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Literatur-Nobelpreis : Nach Alice Munro muss man in den Buchhandlungen lange suchen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Werke der Literatur-Nobelpreisträgerin sind in Schleswig momentan kaum erhältlich. Nachbestellungen kommen vermutlich nächste Woche an.

von
erstellt am 12.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Als am Donnerstag die Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers bevorstand, lief in der Buchhandlung Eule der Computer heiß. Immer wieder wurde die Internetseite des Nobelpreises aktualisiert. Die Übertragung per Webcam brach ständig zusammen, genau wie die Homepage selbst, als plötzlich die 82-jährige Kanadierin Alice Munro als Gewinnerin feststand. Auf die gespannten Momente des Wartens folgte dann die hektische Bestellung beim Großhändler. „Das war Millimeterarbeit. Nach fünf Minuten war alles ausverkauft“, sagte Tanja Richter, Inhaberin der Buchhandlung.

Für sie und ihre Mitarbeiter ist die Preisvergabe jedes Jahr ein Ereignis. Im anschließenden Wettstreit der Buchhändler um die letzten vorrätigen Exemplare hat Richter Glück gehabt. „Wir haben noch etwa zehn Bücher sichern können.“ Das zahlte sich sofort aus, schließlich war das gesteigerte Interesse sofort spürbar: „Wir haben mehrere Kunden, die Munro über alles lieben“, sagt Richter und ergänzt, dass sogar schon Bestellungen eingegangen sind für Originalfassungen der Autorin, also auf Englisch. Bis diese in Schleswig ankommen, wird es aber wohl noch eine Woche dauern.

Genau so lange warten jetzt die drei anderen Buchhandlungen Bernaerts, Liesegang und Schröder, bis sie Nachschub bekommen – hier ist aktuell kein einziges Exemplar erhältlich. Renate Schulze, Inhaberin der Buchhandlung Bernaerts, hatte noch zwei Titel der Nobelpreisträgerin auf Lager, aber die waren angesichts der großen Nachfrage gestern schnell vergriffen. Von Seiten des Fischer Verlags hatte Schulze gehört, dass neue Exemplare am Montag aus der Druckerei kommen sollen und dann an die Geschäftsstellen ausgeliefert werden. Schulze selbst hat noch kein Werk von Munro gelesen. „Das steht als nächstes auf dem Programm, das ist ja klar.“ Ähnlich schien es auch ihren Kunden zu gehen. Einige wollten erstmals Texte der Kanadierin lesen – ganz egal, welche. Andere fragten direkt nach konkreten Titeln. Leer ausgegangen sind sie alle.

So ging es auch dem einzelnen Kunden, der sich bei Renate Lober in der Buchhandlung Schröder nach einem Munro-Werk erkundigte. „Ich glaube, das ist hier noch nicht so richtig angekommen“, erklärte sich Lober das geringe Interesse und rechnete damit, dass in den nächsten Tagen vermehrt Anfragen kommen werden. Sie selbst hat vor Jahren etwas von der Autorin gelesen und lobt sie als großartige Erzählerin. „Ich finde gut, dass sie kurze Erzählungen schreibt. Da steckt für mich manchmal viel mehr drin, als in langen Romanen.“

Auch Liesegang-Filialleiter Markus Adler ist von Munro begeistert. Er hat ihre einfache klare Sprache in Erinnerung, schränkt jedoch ein, dass Kurzgeschichten ein Genre seien, mit dem sich viele Leser schwer tun würden. „Wenn man sich alle zehn Seiten auf eine neue Geschichte einlassen muss, verlangt das mehr Beweglichkeit, als ein breiter Roman.“ Das spontane Interesse an Munro hat auch er bemerkt, weiß jedoch aus Erfahrung, dass das schnell wieder abflachen wird. Dennoch ist sein Fazit: „Das ist eine, die den Literaturnobelpreis echt verdient hat.“

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