noch aus der Küche retten.
 

Nicht nur Kleidung, Computer und Möbel hat der Glücksburger verloren. Besonders schmerzt ihn, dass seine zahlreichen Bilder, Fotos und Skulpturen zerstört sind. „40 Jahre künstlerisches Leben sind dahin“, sagt er. Einige Kunstwerke und Speichermedien konnte er retten, andere befinden sich noch irgendwo im Haus. Es schrecke ihn ab, durch die teils zerborstenen Fensterscheiben zu schauen – „und alles stinkt so.“

Die Reste des Reetdachs wurden mit Baggern entfernt.
Tina Ludwig

Die Reste des Reetdachs wurden mit Baggern entfernt.

 

Mit seiner Versicherung will er nun die Schäden begutachten und dann entscheiden, was er neu anschafft. Schon jetzt steht für ihn fest, dass er so bald wie möglich eine neue Bleibe finden möchte – eine Ferienwohnung oder ein Apartment mieten. „Ich habe mich in dem Haus sehr wohl gefühlt und mochte die ruhige Umgebung, in der ich sehr gut arbeiten konnte“, erklärt er.

Zum Glück hat mich der Blitz nicht getroffen. Bernd Hansen
 

Auch zu seinen Vermietern Ute Ohlmer und Sven Ohlenbostel hatte er ein gutes Verhältnis. „Wir hatten ein gutes Miteinander“, bestätigt Ute Ohlmer. Auch sie kann nicht fassen, dass das historische Gebäude von den Flammen zerstört wurde. Wie hoch der Schaden ist, könne sie nicht abschätzen, das sei nun die Aufgabe der Versicherung. Fest stehe aber, dass an der Stelle bald ein neues Haus entstehen soll.

Auch wenn ihm das Feuer sein Zuhause genommen hat, versucht Bernd Hansen, positiv zu denken. „Ich kann einen Neuanfang starten“, sagt er. Dabei kann er auf die Unterstützung von Familie, Freunden und Nachbarn zählen. Anschließend fügt er hinzu:

Zum Glück hat mich der Blitz nicht getroffen. Das ist ein Zeichen. Bernd Hansen
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