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Lieder kopieren : Musikschule in Schleswig im Dilemma: Gema fordert Geld für Noten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Kreismusikschule soll künftig mehr als 20.000 Euro pro Jahr für das Kopieren von Noten bezahlen.

Schleswig | Die Kreismusikschule Schleswig-Flensburg ärgert sich: Eine Kopier-Pauschale der Gema für Noten soll mehr als 20.000 Euro pro Jahr kosten.

Auf ihrer Internetseite bietet die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) Hilfe an. Unter der Überschrift „Kostengünstig und unbürokratisch“ gibt es einen kurzen Film, der darüber aufklärt, wie es Musikschulen vermeiden können, auf illegales Gebiet zu geraten. Denn es sei in Deutschland verboten, Noten einfach so zu kopieren. Deshalb bietet die Gema einen Vertrag an, der es den Musikschulen ermöglicht, „einen noch spannenderen und vielfältigeren Unterricht anzubieten“, wie es wörtlich heißt. Um kleinere Werke komplett und größere in Auszügen kopieren zu dürfen, wird pro Schüler und Monat ein Euro fällig.

„Wir stehen ohne Einschränkungen zum Schutz des Urheberrechts“, betont Willi Neu, der Leiter des Kreismusikschule Schleswig-Flensburg. Vor dem Kulturausschuss der Kreises machte er allerdings deutlich, dass dieses „Angebot der Gema die Schule weit über 20.000 Euro pro Jahr kosten würde“. Und das sei einfach nicht zu leisten.

Die Gema handelt in diesem Fall im Auftrag der Verlagsgesellschaft für grafische Rechte, die wiederum die Verlage vertritt. Das Vertragsangebot, das den 9000 Musikschulen in Deutschland jetzt gemacht wird, wurde mit dem Bundesverband der Musikschulen ausgehandelt. Willi Neu allerdings ist entschlossen, sich darauf nicht einzulassen, wie er im Ausschuss betonte. Wir werden einen anderen Weg gehen“, kündigte er an.

Die Kreismusikschule arbeitet schon lange mit der Gema zusammen – jeder öffentliche Auftritt wird gemeldet und natürlich wird dafür auch gezahlt. Noten allerdings werden in der Musikschule üblicherweise nicht kopiert, erläutert Willi Neu. „Unsere Schüler kaufen sich die Noten ganz legal – und wir legen auch Wert darauf, dass wir mit Originalnoten arbeiten.“ Es gebe aber immer wieder einmal Ausnahmen. Diese Ausnahmen aber stünden in keinem Verhältnis zu den Summen, die jetzt bei der ausgehandelten Pauschale zur Debatte stehen. Die zusätzlichen Ausgaben einfach auf die Schüler umzulegen, kommt für den Leiter der Musikschule nicht in Frage. „Wir haben den Auftrag, den Musikunterricht möglichst für alle erschwinglich anzubieten – und das ist angesichts des veränderten Freizeitverhaltens schon jetzt nicht einfach. Offenbar befürchtet Neu, bei erhöhten Kosten Schüler zu verlieren.

Der andere Weg, den der Leiter der Musikschule andeutete, sieht unter anderem einen Ausbau der eigenen Bibliothek vor. Die Schüler werden ihre Noten auch künftig selbst kaufen müssen, in Ausnahmefällen aber können man dann auf den eigenen Bestand zurückgreifen. Eine andere Möglichkeit ist der Download von Noten aus dem Internet. Auch das kostet Geld, kann allerdings gezielt eingesetzt werden und umgeht die angebotene Pauschale. „So berechtigt das Anliegen der Verlage auch sein mag – unser Haushalt ist begrenzt“, sagte Neu. „Deshalb suchen wir nach anderen legalen Möglichkeiten, die nicht so kostspielig sind.“

 

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erstellt am 15.Okt.2015 | 07:44 Uhr

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