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Angelner Museumsbahn : Mit Volldampf in die Pleite?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Angelner Museumsbahn braucht 2,5 Millionen Euro für die Sanierung der Gleisanlage. Im Werkausschuss des Kreises regt sich Widerstand.

Die Angelner Dampfeisenbahn ist ein echter Touristenmagnet: Mehr als 15  000 Fahrgäste pro Saison genossen in den vergangenen Jahren die Fahrt in den historischen Loks und Waggons durch die idyllische Landschaft zwischen Kappeln und Süderbrarup – und in diesem Jahr werden es noch mehr, weil das Wetter nicht immer an den Strand lockte. „Wir haben im Kreisgebiet ein Alleinstellungsmerkmal und erzielen eine bedeutende Wirkung in Sachen Tourismus und Wirtschaft“, sagt Iver-Andreas Schiller, Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn GmbH. Die Gesellschaft betreibt auf der Strecke zwei Dampf- und zwei Dieselloks, drei Personen- und einen Gepäckwagen, in dem auch die Fahrräder der Passagiere transportiert werden. Finanziert wird der Betrieb aus den Ticketverkäufen. Das funktioniert, weil die Gesellschaft durch einen Förderverein unterstützt wird, aus dem viele aktive Mitglieder ehrenamtlich mitarbeiten – als Schaffner, Zugführer, Mechaniker, Heizer und im Hintergrund.

Die Mitglieder haben Spaß an den alten Maschinen in der idyllischen Landschaft und bieten zudem vielen Touristen beste Unterhaltung – das klingt nach einer perfekten Verbindung. Allerdings hat die Sache einen Haken. Die Gleisanlage mit Schienen, Schwellen und Weichen sowie der Lokschuppen in Kappeln gehören dem Kreis Schleswig-Flensburg. Der hat sein Eigentum zwar für einen symbolischen Euro an die Gesellschaft verpachtet. Die aber muss für die Instandsetzung sorgen – zumindest theoretisch, denn das ist nicht zu finanzieren. Im vergangenen Jahr gab der Kreis 20  000 Euro für die Sanierung von Weichen im Bereich Scheggerott , damit der Betrieb in diesem Jahr überhaupt laufen konnte. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schiller nannte den Betrag von 2,5 Millionen Euro für den langfristig notwendigen Austausch aller Schwellen auf der Strecke. Eine eigens für die Museumsbahn erstellte Studie geht noch weiter und kalkuliert eine siebenstellige Summe, um die Zukunft langfristig zu sichern. Eine solche Finanzspritze wäre auch Schiller und seinen Mitstreitern am liebsten – Geldgeber aber sind zurzeit nicht in Sicht. Darum hat der Geschäftsführer einen weiteren Antrag auf Förderung an den Kreistag gestellt, damit die Fahrten auch im nächsten Jahr stattfinden können. „So denken wir von Jahr zu Jahr nach dem Motto: Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.“

Dass der Kreis allerdings auch in diesem Jahr Geld bereitstellt, erscheint nach der Diskussion in der gestrigen Werkausschuss-Sitzung mehr als fraglich: „Dass der Verein diese Millionensumme auftreibt, ist illusorisch. Und der Kreis ist nicht in der Lage, den Betrieb langfristig zu sichern“, sagte Werkleiter Ulrich Thon. Und auch bei den Ausschuss-Mitgliedern scheint die Bereitschaft, Geld zu geben, sehr schwach ausgeprägt zu sein. „Irgendwann muss mal Schluss sein“, ereiferte sich Holger Groteguth (SPD) und erinnerte an einen Grundsatzbeschluss, kein Geld mehr für die Museumsbahn auszugeben: „Wir steigen da aus, weil wir uns das nicht leisten können.“ Christoph Jaenicke (Grüne) erklärte, „die wissen schon seit langer Zeit, dass vom Kreis nichts mehr kommt. Ich hoffe, dass wir nicht wieder Ja sagen.“ Und Rainer Wittek (SSW) brachte auch die Konsequenzen auf den Punkt: „Die Bahn ist gut für den Tourismus, aber wir tragen auch finanzielle Verantwortung für andere Bereiche. Wir können das nicht leisten und müssen dann auch dazu stehen, wenn die Bahn ihrem Ende zugeht. Rückendeckung und Lob für ihre Arbeit bekamen die Eisenbahner zwar von Rüdiger Wiese (CDU) und Wilhelm Krumbügel (FDP), für den Einsatz von Millionen aber sprachen auch sie sich nicht aus.

Eine Entscheidung über finanzielle Zuwendungen fiel gestern nicht – aber es wurde deutlich, dass die Angelner Dampfeisenbahn schweren Zeiten entgegensteuert.

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erstellt am 23.Sep.2015 | 12:01 Uhr

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