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Sanitätszentrum Kropp : Mit Spritze, Skalpell und Schusswaffe

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Mitarbeiter des Sanitätszentrums Kropp sind vielfältig einsetzbar – nicht nur innerhalb der Kaserne, sondern auch in Afghanistan.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Kropp | 12.000 Patienten pro Jahr, bis zu 3000 Impfungen und rund 2500 Zahnbehandlungen: Allein diese Zahlen, die das Sanitätszentrum Kropp vorweisen kann, sprechen für sich. Belegen sie doch, dass dort stets eine Menge Arbeit auf die insgesamt 56 Ärzte, Sanitäter und Mitarbeiter wartet. Dennoch führt die eigenständige Einheit, die auf dem Gelände der Kropper Kaserne beheimatet ist, nur ein Schattendasein im Gesamtkomplex des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ mit seinen über 1500 militärischen und zivilen Kräften. In diesem Jahr kann das Sanitätszentrum Kropp bereits auf eine achtjährige Tätigkeit zurückblicken, nachdem es im Jahr 2005 im Zuge einer Strukturreform der Bundeswehr eigenständig wurde (die Sanitäter sind damals zu einer eigen Teilstreitkraft erklärt worden). Höchste Zeit also für dessen Leiter, Flottillenarzt Dr. Karsten Wegner, die Arbeit seiner Einheit einmal gewürdigt zu sehen. „Denn“, so betont er, „hier wird in einem gut funktionierenden Team hervorragende Arbeit geleistet“. Nur draußen, also außerhalb der Kasernenmauern, nehme das kaum jemand wahr.

Im Innern des Kropper Bundeswehr-Kosmoses hingegen wissen die meisten „Immelmänner“ sehr wohl zu schätzen, was sie an ihrem Sanitätszentrum haben. Denn die Ärzte und Sanitäter sind in erster Linie für ihre Gesundheit zuständig. Der sogenannte Weiße Bereich, also die truppenärztlichen Tätigkeiten, bildet in Verbindung mit der Flugunfallbereitschaft den Hauptteil Sanitäts-Arbeit. „Aber da gibt es weit mehr“, betont Wegner und verweist auf den Grünen Bereich: Ausbildung von medizinischem Personal sowie Ersthelferausbilung für alle Soldaten des Geschwaders. „Insbesondere wenn die Männer oder Frauen in den Einsatz gehen, müssen sie fit in diesen Dingen sein und im Notfall lebensrettende Maßnahmen beherrschen“, erklärt der Facharzt für Allgemein- und Tropenmedizin. Auch die Einsatzvorbereitung und -empfehlung sei ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Sanitätszentrums. So würden hier unter anderem Hör- und Seh- sowie Blut- und Lungenfunktionstests gemacht. Auch Impfungen, etwa gegen Gelbfieber, werden vorgenommen. Bis zu 1000 Begutachtungen kämen jährlich zusammen. „Und nicht immer sind die Soldaten mit den Ergebnissen einverstanden“, sagt Wegner. Denn der ein oder andere müsse am Ende aus gesundheitlichen Gründen auf seinen Auslandseinsatz verzichten.

Auch für Birgit Carstensen gehören solche Fälle zum Berufsalltag. Die medizinische Fachangestellte aus Schleswig gehört zu den vier zivilen Mitarbeitern des Sanitätszentrums und möchte die Arbeit bei der Bundeswehr nicht mehr missen. „Auch hier kann das Wartezimmer mal voll sein, aber das Arbeitsklima ist deutlich besser als in einer privaten Praxis, wo immer auch das Geschäftliche eine Rolle spielt“, sagt Carstensen. Auch Isabel Dell-Missier, Auszubildende im dritten Lehrjahr, wird diesen Eindruck vielleicht eines Tages bestätigen können. „Denn die Ausbildung bei der Bundeswehr, egal ob bei Ärzten, Sanitätern oder Fachangestellten, ist zivil anerkannt und entspricht den Normen“, betont Dr. Wegner, der im Sanitätszentrum von zwei weiteren militärischen Fachärzten sowie wechselnden Honorarärzten unterstützt wird.

Wegner selbst wird im Übrigen bereits im November eine weitere wichtige Aufgabe seiner Einheit übernehmen, wenn er für vier Monate als Kompaniechef und Leiter der Klinik und des Rettungsdienstes ins Lager der Bundeswehr im afghanischen Masar-i-Scharif geht. „Es ist immer ein Teil von uns im Auslandseinsatz“, erklärt Wegner und fügt an, dass man nicht vergessen dürfe, dass man nun einmal Soldat sei. „Das gilt insbesondere für Afghanistan, wo die Taliban keinen Wert auf die Genfer Konventionen legen.“ Dass man als Sanitäter im Krieg stets als Guter gesehen werde, diese Regel gelte am Hindukusch leider nicht. „Deswegen musste ich jetzt fünf Wochen auf dem Truppenübungsplatz und zwei im Schießstand verbringen“, berichtet Wegner von bevorstehenden Einsätzen mit Schutzweste und Schusswaffe. Auch das gehört zum Alltag eines Bundeswehr-Arztes.

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