zur Navigation springen

Bundeswehr in Todendorf : Mutmaßliche Vergewaltigung: Frauen können keine Angaben machen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die mutmaßlich missbrauchten Soldatinnen waren zur Tatzeit so betrunken, dass sie den Täter nicht identifizieren konnten. Der 29-jährige Verdächtige ist deshalb wieder auf freiem Fuß.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 19:55 Uhr

Todendorf | Es ist ein ungeheuerlicher Vorwurf: Auf dem Truppenübungsplatz Todendorf (Kreis Plön) soll ein Unteroffizier (29) zwei untergebene Soldatinnen (18 und 22) sexuell genötigt und vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt.

„Wir haben ein Verfahren wegen des Verdachts einer Sexualstraftat zum Nachteil zweier Soldatinnen eingeleitet“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler.

Der mutmaßliche Täter und seine Opfer gehören zur Versorgungsstaffel der Flugabwehrraketengruppe 21 aus Prangendorf (Mecklenburg-Vorpommern). Die Luftwaffen-Einheit, die das Waffensystem „Patriot“ bedient, war zu einem Lehrgang auf dem Truppenübungsplatz. Zum Abschluss wurde gefeiert – mit reichlich Alkohol. Auch Vorgesetzte sollen betrunken gewesen sein.

Am späten Abend soll es dann im Zimmer der beiden Frauen zu den Vergewaltigungen gekommen sein. Wer die Taten meldete, ist unklar. Oberstaatsanwalt Axel Bieler: „Fest steht, dass Feldjäger den 29 Jahre alten Verdächtigen am Freitagmorgen um 0.35 Uhr festsetzten und die Polizei riefen.“ Der Kriminaldauerdienst nahm den Unteroffizier in Gewahrsam. Die Soldatinnen wurden zur rechtsmedizinischen Untersuchung nach Kiel gebracht. Beide waren so stark alkoholisiert, dass sie nicht vernommen werden konnten.

Noch am Freitag kehrten die beiden mutmaßlichen Opfer mit ihrer Einheit nach Mecklenburg-Vorpommern zurück: Bieler: „Die beiden Soldatinnen sind dann von der Kripo in Rostock vernommen worden.“ Das Problem: Die Frauen waren zur Tatzeit so betrunken, dass sie den Täter nicht identifizieren konnten. Handy-Videos, die vom Übergriff gemacht worden sein sollen, wurden wieder gelöscht. Der Unteroffizier ist deshalb aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Bieler: „Zur Zeit können wir keinen dringenden Tatverdacht begründen.“

Sexuelle Übergriffe in der Bundeswehr sind keine Seltenheit. Die Zahl der Meldungen wegen des Verdachts auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist 2016 auf 131 gestiegen (2015: 86). Die tatsächliche Zahl sexuell motivierter Übergriffe dürfte höher liegen. In der Studie „Truppenbild ohne Dame?“ aus dem Jahr 2014 hatten 50 Prozent der Soldatinnen angegeben, während ihrer Bundeswehrzeit belästigt worden zu sein. Fatal: Die Mehrheit der Betroffenen scheute sich, die Belästigung anzuzeigen – aus Sorge, berufliche oder persönliche Nachteile zu erleiden. Auch Scham spielte laut Studie in diesem Kontext eine Rolle. Betroffene, die sich offenbart hatten, fühlten sich nicht ernst genommen und hilflos.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen