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Jugendanstalt Schleswig : Motivationsschub von Dieter Baumann

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Olympiasieger von 1992 gab in der Schleswiger Jugendanstalt den Startschuss für ein bundesweites Lauf-Projekt.

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erstellt am 24.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Erst als ihr Sportlehrer Lars Weise den jungen Männern erklärte, wer ihnen da eigentlich gegenüber stand, fiel bei einigen der Groschen. „Olympiasieger? Echt? Wahnsinn!“ meinte einer aus der Runde. Und man sah ihm förmlich an, wie groß der Respekt vor diesem ganz gewöhnlich daher kommenden Schwaben plötzlich war. Tatsächlich sollte er nur wenige Minuten später gemeinsam mit Dieter Baumann, einem der größten deutschen Sportstars der letzten Jahrzehnte, auf eine ausgedehnte Lauftour gehen – und zwar innerhalb der Mauern der Schleswiger Jugendanstalt.

Gestern gab Baumann in Schleswig den Startschuss für den bundesweiten Wettbewerb „Jugend bewegt sich über Grenzen“. Ein Projekt, das er im Jahr 2007 gemeinsam mit seinem Freund Dierk Bublitz ins Leben gerufen hat und das sie seitdem ehrenamtlich betreuen. Bublitz ist selbst Sportlehrer in einer Jugendvollzugsanstalt (Rockenberg in Hessen) und war auch gestern gemeinsam mit seinem prominenten Wegbegleiter zu Gast an der Schlei, um hier zwölf Insassen ordentlich auf Trab zu bringen. Denn die fünf besten von ihnen können am 12. Juni zum Abschlusswettkampf ins nordrhein-westfälische Heinsberg reisen. Dort messen sich dann Insassen von insgesamt 17 Jugendanstalten aus ganz Deutschland, die an Baumanns Projekt teilnehmen, und ermitteln den Bundessieger.

„Der Wettkampf ist aber nicht das Hauptziel. Uns geht es in erster Linie darum, dass die Jugendlichen ans Laufen kommen. Dass sie raus gehen, sich bewegen und so den Kopf frei kriegen. Die Situation hier drinnen ist ohne körperlichen Ausgleich viel zu belastend“, erklärte Baumann, der ihm Rahmen des Projektes bereits 2013 die Schleswiger Jugendanstalt besuchte.

Während er damals wegen einer Verletzung jedoch nicht selbst mit den jungen Männern auf die etwa 1,2 Kilometer lange Strecke entlang der Gefängnismauer gehen konnte, lief er diesmal fleißig mit. „Wir haben uns freiwillig angemeldet. Sowas holt einen mal weg vom Stress“, meinte einer der Teilnehmer, der sich dann auch auf das ein oder andere Sprintduell mit dem 5000-Meter-Olympiasieger von Barcelona (1992) einließ. Der wiederum suchte immer wieder das Gespräch mit den Jugendlichen, versuchte sie zu motivieren, ohne dabei aber übertrieben die Moralkeule zu schwingen. Auch nach dem Training zeigte sich Baumann bei Kaffee und Kuchen als Star zum Anfassen und gab den jungen Männern einige Ratschläge mit auf den Weg. „Das ist mit Sicherheit eines meiner schönsten Projekte“, betonte der 50-jährige Tübinger, der unter anderem als Lauftrainer und Kabarettist arbeitet.

Auch bei Anstaltsleiterin Anne Damberg kam Baumanns lockere Art gut an. „Die Jungs können zu ihm hochschauen, haben Spaß und müssen gleichzeitig an ihre Grenzen gehen.“ Das zumindest gilt für die fünf Insassen, die am Ende am Finale in Heinsberg teilnehmen. Dann nämlich steht ein Halbmarathon (rund 20 Kilometer) auf dem Programm. Für die starken Raucher, und das sind alle Teilnehmer, ist das eine echte Herausforderung.

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