Rüde unter Schock : Mittelangeln trauert: Rätseln über die Todesursache des Babys geht weiter

Ob in der Kreisverwaltung, im Kindergarten oder der Nachbarschaft – der Tod eines Säuglings macht die Menschen fassungslos.

shz.de von
01. Juli 2015, 07:45 Uhr

Entsetzen und Trauer spiegeln die Stimmung nach dem Tod eines vier Monate alten Babys in Mittelangeln wider. Besonders groß ist die Betroffenheit im Ortsteil Rüde, wo die Eltern des Babys leben, das am vergangenen Mittwoch starb, nachdem es sich unter nach wie vor ungeklärten Umständen schwere Verletzungen zugezogen hatte. In dem Ortsteil der Gemeinde Mittelangeln sei man eigentlich stolz auf die soziale Infrastruktur. Besonders um die Kinder und Jugendlichen bemühten sich die Bürger sehr, sagte am Dienstag Amtsvorsteher Helmut Wacker, der selbst in Rüde lebt.

„Ganz schlimm, Rüde steht unter Schock“, so Wacker – schlimm für die Familie, aber auch für die Aktiven der Feuerwehr, die direkt aus ihrer Bezirksübung heraus mit dem Drama konfrontiert wurden, die Wiederbelebungsversuche und den Abtransport des Kindes mit dem Hubschrauber miterlebten.

Das Baby – ein vier Monate alter Junge – war am Nachmittag des 19. Juni von Ersthelfern reanimiert worden, nachdem sich der Lebensgefährte der Mutter hilfesuchend an Bekannte gewandt hatte. Die Mutter war zu der Zeit nicht zu Hause. Der Mann gab an, das Baby sei ihm entglitten. Ein Rettungshubschrauber flog den schwer verletzten Jungen in eine Kieler Klinik, wo er fünf Tage später, am vergangenen Mittwoch, starb.

Bestürzung herrscht auch in der Kreisverwaltung. Dort weist man Mutmaßungen, die Behörde habe auf warnende Hinweise nicht ausreichend reagiert, zurück. „Seit Jahren arbeiten Jugendamt und die betroffene Familie auf Wunsch der Mutter zusammen. Termine für eine weitere Beratung standen bereits fest“, teilte der Kreis gestern mit. Das Jugendamt stehe mit der Mutter in Kontakt und werde die Familie weiterhin unterstützen und begleiten.

Der ADS-Kindergarten trauert. „Die Eltern der Kinder sind sehr betroffen“, schildert Leiterin Gyde Schmidt die Reaktionen. Sie kennt die betroffene Familie, weil deren Kinder die Einrichtung besuchten oder noch besuchen. Für die Diplom-Pädagogin Annika Peters, Leiterin des Familienzentrums in Mittelangeln, ist der Vorfall in Rüde „eine Katastrophe und Anlass, traurig zu sein“. Trauer herrsche um das tote Kind, aber auch darüber, dass der Fall zeige, dass viele Hilfsangebote in der Gemeinde bei einigen Familien nicht ankämen. Die Eltern aller Neubürger würden zu einem Treffen in die Familienbildungsstätte geladen und mit den unterschiedlichen Hilfs- und Unterstützungsangeboten vertraut gemacht, betont sie. „46 Prozent Beteiligung – das ist hoch, reicht aber nicht aus“, so Peters. Auch über das Netzwerk mit Jugendamt, Kindergärten und Schulen werde versucht, problematische Familienverhältnisse zu lokalisieren und zu analysieren. „Aber an der Haustür enden unsere Möglichkeiten.“ Annika Peters und ihre ehrenamtlichen Helfer werden diesen Vorfall zum Anlass nehmen, noch einmal die Hilfsstrukturen zu überdenken, wenn möglich anzupassen und noch mehr Präventionsmöglichkeiten auszuloten.

Marita Marxen hat sich ihr Leben lang als Erzieherin mit Kindern und Eltern beschäftigt und in Mittelangeln Strukturen um die Bildungslandschaft mit initiiert, die Menschen in schwierigen Lebenslagen helfen sollen. Marxen weiß aus ihrer Arbeit für den Bürgerfonds, dass es in Mittelangeln viele Familien gibt, die in schwierigen Verhältnissen leben. Mit dem Netzwerk der Familienbildungsstätte sei die Grundlage für präventive Arbeit gelegt. Nun müsse man sich überlegen, ob die Strukturen noch weiter verbessert werden können. Geschockt zeigt sich auch Mittelangelns Bürgermeister Manfred Madsen, der ebenfalls auf die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Familienzentrum hinweist.

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