Musikalische Reise ins Mittelalter

Ein vier Meter hohes „Glücks“-Rad  soll sich während der Aufführung der „Carmina burana“ unablässig drehen.
Ein vier Meter hohes „Glücks“-Rad soll sich während der Aufführung der „Carmina burana“ unablässig drehen.

Kostümspektakel und eine Aufführung der „Carmina burana“ am Sonntag in Lundsgaard

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29. Juni 2014, 14:13 Uhr

„Amor volat undique“, zwitschern die zwanzig hellen Soprane des Grundhofer Kinderchores im Delfinraum der Grundschule Langballig. Sie bilden die „ragazzi“ (italienisch für „Jungs“), die Carl Orff für seine „Carmina“ vorgesehen hat. Wissen die Kinder, was das heißt? „Nö“, lautet die Antwort von Jelle Sander. Die Texte der „Carmina burana“ (übersetzt etwa: „Gesänge aus Benediktbeuren“) sind in toten Sprachen verfasst: neben Latein auch Mittelhochdeutsch. Geschrieben im 11. und 12. Jahrhundert als weltliche Lyrik, handeln die Lieder von Liebe, Spiel und Wein – da möchten der Achtjährige und seine Kollegen vielleicht gar nicht genauer wissen, was sie zum Teil recht drastisch besingen. Bei den Erwachsenen lässt Chorleiter Ronald Balg das natürlich nicht durchgehen: „Ihr wisst schon, dass es hier um das zarte Erwachen des Frühlings geht?“, fragt er die Bässe des Chores „tonart“ bei der Probe im Grundhof Krug augenzwinkernd.

Seit einem Jahr studieren der gemischte Chor „tonart“ und die Männer des „Grundhofer Gesangvereins von 1857“ das Orff-Werk ein, am Sonntagabend werden sie erstmals gemeinsam auf dem Gut „Lundsgaard“ auftreten. Und damit steht auch Familie Sander fast geschlossen auf der Bühne. Vater Lothar, Mutter Hanna, Jelle (8) und Peer (6) singen mit, nur der kleine Bruder Jan (1) wird das Konzert von Omas Schoß aus erleben.

„Mit diesem Stück können wir alle integrieren“, freut sich Balg. Der Flensburger Stimmbildner leitet beide großen Grundhofer Chöre. Musikalische Hintergedanken hatte er bei der Wahl des Stückes natürlich auch. Balg: „Es ist sehr metrisch, und alle müssen mit der Stimme in Extremlagen gehen.“ Geballte Energie verspricht die Instrumentierung: Mit großen Trommeln und Kesselpauken, Röhrenglocken, Vibraphon und allem, was für die Unterlegung nötig ist, reisen aus Berlin sechs Schlagwerker des Percussion-Ensembles der Hanns-Eisler-Musikhochschule an. Maik Beta aus Quern und Heinke Schulz aus Satrup spielen die Flügel.

Die Aufführung selbst dauert nicht viel länger als eine Stunde. Rund um die große Maschinenhalle des Gutshofes werden ab mittags die Zelte und Lagerfeuer der Gruppen „Ceredir“ aus Westerholz und „Cave Dragun“ aus Norgaardholz die Besucher mit vielen Mitmach-Angeboten ins Mittelalter versetzen. „Es wird kein Markt, sondern ein Spektakel“, betont Koordinator Dirk Patten vom Männergesangverein. „Der Besuch lohnt sich also auch für alle, die keine Eintrittskarte für das Konzert haben.“

In seiner Unewatter Werkstatt sägt und schraubt Lothar Sander, von Beruf Tischler, unterdessen für das Bühnenbild. Ein vier Meter hohes „Glücks“-Rad mit der Schicksalsgöttin Fortuna darauf soll sich während der Aufführung unablässig drehen. Hanna Sander kümmert sich um die Kostüme für die ganze Familie, denn zur ersten gemeinsamen Probe wollen alle schon mittelalterlich gewandet kommen. „Novus, novus, novus amor est…“, singt sie vor sich hin, und ihre Jungs stimmen ein. Auf Latein.



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