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Schleswiger Nachrichten

22. September 2017 | 21:03 Uhr

St. Jürgen : Möbelhaus kommt nicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein bundesweit tätiges Unternehmen zieht sein Interesse am Standort des Milchwerks in St. Jürgen zurück – angeblich, weil die Stadt zu langsam arbeitet.

von
erstellt am 03.Apr.2014 | 07:45 Uhr

Es schien schon fast in trockenen Tüchern: Ein namhaftes Möbelunternehmen wollte sich an der Schleidörferstraße ansiedeln, auf dem Gelände des bisherigen Milchwerks. Der Glücksburger Projektentwickler Marco Iwersen hatte die ersten Pläne schon im Bauausschuss vorgestellt. Er sprach von 8000 Quadratmetern auf zwei Etagen. Grundsätzlich waren alle einverstanden, es waren nur noch ein paar Details mit den Eigentümern der Nachbargrundstücke zu klären.

Das ist ein halbes Jahr her. Jetzt hat das Möbelunternehmen sein Interesse verloren und wendet sich dem Vernehmen nach anderen Standorten in Schleswig-Holstein zu. Warum, dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen. Eine Version besagt, den Berliner Managern habe das Genehmigungsverfahren zu lange gedauert. Seit der ersten Beratung im Bauausschuss im vergangenen Oktober sei nichts passiert. Nicht einmal der Aufstellungsbeschluss ist gefasst, der erste Schritt für die Änderung des Bebauungsplans. Eine andere Version besagt, das Interesse des Möbelunternehmens sei von Anfang an nicht besonders ausgeprägt gewesen. Vielleicht hängen auch beide Varianten zusammen. Zitieren lassen möchte sich keiner der Beteiligten. Klar ist, dass die Stadtverwaltung vor der Genehmigung genau wissen wollte, um welches Möbelunternehmen es sich handelt, und mit einem „vorhabenbezogenen Erschließungsplan“ sicherstellen wollte, dass mit dem Grundstück am Ende nicht plötzlich etwas ganz anderes geschieht. „Ich habe den Plan, ein Möbelhaus zu errichten, begrüßt und begrüße ihn auch weiterhin“, sagt Bürgermeister Arthur Christiansen. Im Bauausschuss hatten sich alle Ratsparteien bereit gezeigt, das Vorhaben zu unterstützen, solange dadurch keine neue Konkurrenz für die Innenstadt entsteht. Ein Möbelhaus hätte da gepasst. Es geht dabei auch darum, das Areal an der Schleidörferstraße, das über Jahrzehnte „ungeordnet gewachsen“ (Bauausschuss-Vorsitzender Klaus Bosholm) war, neu zu sortieren.

Noch sind 21 Mitarbeiter des Deutschen Milchkontors, der früheren Nordmilch eG, auf dem Gelände beschäftigt. Der Betrieb soll in diesem Sommer eingestellt werden. Den Termin hat DMK-Sprecher Hermann Cordes gestern bestätigt. Es ist schon seit Jahren geplant, die Produktion auf den moderner ausgestatteten Standort Nordhackstedt bei Schafflund zu verlagern. Die meisten Beschäftigten werden dorthin und zu anderen DMK-Standorten wechseln. „Wir legen großen Wert auf eine sozialverträgliche Gestaltung der Schließung“, betonte Cordes.

Marco Iwersen sucht jetzt nach einer anderen Verwendung für das Grundstück. „Wir werden es am 1. September übernommen“, bestätigte er auf SN-Nachfrage. Die entsprechenden Verträge gelten unabhängig vom Interesse des Möbelunternehmens. Er plant aber nicht mehr, das bestehende Milchwerk sofort abzureißen. Stattdessen überlegt er, die vorhandenen Büros und Werkstätten zu vermieten. Eine – wenn auch eher kleine – Einnahmequelle ist Iwersen zumindest sicher: die Pacht für die Mobilfunkantennen auf dem Dach des Trockenturms.

 

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