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Güterzug erfasste Auto : Nach Bahn-Unfall in Tarp: Probleme bei der Suche nach der Ursache

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein wichtiger Zeuge verweigert die Aussage, ein Opfer schwebt noch in Lebensgefahr. Die Polizei kommt nur langsam voran.

von
erstellt am 17.Nov.2015 | 08:01 Uhr

Tarp | Auch über eine Woche nach dem schweren Bahnunfall am Tarper Bahnhof liegen die genauen Umstände noch weitgehend im Dunkeln. Am 7. November hatte ein Güterzug gegen 18 Uhr einen Opel Corsa und einen Volvo auf dem Bahnübergang Wanderuper Straße erfasst und komplett zerstört. Die Suche nach der Ursache gestaltet sich schwierig.

„Einer der Autofahrer befindet sich nach wie vor in Lebensgefahr, der andere ist inzwischen über den Berg, liegt aber immer noch schwer verletzt im Krankenhaus“, berichtete Franziska Jurga, die Sprecherin der Landespolizei in Flensburg. Die beiden Verunglückten sind nicht vernehmungsfähig.

Es fehlen noch wichtige Zeugenaussagen

Nachdem sich zunächst die Bundespolizei mit den Ermittlungen befasst hatte, ist inzwischen die Landespolizei zuständig. Die in Tarp stationierten Beamten allerdings kommen aus eigener Kraft nicht richtig voran. Die Autofahrer können nicht befragt werden, der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, der für die Bedienung der Schranken zuständig war, verweigert nach Informationen unserer Zeitung die Aussage. „Es werden natürlich weitere Zeugen befragt, wir sind bei den Ermittlungen aber auch maßgeblich auf die Fachleute der Bahn angewiesen“, erklärt Franziska Jurga.

Dabei geht es vor allem um die Rekonstruktion technischer Abläufe. Nach Auskunft der Polizeisprecherin lasse sich minutiös nachvollziehen, wann die Schranken geöffnet wurden und ob eventuell Störungen vorlagen. Hinweise auf Unregelmäßigkeiten soll es schon Stunden vor dem Unfall gegeben haben, wie Zeugen berichteten. Gegen 14 Uhr waren die Schranken für die Durchfahrt eines Zuges geschlossen worden. Anschließend, so der Zeuge, habe sich eine der Schranken gehoben, das Signal am Bahnübergang leuchtete aber weiterhin rot. Daraufhin habe der zuständige Mitarbeiter von einem „Störbetrieb“ gesprochen und die wartenden Fahrzeuge per Hand durchgewinkt.

Ob dieser Vorfall vom Nachmittag in einem Zusammenhang mit dem späteren Unfall steht, wird sich möglicherweise durch die Auswertung der Daten klären lassen. Noch allerdings liegen der Polizei von der Bahn keine Ergebnisse vor.

Herrscht auf der Wanderuper Straße zu viel Verkehr?

Neben den Auswertungen der technischen Vorgänge soll nach Angaben von Franziska Jurga für die Straße, die über den Bahnübergang führt, ein Gutachten erstellt werden. Das bedeutet, dass unter anderem das Verkehrsaufkommen festgestellt und im Zusammenhang mit dem Bahnübergang betrachtet wird. In den vergangenen 20 Jahren sind in Tarps Westen einige Neubaugebiete entstanden – die Bewohner müssen alle die Bahnstrecke überqueren, um zu den Geschäften im Ort zu gelangen.

Nun gilt es die Frage zu beantworten, ob der alte Bahnübergang dem gewaltig angestiegenen Auto- und auch Bahnverkehr noch gewachsen ist – oder eine Tunnel- oder Brückenlösung her muss, um die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten. Kurzfristige Konsequenzen aus dem schrecklichen Bahnunfall wurden nicht gezogen. So lange das elektronische Stellwerk in Jübek noch nicht in Betrieb ist, werden die Schranken in Tarp weiter mit einer „nicht automatischen Behelfsanlage“ geschlossen und geöffnet.

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