zur Navigation springen

Unfall nach Gemeinderatsfeier : Nach Alkoholfahrt: Handewitts Bürgervorsteher gibt alle Ämter auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Joachim Schmidt beugt sich dem Druck und zieht die Konsequenzen: „Das war sehr schlechtes Krisenmanagement.“

Gut sieben Wochen nach seinem alkoholbedingten Unfall ist Handewitts Bürgervorsteher Joachim Schmidt gestern von allen politischen Ämtern zurückgetreten. In zwei kurz gehaltenen E-Mails erklärte Schmidt ohne Erläuterung der Gründe seinen Rücktritt als Bürgervorsteher und als Mitglied des Gemeinderats. Zudem legte er sein Amt als CDU-Ortsvorsitzender nieder und trat gleichzeitig aus der Partei aus.

Damit zog Schmidt die Konsequenzen aus einem Vorfall, der sich am 8. Juli nach der letzten Sitzung der Gemeindevertretung ereignet hatte. Nachdem die Tagesordnung abgearbeitet war, kam es zu einer Feier in einem griechischen Restaurant, bei der offenbar reichlich Alkohol floss. Gegen 2.45 Uhr jedenfalls verlor Schmidt im Ort die Kontrolle über seinen BMW, zerstörte ein Verkehrsschild und beschädigte den Raucherpavillon einer Gaststätte. Menschen kamen bei dem Unfall nicht zu Schaden. Als die Polizei kam, wurden beim Bürgervorsteher weit mehr als zwei Promille Atemalkohol gemessen.

 Das Verkehrsschild an der Kreuzung Westerstraße fiel der Alkoholfahrt zum Opfer.
Das Verkehrsschild an der Kreuzung Westerstraße fiel der Alkoholfahrt zum Opfer. Foto: sh:z
 

In der Folge schien es, als wolle Schmidt die Sache aussitzen. Er äußerte sich nie zu der Angelegenheit – auch nicht, nachdem unsere Zeitung über den Vorfall berichtet hatte. Spätestens nach der Veröffentlichung aber wurde in Handewitt intensiv darüber diskutiert, ob der Bürgervorsteher nach dieser Fahrt noch tragbar ist – sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung. Der Druck wuchs – nicht zuletzt durch eine persönliche Erklärung von Bürgermeister Thomas Rasmussen, die in den unteren Gefilden der Handewitter Homepage zu finden ist. Darin verurteilt Rasmussen die Fahrt als verantwortungslos und teilt mit, er habe den Bürgervorsteher gebeten, „sich im Sinne Handewitts zu erklären und schnell zu einem Ergebnis zu kommen“. Kurz nimmt der Bürgermeister auch zu seiner eigenen Rolle in der Angelegenheit Stellung. Rasmussen hatte sich vor dem Unfall vom betrunkenen Bürgervorsteher nach Hause fahren lassen. „Ich bedaure, dass ich diese Situation falsch eingeschätzt habe und nicht beherrschen konnte“, schreibt er. Und weiter: „Ich selbst bin drei Minuten unfallfrei mitgefahren, da war ich schon zu Hause. Vom Unfall selbst habe ich am folgenden Abend erfahren. Vom hohen Blutalkoholwert aus der Zeitung. Beide Nachrichten waren für mich ein Schock.“

In der Handewitter Politik wurden die Rücktritte gestern überwiegend begrüßt. Der KWG-Fraktionsvorsitzende Dieter Neugebauer, der in Handewitt bis zu einer Neuwahl das Amt des Bürgervorstehers übernimmt, sprach von einer für den Bürgervorsteher traurigen Entwicklung und sprach Schmidt für seinen Schritt Hochachtung aus. „Es wurde auch Zeit, dass wir uns wieder den Sachthemen widmen können.“

Wolfgang Hennig (SPD) sprach von einem richtigen Schritt. „Das war sehr schlechtes Krisenmanagement. Der Bürgervorsteher hätte sich nicht verstecken dürfen, sondern sich sofort der Öffentlichkeit erklären müssen.“ Mit dem Rücktritt, so Hennig, habe Schmidt Schaden von der Gemeinde und von sich selbst abgewendet.

Per Wietz (SSW) spricht von einer menschlichen Tragödie. Schmidt habe schlechte Beraten gehabt – darum sei zu viel an die Öffentlichkeit gekommen, und er sei nicht mehr zu halten gewesen. „Wenn Schmidt gleich offen mit der Situation umgegangen wäre, wäre er wohl noch Bürgervorsteher.“

„Ich bin erleichtert“, war die erste Reaktion des CDU-Fraktionsvorsitzenden Marx Plagemann. Sieben Wochen habe man sich intern intensiv mit dem Thema beschäftigt, jetzt könne man zu den Sachthemen zurückkehren.

Dass Schmidt auch aus der CDU ausgetreten ist, kann Plagemann nicht nachvollziehen, vermutet aber, dass Schmidt in der Affäre mehr Rückhalt erwartet habe, die aber ausblieb. „Da war er wohl durch mit uns.“

Kommentar von Gero Trittmaack:

Der Versuch des Bürgervorstehers, die Alkoholfahrt einfach auszusitzen und zu hoffen,  dass die Wogen sich mit der Zeit glätten,  ist glücklicherweise fehlgeschlagen.  Der Rücktritt von Joachim Schmidt  war zwingend – allerdings nicht, weil er sich nach dem Unfall der Öffentlichkeit entzog und schwieg. Das ist zwar kein besonders guter Stil und schon gar kein geschicktes  Verhalten  – sondern allein seine Entscheidung.

Aber ein Bürgervorsteher ist Repräsentant seiner Gemeinde und hat dadurch eine gewisse Vorbildfunktion. Diesen Ansprüchen genügte Schmidt in dem Augenblick nicht mehr, als er sich betrunken ans Steuer setzte und Menschenleben gefährdete.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Aug.2015 | 09:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen