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Schleswiger Nachrichten

15. Dezember 2017 | 05:50 Uhr

Mord - Es ging um den Führerschein

vom

Tiefe Betroffenheit im Kreishaus in Schleswig über Verlust der Kollegin

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 07:08 Uhr

Schleswig | Wende im Fall der getöteten Karen H. aus Lürschau bei Schleswig. Offenbar ist die 37-Jährige wegen ihrer Behördentätigkeit zum Opfer geworden. Karen H. hatte im Kreishaus in Schleswig gearbeitet. Ein 57-Jähriger aus einem Nachbarort war am Montag unter dringendem Tatverdacht des Mordes verhaftet worden. "Als Motiv vermuten die Strafverfolgungsbehörden Schwierigkeiten mit der Führerscheinstelle in Bezug auf seine Fahrerlaubnis, dort war die Getötete beschäftigt", teilte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt gestern mit.

Der Fall reiht sich damit in eine Serie ein, in denen Behördenmitarbeiter ins Visier von Bürgern geraten, die unzufrieden sind. Ende März hatte ein 70-Jähriger in Ratzeburg den Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg mit einer Schusswaffe bedroht und dann sich selbst erschossen. Enen Monat später hatte ein 74-Jähriger den Landrat im Hameln erschossen und sich selbst getötet.

Im Fall von Lürschau hingegen wurde die 37-Jährige in ihrer Wohnung im Dorf aufgesucht. Der 57-Jährige soll die Frau mit Messerstichen verletzt haben - sie war tot in der Küche des Hauses gefunden worden. Der Beschuldigte, der kurz nach der Tat versucht habe, sich selbst zu töten, stehe in keiner familiären Beziehung zum Opfer, so Stahlmann-Liebelt. "Der dringende Tatverdacht gegen ihn gründet sich im Wesentlichen auf DNA-Untersuchungen." Der 57-Jährige sei zuvor nie wegen Körperverletzung oder gar Bedrohung ins Visier der Polizei geraten.

Bei den rund 800 Mitarbeitern der Kreisverwaltung ist die Betroffenheit über die Tragödie von Lürschau groß. Wie Schleswiger Landrat Wolfgang Buschmann bestätigt, hat es in der Führerscheinstelle, in der die Getötete arbeitete, keinerlei Anzeichen für eine Bedrohung oder Gefährdung der 37-Jährigen gegeben.

Die aktuelle Entwicklung zeige, dass es zunehmend Menschen gebe, die Probleme nicht bei sich, sondern bei den öffentlichen Stellen suchten. Sich dagegen zu wappnen sei schwierig, so Buschmann. Der Landrat erwägt konkrete Schritte. "Wir werden nicht in Aktionismus verfallen, aber es muss etwas geschehen, auch um das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter wieder aufzubauen." Auch über bauliche Veränderungen müsse man nachdenken.

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