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Prominenter Gast in Angel : Müntefering: „Blick auf 2050 richten“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der ehemalige SPD-Vorsitzende ruft beim „Demografie-Gipfel“ der SPD zu mehr Solidarität auf. Fazit: „Diese Region muss keine Angst haben“

Diejenigen, auf die es am meisten ankommt, waren nicht gekommen. Die Mädchen und jungen Frauen. Sie hatte Franz Müntefering als Hauptprotagonisten ausgemacht, als er am Sonnabend auf dem Scheersberg darüber referierte, wie dem demografischen Wandel zu begegnen ist. „Wir müssen ernsthaft über die Geburtenrate sprechen“, sagte der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende. Man müsse den jungen Frauen, die nach dem Abitur an die Universitäten gehen, eine Perspektive bieten, damit sie anschließend auch hier im Kreis Schleswig-Flensburg Beruf und Familie vereinbaren können, forderte er. Das Publikum in der Scheersberghalle nickte zustimmend. Rund 100 Gäste waren der Einladung der Kreis-SPD zum „Demografie-Gipfel“, wie Kreistagsfraktionschef Ingo Degner die Veranstaltung in seiner Einleitung nannte, gefolgt. So gut wie alle waren jenseits der 40 und größtenteils schon ergraut.

Ist vom demografischen Wandel die Rede, werde meistens der Blick auf das Jahr 2030 gerichtet, erklärte Müntefering. Das liege daran, dass die Bertelsmann-Stiftung diesen Zeitraum für ihre Erhebungen festgelegt habe. „Ich empfehle aber, den Blick auf 2050 oder gar 2060 zu richten. Denn 2030 ist praktisch schon übermorgen. Das, was dann passieren wird, ist kaum noch zu ändern.“ Den Herausforderungen des demografischen Wandels müsse sich die gesamte Gesellschaft stellen. „Alle sind gefordert“, betonte Müntefering. Der 75-jährige Sauerländer war jedoch nicht in den hohen Norden gekommen, um schwarz zu malen. Im Gegenteil: „Diese Region hier muss keine Angst haben. Nur muss man den Blick nach vorne richten und die vorhandenen Chancen nutzen.“

Gleichwohl zeigte der einstige Arbeits- und Sozialminister die Probleme schonungslos auf. Das Spektrum reichte vom sich weiter zuspitzenden Fachkräftemangel über den Wertverlust bei Immobilien bis hin zu den Problemen in der medizinischen Versorgung. Besonders in der Pflege gebe es „1000 Fragen, die geklärt werden müssen“. An erster Stelle stünden die sozialen Kontakte. Müntefering: „Die schlimmste Krankheit ist die Einsamkeit.“ Um diese Einsamkeit zu bekämpfen, sei die Solidarität der Gesellschaft gefordert.

Man müsse in neuen Formen der Kooperation denken, darüber waren sich in der anschließenden Podiumsdiskussion alle Teilnehmer einig. Der DRK-Kreisvorsitzende Harald Krabbenhöft etwa sprach von „Sozialräumen“, die es zu bilden gelte, damit über Gemeindegrenzen hinweg Angebote aufrechterhalten werden können. Pröpstin Carmen Rahlf warb für die „Handlungsräume“, in denen der Kirchenkreis Schleswig-Flensburg seine Kräfte künftig bündeln will.

Und Dirk Loßack, Staatssekretär im Kieler Bildungsministerium, schlug die Schaffung von kommunalen „Bildungshäusern“ vor, in denen Schule, Kindergarten und Volkshochschule unter einem Dach vereint sein könnten. Auch möchte er Rentner animieren, sich als Lesepaten einzubringen, um speziell Schülern mit Defiziten zur Seite zu stehen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls wiederum forderte, schon beim Wohnungsbau die entsprechenden Weichen zu stellen: „Alles, was gut für Rollatoren ist, ist auch gut für Kinderwagen und Bobbycars.“ Nach Ansicht von Landrat Wolfgang Buschmann gilt: „Wir müssen unsere Stärken stärken. Das ist ein Prozess, der von allen mitgetragen werden muss. Sonst wird er nicht funktionieren.“ Der Verwaltungschef warb dafür, sich an der von seinem Haus initiierten Online-Umfrage zu beteiligen. So könnten die Bürger aktiv teilnehmen am laufenden Strategieprozess „Schleswig-Flensburg 2030“, mit dem sich der Kreis für die Zukunft wappnen will.

Und wie ist es nochmal mit dem Thema Familie und Kinder? Pröpstin Rahlf schilderte das Beispiel ihrer Tochter, die in Kürze ihr Medizinstudium abschließen werde. Sie habe drei kleine Kinder, ihr Studium sei eine Achterbahnfahrt gewesen. Rahlf bemängelte, dass die Familienarbeit in der Gesellschaft nicht geachtet werde. „So geht das nicht weiter.“

Ach ja, mit den Mitgliedern der Musikgruppe „Schräge Vögel“ aus Gelting waren doch ein paar Jugendliche in die Scheersberghalle gekommen. Aber die hatten sich schon nach der Pause auf den Heimweg gemacht.

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erstellt am 30.Mär.2015 | 07:13 Uhr

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