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Schleswiger Nachrichten

14. Dezember 2017 | 11:31 Uhr

Kulturzentrum : Musikalische Reise in Antons Welt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mitten in Angeln, am Ortsrand von Freienwill, hat sich in den vergangenen Jahren eine kleine Kultureinrichtung einen großen Namen gemacht. Neben Musikunterricht bietet Antons kleine Welt auch eine Bühne für Veranstaltungen.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2013 | 18:19 Uhr

Wer ist eigentlich dieser Anton? Und was verbirgt sich hinter dessen kleiner Welt? Zumindest, wer in der Region zuhause ist, stolpert immer mal wieder über Ankündigungen, die auf ein Konzert oder einen Kulturabend in eben dieser hinweisen. Aber was verbirgt sich eigentlich dahin? In Freienwill stellt sich diese Frage schon lange nicht mehr. Dort ist „Antons kleine Welt“ längst ein fester Begriff und fest verankert im Dorfleben, auch wenn sie abgelegen am Ortsrand liegt. Dennoch: Jeder kennt sie hier, jeder schätzt sie. Gleiches gilt für etliche Musik- und Kleinkunstfreunde – und zwar nicht nur aus der Region. „Man wundert sich manchmal, wer alles den Weg zu uns findet“, sagt Thomas Großmann.

Gemeinsam mit seiner Frau Kirsten hat der 49-jährige Berufsmusiker zunächst „Anton“ und dann, vor nunmehr zehn Jahren, dessen „kleine Welt“ erschaffen – in einem ehemaligen Dreiseithof in Freienwill, den sie vor 16 Jahren gekauft haben. „Neben unserer großen Familie sollte anfangs nur unser analoges Tonstudio – Anton – in den Hof einziehen“, sagt Großmann, der in Hannover und Berlin Kontrabass studiert hat. Da sich allerdings nach und nach immer mehr musikalische und kulturelle Angeboten dazugesellt haben, „dachten wir uns: Hier ist so viel möglich, das ist eine eigene kleine Welt“, erzählt Großmann, wie der außergewöhnliche Name dieser außergewöhnlichen Kultureinrichtung zustande kam.

Dass es überhaupt so weit kam, war anfangs gar nicht absehbar. „Wir wollten wegen unserer vier Kinder weg aus Berlin und rauf aufs Land“, erzählt Großmann. Da seine Frau dann eine Stelle als Sonderpädagogin in Flensburg bekam, landete die Familie schließlich in Freienwill. Das Tonstudio in dem ehemaligen Bauernhof sollte parallel dazu für Zusatzeinnahmen sorgen. „Aber durch den Fortschritt der Technik wurden Tonaufnahmen immer günstiger, viele Musiker nehmen sich heutzutage selber auf“, erklärt Großmann. So sei sein „Anton“ immer nur ein kleiner Nebenverdienst geblieben – auch wenn das Studio als eines von ganz wenigen in Norddeutschland auch größere Ensembles aufnehmen kann. „Und durch seine analoge Technik sorgt es für einen ganz speziellen Sound, der ein wenig oldschool daher kommt, aber gerade deswegen von vielen Künstlern geschätzt wird.“

Dazu gehören auch zahlreiche Musikschüler, die inzwischen in „Antons kleiner Welt“ an den unterschiedlichsten Instrumenten ausgebildet werden. „Es hat sich schnell im Dorf rumgesprochen, dass hier viel Musik gemacht wird. Dann kamen immer wieder Anfragen, ob wir auch Kurse anbieten“, erzählt Großmann, „das haben wir dann einfach mal gemacht“. Nach und nach wurde das Angebot ausgedehnt. Großmann, der in der Lehrerbildung im Fach Musik an der Uni Flensburg tätig ist, unterrichtet Bass, seine Frau Gitarre, Kollegen und Freunde sind Experten für Cello, Klavier, Schlagzeug oder Geige. Hinzu kommen mehrere Bands, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die betreut proben, ihre Lieder aufnehmen und für ihre ersten Auftritte die kleine Bühne nutzen können, auf der sich regelmäßig längst auch Musiker oder Kabarettisten aus ganz Deutschland einem kleinen, aber feinen Publikum präsentieren.

Der Bau dieser Bühne wurde nötig, als Kirsten Großmann vor zehn Jahren damit anfing, auch Theatervorführungen in Freienwill zu zeigen, in Kooperation mit der Uni und Schulen. „Wir sind eine musikalische und künstlerisch interessierte Familie, das kann man wohl so sagen“, betont Thomas Großmann und zählt auf: Er selbst spielt zahlreiche Instrumente, ist insbesondere Experte für Kontrabass und hat erst kürzlich dazu eine neue Lernmethode veröffentlicht, die bundesweit vertrieben wird. Zudem leitet er den örtlichen Männergesangsverein. Seine verstorbene Mutter Gerlinde war Malerin und Lyrikerin, sein Vater Reinhard, der auch auf dem Hof lebt, hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Thomas Ehefrau Kirsten spielt Gitarre, schauspielert und ist Leiterin des Frauenchores Antonia. Tochter Jella (24) studiert Kontrabass in Lübeck (bald in Berlin), Finn (21) studiert Saxophon in Hannover, Glenn (18) spielt Kontrabass in einer Bigband und Taleja (12) hat sich fürs Schlagzeug, das Singen und die Schauspielerei entschieden.

Sie alle sind ein Teil von „Antons kleiner Welt“, haben alle schon auf der Bühne gestanden und kennen die Proberäume aus dem Effeff. „Und wir mögen es hier, so wie es ist – klein, überschaubar, familiär. Wir machen hier unser Ding und wollen gar nicht weiter wachsen“, betont Thomas Großmann.

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