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Kerzenwerkstatt am Kornmarkt : Mittendrin im Leben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Projekt „Licht-Art“ bietet zehn geistig behinderten Menschen einen attraktiven Arbeitsplatz.

Dass viele Menschen den Buß- und Bettag stets mit einem Gefühl von Schwere betrachten, versteht Pastor Jörn Engler nicht. „Denn“, so der theologische Vorstand der Stiftung Diakoniewerk Kropp gestern, „das Wort ,Buße’ kommt ursprünglich von ,besser’“. Und genau deshalb passe es perfekt, dass ausgerechnet gestern – an eben jenem evangelischen Feiertag – das Inklusions-Projekt „Licht-Art“, durch das bis zu zehn geistig behinderte Menschen einen neuen Arbeitsplatz bekommen haben, offiziell gestartet wurde – in einem Laden im Kaufmannshof am Kornmarkt. „Es war ja vorher nicht alles schlecht. Aber jetzt ist es tatsächlich besser geworden“, fuhr Engler fort. Denn mit dem Einzug in die neuen Räume seien die Beschäftigten nun mittendrin in der Stadt. „Inklusion muss weit mehr sein als ein theoretischer Begriff. Sie muss gelebt werden. Genau das passiert hier.“

„Licht-Art“ ist ein Projekt der Hesterberg & Stadtfeld gGmbH, einem Tochterunternehmen des Diakoniewerkes Kropp. Im Mittelpunkt steht dabei das Herstellen und Verkaufen von Kerzen. Bislang haben die Beschäftigten, die zum Großteil auch in Wohneinrichtung des Trägers leben, in einer Werkstatt auf dem Hesterberg gearbeitet. Dort waren sie allerdings – abgesehen von ihren Betreuern – meist unter sich. Mit dem Umzug in das mit großen Fenstern ausgestattete ehemalige Eis-Café hat sich für die Frauen und Männer (zwischen 20 und 50 Jahre) einiges geändert. „Hier können sie sehen, was draußen so alles los ist – und andersherum werden sie selbst auch gesehen“, erklärte Bereichsleiter Michael Thomsen, der das neue Projekt begleitet und die Schleswiger und Gäste der Stadt animiert: „Kommen Sie herein, setzen Sie sich zwischen die Beschäftigten und machen Sie gemeinsam mit ihnen Ihre eigenen Kerzen!“ Denn die gelebte Inklusion, also die Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben, stehe bei „Licht-Art“ eindeutig im Mittelpunkt.

Deshalb muss der Laden auch nicht zwingend im herkömmlichen Sinne geschäftlich erfolgreich laufen, wie Piet Lassen, der Geschäftsführer der Hesterberg & Stadtfeld gGmbH, betont. „Hier geht es darum, den Beschäftigten ein gutes Umfeld mit sinnvollen Aufgaben zu bieten.“ Dennoch sehe man sich dabei auch als Teil der Kaufmannschaft. „Wir sind auch schon den Kornmarkt-Hökers beigetreten, und unsere Mitarbeiter nutzen die Geschäfte und Restaurant hier rundherum sehr gerne.“ Da sich in der unmittelbaren Umgebung viele Geschäftsinhaber, die kreativ arbeiten und selbstgemachte Produkte anbieten, niedergelassen hätten, fühle man sich am Kornmarkt richtig aufgehoben. „Wir haben lange nach einem Objekt gesucht. Hier passt einfach alles“, sagte Lassen.

Das gilt nicht nur für die Nachbarschaft, sondern auch für die bezogene Immobilie, die zuvor bereits barrierefrei war, nun aber perfekt für die Bedürfnisse der Beschäftigten umgebaut worden sei. Unter anderem wurden eine behindertengerechte Toilette und breitere Türen eingebaut. Von etwa 9 bis 17.30 Uhr ist die Werkstatt besetzt und somit auch der Laden geöffnet. Neben selbst gemachten Kerzen werden auch weitere Produkte verkauft, die von anderen Beschäftigten der Hesterberg & Stadtfeld gGmbH hergestellt wurden, unter anderem Kissen und Dekorationsartikel.


> Am Freitag, 27. November, laden die Mitarbeiter des „Licht-Art“ am Kornmarkt 3 (Kaufmannshof) von 10 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 18:30 Uhr

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