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Vor der Gottorfer Schlossinsel : Mit Video: Fischsterben im Schleswiger Burgsee gibt Rätsel auf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zu wenig Sauerstoff oder zu viele Kormorane? Mehrere hundert Barsche und Rotaugen sind in den vergangenen Tagen in dem Gewässer verendet.

von
erstellt am 18.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Es ist ein trauriger Anblick, der sich Spaziergängern momentan an der Schlossinsel bietet. Insbesondere im nördlichen Bereich, an der Brücke zur Allee, und den umliegenden Gräben findet man hunderte tote Barsche, Rotfedern und andere Fische im Wasser und auch am Ufer. Einige davon sind verletzt, andere haben ihr Maul weit aufgerissen.

 

„Das ist ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Eigentlich kennen wir das Phänomen eher aus dem Sommer“, sagt Fritz Laß von der Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU) auf Nachfrage. Warum aber jetzt so viele tote Fische im Burgsee treiben, das kann er sich nicht richtig erklären. „Fest steht, dass der Wasseraustausch mit der Schlei einfach so gut wie nicht stattfindet. Das schadet dem Burgsee immer wieder.“ Denn über die Hasselholmer Au und den sogenannten Panzergraben, der von Jagel her kommt, würden immer wieder Nährstoffe aus der Landwirtschaft ins Wasser gespült. Wenn davon dann zu viele im Burgsee landeten, gehe das auf Kosten des Sauerstoffgehaltes, denn dieser wird durch den Abbau organischer Stoffe verbraucht. Das gilt auch für abgestorbene Wasserpflanzen. Und von diesen hat Laß „außergewöhnlich viele“ im Burgsee entdeckt. Das alles könne dafür sorgen, dass die Fische versuchen zu fliehen und dann am Rand des Gewässers ersticken. Vielleicht, so meint er, solle man den starken Bewuchs mit Hilfe eines Mähschiffes eindämmen. „Aber das ist alles reine Spekulation“, betont er.

Auch Fischer Jörg Nadler vermutet, dass ein zu geringer Sauerstoffgehalt für das Fischsterben verantwortlich sein könnte. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich im und am Burgsee seit Monaten ungewöhnlich viele Wasservögel aufhalten: Schwäne, Enten und unzählige Blesshühner sieht man auf der Wasseroberfläche. Und die hinterlassen natürlich riesige Mengen Kot, der vom Sauerstoff abgebaut wird. Gleichzeitig hat Nadler auch beobachtet, dass der Wasserstand des Burgsees „relativ niedrig“ ist, und somit ein Austausch über die Überlaufschleuse zur Schlei, die sich am Gottorfdamm befindet, so gut wie gar nicht stattfindet. „Aber“, sagt Nadler, „auch die Kormorane können an dem Fischsterben schuld sein.“ Wie in allen anderen Bereichen der Schlei, seien die Raubvögel auch regelmäßig im Burgsee auf Beutefang. Und zwar in großen Schwärmen, die solchen Druck auf die Fische ausüben, dass diese an die Ränder des Gewässers flüchten. Diese Theorie würde zumindest erklären, warum einige tote Fisch auch am Ufer liegen.

Das glaubt auch Nadlers Fischerkollege Nils Ross. „Wir kennen das, dass die Fische die kleinen Bäche hinauf bis in die letzten Winkel flüchten und vor Panik sogar aus dem Wasser springen. Das haben wir schon an vielen Stellen gesehen, sogar am Kälberteich oder am Holmer Noor. Die Kormorane lassen ihnen keine andere Wahl“, sagt er. Da es in der vergangenen Woche Hochwasser gegeben habe, „sind viele Fische über die Stufe am Gottorfdamm in den Burgsee geschwommen, jetzt kommen sie nicht mehr zurück und sind ein gefundenes Fressen.“ An Sauerstoffmangel als Grund für das Fischsterben glaubt Nils Ross indes nicht. „Diese Problem haben wir zurzeit in keinem Bereich der Schlei.“

Bei der Stadt geht man hingegen doch eher davon aus, dass der fehlende Sauerstoff das Problem ist. Nachdem man von einer Bürgerin über die vielen toten Fische informiert wurde, habe man bereits reagiert. So würden die Stadtwerke, die Stadtverwaltung und der Fachdienst Wasserwirtschaft des Kreises der Sache inzwischen gemeinsam auf den Grund gehen, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt. Erste Proben würden bereits darauf hindeuten, dass der Sauerstoffgehalt im betroffenen nördlichen Bereich des Burgsees zu niedrig sei. Weitere Proben würden in den kommenden Tagen entnommen. „Eine erste Vermutung ist“, so Wendt, „dass der Fischschwarm bei Hochwasser in die flachen Bereiche des Sees geraten ist, und anschließend, bei Rückgang des Wasserstandes, nicht mehr zurückgefunden hat.“

Die Schleuse am Gottorfdamm wird übrigens von den Umweltdiensten bedient – und zwar auf Anweisung der Stadt, die sich dazu mit den Holmer Fischer berät. Die aktuelle Regelungen sieht vor, dass die Rückstauklappe vom 15. April bis 15. Oktober grundsätzlich geöffnet ist. In der restlichen Zeit kann nur Wasser vom Schlossgraben in die Schlei laufen – nicht aber umgekehrt.

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