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Zugunglück in Tarp : Mit Video: Güterzug erfasst zwei Autos an Bahnübergang

vom

In Tarp (Kreis Schleswig-Flensburg) sind zwei Autos von einem Güterzug erfasst worden. Die Fahrer werden schwer verletzt. Es ist nicht das erste Unglück dieser Art.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2015 | 18:59 Uhr

Tarp | Bei einem schweren Unfall an einem Bahnübergang in Tarp sind am Samstagabend zwei Autofahrer schwer bis lebensgefährlich verletzt worden. Ein Güterzug hatte zwei Autos erfasst. Wegen Bauarbeiten an der Strecke wurde der Bahnübergang manuell gesichert.

Der Güterzug erfasste die Autos am Bahnübergang.

Der Güterzug erfasste die Autos am Bahnübergang.

Foto: Iwersen

Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr kam es gegen 18 Uhr zu dem verhängnisvollen Zusammenstoß am Bahnübergang direkt am Tarper Bahnhof. Wegen Bauarbeiten an der Strecke wurde die Schrankenanlage nicht automatisch gesteuert, sondern durch Sicherungsposten bedient. Kurz vor 18 Uhr passierte zunächst ein Personenzug in Richtung Schleswig den Bahnübergang. Nach dessen Durchfahrt wurde der Bahnübergang wieder für den Fahrzeugverkehr freigegeben – mit fatalen Folgen. Kurz nach dem durchgefahrenen Personenzug nahte ein Güterzug. Dieser erfasste zwei Autos, die dabei waren, den gerade wieder freigegebenen Bahnübergang zu passieren. Beide Autos wurden bei dem Aufprall mehrere Meter mitgeschleift und total zerstört.

Die Rettungsleitstelle alarmierte daraufhin die Feuerwehren Tarp und Wanderup sowie zahlreiche Rettungswagen und den Notarzt. Beide Autofahrer waren nach dem Unfall in ihren Fahrzeugen eingeklemmt und mussten von den Einsatzkräften befreit werden. Sie wurden mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben der Bundespolizei schwebte am Sonntagvormittag keiner der beiden mehr in akuter Lebensgefahr.

Bis in die Nacht waren Rettungskräfte damit beschäftigt, Trümmer einzusammeln. Fachleute reparierten die Bahnstrecke. „Das Gröbste ist erledigt“, sagte der Sprecher am Sonntagmorgen weiter. Am frühen Morgen rollte der Verkehr wieder. Die Bundespolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, die Fahrzeuge wurden sichergestellt, ein Gutachter hinzugezogen. Der Lokführer erlitt einen Schock.

Warum die Streckenposten den Bahnübergang direkt vor dem herannahenden Güterzug wieder öffneten, ist zur Zeit noch unklar.

Es ist nicht das erste Unglück dieser Art. Zum Glück gingen die anderen in den vergangenen Jahren aber vergleichsweise glimpflich aus. In Ascheberg (Kreis Plön), wurde 2013 eine 63-jährige Frau leicht verletzt, als sie einen durch Schrankenwärter gesicherten Bahnübergang passieren wollte und ebenfalls von einem Güterzug erfasst wurde.

Im vergangenen Jahr ließ sich in Klanxbüll (Kreis Nordfriesland) hingegen eine Schranke am Bahnübergang nicht mehr schließen, mehrere Züge fuhren daraufhin ungebremst durch die Anlage. Passiert ist damals zum Glück nichts. Die Bahn erklärte den Vorfall gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag damals mit einem Drahtseilbruch, aufgrund dessen die Schranken nicht wie üblich vom Fahrdienstleiter in Klanxbüll geschlossen werden“ konnten, sagte Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. Der Defekt sei durch aber Bahntechniker schnellstmöglich behoben worden.

Davon unabhängig hat der Tarper Bahnübergang schon häufiger traurige Schlagzeilen gemacht. Er ist mit Halbschranken gesichert – die von Fußgängern wie Rad- und Autofahrern in den vergangenen Jahren immer wieder ignoriert wurden. Allein in 2014 kam es so zu zwei tödlichen Unfällen. Erst erfasste ein Zug einen Radfahrer, der für seine Querung mit dem Leben bezahlte, dann starb ein Fußgänger. Es wurde vermutet, er sei entlang der Gleise gegangen.

Ein Sicherheitsdienst bedient die Schranken:

Die Bauarbeiten am Bahnübergang in Tarp laufen seit vier Wochen. Die Bundesbahn lässt den Weg über die Schienen durch ein Sicherheitsunternehmen aus Berlin sichern. Der Posten ist rund um die Uhr besetzt, Arbeitsplatz ist ein Fahrzeug direkt am Übergang.

Vom Stellwerk in Flensburg wird durch den Fahrdienstleiter jeder Zug fünf bis acht Minuten vor Ankunft per Telefon angekündigt. Im Stellwerkhaus am Bahnübergang befindet sich ein Telefon, ebenfalls im Dienstwagen des Mitarbeiters. Die mobile Schrankenanlage wird dann per Knopfdruck von dem Sicherheitsmitarbeiter geschlossen. Zusätzlich werden die Überwege am Bahnhof für Fußgänger gesperrt. Sollte der Posten das Telefonat vom Stellwerk nicht annehmen, würde der Zug vom Stellwerk gestoppt. (ksö)

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